Eisenberg In der Tiefe

Hans Dieter Ansorge, Withold Groborz und Alexander Ertel (von links) führten die RHEINPFALZ durch die Grube.
Hans Dieter Ansorge, Withold Groborz und Alexander Ertel (von links) führten die RHEINPFALZ durch die Grube.

Stille. Obwohl mitten im Eisenberger Industriegebiet gelegen, ist es auf dem Gelände der Grube Abendtal zunächst überraschend ruhig. Nur das Gebläse ist zu hören, das über den Rettungs- und Bewetterungsschacht die unter Tage verbrauchte Luft ansaugt und ins Freie befördert. In zwei Boxen im Grubengebäude wartet der grüne Ton auf den Abtransport zur Weiterverarbeitung. Wo und wie dieser wertvolle Bodenschatz hier gewonnen wird, darüber wollen wir an diesem Tag mehr erfahren. Doch bevor es in die Tiefe geht, gibt Betriebsleiter Alexander Ertel im Zechenhaus eine kleine Sicherheitseinweisung: Er erklärt den Filterretter, den jeder der Besucher am Körper tragen muss und der im Notfall für eine halbe Stunde sicheres Atmen ermöglicht. Sicherheitsschuhe und Schutzkleidung und Handschuhe sind ebenfalls Pflicht, genauso wie der Schutzhelm und die LED-Lampe, in der Bergmannssprache Geleucht genannt. „Sicherheit steht an erster Stelle“, betont Produktionsleiter Withold Groborz. Und für die höhere Sicherheit sorgt außerdem Barbara, die Schutzheilige der Bergleute, die auf einem Bild an der Wand präsent ist. Zugegeben: Auf den wenigen Metern zum Schacht mit dem weithin sichtbaren Förderturm schießen dem Autor dieser Zeilen schon ein paar Gedanken durch den Kopf. Was ihn da unten wohl erwartet? Doch bevor die Vorfreude der Sorge weicht, ist schon der Förderkorb angekommen. „Glück auf!“ grüßt der Bergmann, der den Kettenvorhang nach oben schiebt, damit wir einsteigen können. Im Korb finden nur drei Mann Platz und so stehen wir dicht gedrängt. Der „Vorhang“ wird geschlossen, das Abfahrtssignal erklingt, mit einem leichten Ruck setzt sich der Förderkorb in Bewegung und schon geht es pro Sekunde 1,25 Meter in 67 Meter Teufe (Tiefe). Mit einem freundlichen „Glück auf“ nimmt uns der Bergmann am Füllort in Empfang. Gegenüber dem eben noch kalten Wind Übertage ist hier unten die konstante Temperatur von 12 Grad direkt angenehm. Seitlich an den Backsteinwänden angebrachte Lampen beleuchten die Strecke. Mittlerweile blutet Helmut Dells Fotografenherz, denn Untertage darf wegen Explosionsgefahr nur mit einer speziellen Kamera fotografiert werden. Nach nur wenigen Metern hat sich der zunächst etwas lästige Helm schon bewährt, die Durchgangshöhe beträgt rund 1,80 Meter und zusätzlich hängen noch Rohre und Leitungen an der Decke. Ertel führt uns um die Ecke zum Pumpsumpf, wo sich pro Stunde 30 bis 60 Kubikmeter Wasser sammeln. Der mit geschwemmte Klebsand setzt sich im Sedimentierungsbecken ab. Einmal im Monat wird dann diese etwa 80 Zentimeter dicke Schlammschicht in mühevoller Handarbeit mit Eimern in eine Lore gefüllt, Übertage transportiert und auf der Schlammhalde abgekippt. Ein Gefühl der Sicherheit vermitteln die Hinweisschilder mit dem grünen Pfeil zum Notausgang. Dieser besteht aus einer Stahlröhre von einem Meter Durchmesser. Innen führt eine Leiter senkrecht nach oben. Der Fluchtschacht wurde im Jahr 2000 eingebaut und dient gleichzeitig als Absaugschacht für das verbrauchte Wetter (Luft). Dann wird es etwas beschwerlich, denn wir müssen über einen Bremsberg acht Meter Höhenunterschied überwinden und nähern uns so unterirdisch dem Sicherungspfeiler der ehemaligen Grube Leonhard. Schon ist der Presslufthammer zu hören und nach wenigen Metern stehen wir vorn am Stoß, also an der eigentlichen Abbaustelle, die im Türstockausbau mit Holzbalken gesichert ist. Es ist eine schweißtreibende Handarbeit, die die beiden Bergleute verrichten. Einziges Hilfsmittel ist der Presslufthammer, mit dem der feste Ton gelockert wird. Mit der Schaufel werden die Loren mit einem Fassungsvermögen von rund 650 Kilogramm befüllt. Täglich werden auf diese Weise 17 bis 20 Tonnen Ton gefördert. Hinzu kommen aber noch vier bis fünf Tonnen Abraum, der ebenfalls nach oben gebracht werden muss. Zusätzlich muss der Türstockausbau zur Sicherung Stück für Stück vorangebracht werden. Mit dem Abschiedsgruß „Glück auf“ gehen wir nach insgesamt einer Stunde die gesamte Strecke zurück. Mit dem Förderkorb geht’s zur Rasenhängebank, die nichts mit einem Wellnessbereich zu tun hat, sondern die Oberkante des Schachts bezeichnet. Zum Abschluss steigen wir noch auf die darüber liegende Hängebank. Von hier aus werden die beiden Förderkörbe gesteuert. Hier endet die Fahrt der beladenen Loren. Sie werden gewogen und in die tiefer liegenden Boxen geleert. Unterm Strich war diese Einfahrt ein einmaliges und erfahrungsreiches Erlebnis und wir waren die letzten Besucher, die in diesen exklusiven Genuss kamen.

Ein Mitarbeiter schiebt eine Lore aus dem Förderschacht.
Ein Mitarbeiter schiebt eine Lore aus dem Förderschacht.
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