Rheinpfalz In den USA Deutschland schätzen gelernt
«Waldfischbach-Burgalben.» Fließende Englisch-Kenntnisse, neue Eindrücke und ein ganzes Stück an Lebenserfahrung – Maria Guerra aus Waldfischbach ist mit vielen positiven Eindrücken von ihrem zehnmonatigen USA-Aufenthalt nach Deutschland zurückgekehrt. Als Stipendiatin des Parlamentarischen-Patenschaftsprogramms hat sie eine amerikanische High-School besucht und in dieser Zeit bei Gasteltern gelebt. Mit ihrer Patin, der Bundestagsabgeordnete Angelika Glöckner, stand sie dabei immer wieder in Kontakt.
Als eine von rund 300 Austauschschülern, die über das Patenschaftsprogramm in die USA reisen, ist die 17-Jährige im vergangenen Jahr nach Gambrills, Maryland, eine Kleinstadt in der Nähe der US-Hauptstadt Washington, gestartet. Ihre Gasteltern, ein Ehepaar, dessen erwachsene Töchter bereits aus dem Haus waren, kannte sie zuvor nur von Telefonaten. „Es hat alles wunderbar geklappt“, erzählt die junge Frau. Die Zeit als „Einzelkind“ – Maria hat zwei Brüder – habe ihr zur Abwechslung auch gut gefallen, meint sie schmunzelnd. Das amerikanische Schulleben und -system sei ganz anders als in Deutschland. „Das war zu Beginn schon gewöhnungsbedürftig“, sagt sie. Ihre „High School“, die die Klassen neun bis zwölf umfasst, sei im Vergleich zu deutschen Schule riesig. „Wir waren ungefähr 2500 Schüler“, erzählt sie. Dennoch sei es ihr leicht gefallen, Freundschaften zu schließen. „Für die Jugendlichen spielt sich der Großteil auch des gesellschaftlichen Lebens in der Schule ab“, beschreibt sie von ihrem Tagesablauf. Das sei schon ein wenig wie in den US-TV-Serien. Neben dem Unterricht spiele der Sport eine große Rolle. Gerade dem Mannschaftssport werde ein großer Stellenwert beigemessen. Die Football-Spiele des Schulteams hat sie regelmäßig am Wochenende gemeinsam ihren Freunden besucht. „Das werde ich vermissen“, sagt sie. In ihrer High-School war Guerra zudem im Tennis Team aktiv. „Wir hatten fast jeden Tag Training und unternahmen als Mannschaft viel gemeinsam. Man ist da eingebunden, das ist ein schönes Gefühl“, erzählt sie. Der Schulstoff sei ihr insgesamt leicht gefallen. „Das war schon um einiges einfacher als hier in Deutschland“, so ihr Gefühl. Musste sie sich zu Beginn noch auf die Sprache konzentrieren, habe sie sich nach nur zwei Wochen schon gut eingefunden. In vielen Tests wurden lediglich Auswahlfragen gestellt, zudem wurden gute Mitarbeit oder erledigte Hausaufgaben immer belohnt. Was ihr noch aufgefallen ist: „Die Disziplin der Schüler war wesentlich schlechter als bei uns.“ Marias Aufenthalt fiel genau in die Phase des US-Wahlkampfs. „Das läuft alles viel aggressiver ab als in Deutschland“, hat sie beobachtet. Die Wahl Trumps habe ihre Familie und auch einen Großteil ihrer Freunde geschockt. „Damit hatte meine eher demokratische Familie nicht gerechnet“, sagt sie. Trotz des Interesses am Wahlkampf seien Nachrichten in den USA bei vielen eher nebensächlich, ihre Familie hätte auch keine Tageszeitung abonniert. In ihrem High-School-Jahr hat Maria gemeinsam mit ihrer Familie einige Ausflüge unternommen und einiges von der Ostküste gesehen. New York, Toronto und die Niagara-Fälle, ein Urlaub in South Carolina. Zudem stand ein Besuch in Washington mit Senat auf dem Programm. Sie habe viele Freundschaften geschlossen, von denen dank der neuen Medien sicherlich einige die räumliche Trennung überleben werden. „Ich habe zudem viel über die amerikanische Kultur erfahren“, erzählt die aufgeschlossene Schülerin. Gleichzeitig habe sie Deutschland, seine Kultur und Geschichte aus einem anderen Blickwinkel sehen können. „ Ich habe vieles in Deutschland erst aus der Ferne zu schätzen gelernt“, resümiert sie. Und sie hat erfahren, dass Deutschland bei vielen einen hohen Stellenwert genießt. „Pünktlichkeit und Fleiß haben sie deshalb auch von mir erwartet“, sagt sie lachend. „Ich würde eine solches Jahr wirklich jedem empfehlen“, ist die 17-jährige Schülerin begeistert von ihrer Zeit in den USA. Info —Wer sich für ein Austauschjahr in den USA interessiert, kann sich noch bis zum 15. September für das Schuljahr 2018/2019 bewerben. Die Bewerber sollten zwischen 2000 und 2006 geboren sein und müssen deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. —www.bundestag.de/ppp