Rheinpfalz In allen Farben der Umgebung
Mannheim. „Stadt.Wand.Kunst“ ist der Titel eines Mannheimer Projekts, bei dem inzwischen 13 im gesamten Stadtgebiet verteilte Megakunstwerke entstanden sind. Die letzte dieser Arbeiten hat der Künstler Alexey Luka jüngst auf die zuvor triste Backsteinwand des Jugendkulturzentrums „Forum“ in der Neckarstadt gesprayt.
Einen Namen hat es noch nicht – falls es überhaupt jemals einen bekommen wird. Doch das ist kein Problem. Denn das Riesenkunstwerk von Alexey Luka, das er an eine einst ziemlich triste Backsteinwand des Jugendkulturzentrums „Forum“ gesprayt hat, beeindruckt durch etwas ganz anderes. Es passt sich der inneren und äußeren Architektur des eigentümlichen, einem Maulwurfsbau gleichenden Gebäudes, perfekt an. Mehr noch: Es fügt sich ebenso perfekt in seine gesamte Umgebung ein. Alexey Lukas Mural, wie diese großflächigen Wandgemälde genannt werden, ist fortan Teil des Projekts „Stadt.Wand.Kunst“. Mit diesem entstand eine einzigartige Freiluftausstellung, die bereits 13 im Stadtgebiet verteilte Megakunstwerke aufweist. „Ich habe die Farben aus der Umgebung aufgegriffen, etwa das Grün des Frühlings und das Gelb der Jalousien des Nachbarhauses“, verrät Luka, der 1983 in Moskau geboren wurde, auf Englisch. Tatsächlich. Ein vergleichender Blick, und viele Farben sind schnell im Drumherum auszumachen. „Damit möchte ich den Anwohnern meinen Respekt ausdrücken“, so der 33-Jährige. Für die Spraydose als Arbeitsinstrument habe er sich bewusst entschieden, denn damit könne er einerseits schneller arbeiten als mit einem Pinsel, andererseits sei die Farbe weniger witterungsanfällig und bleibe über längere Zeit leuchtend. Das Motiv – zerklüftet, geometrisch, abstrakt – gibt bewusst Rätsel auf. Man muss es lange betrachten, um die beiden Figuren darin zu erahnen, auf die der Russe zeigt, während er den Hintergrund seines Werks erklärt. „Es ist eine Art Spiel“, sagt Luka, der vor etwa zehn Jahren als Graffiti-Sprayer in die Kunstszene eingestiegen ist. Für jeden Betrachter stelle das Werk etwas anderes dar. „Die einen schauen eher auf die Farben, die anderen auf die Strukturen.“ Das Bild erinnert an ein großes Puzzle – nicht untypisch für seine Arbeiten. In der Zwischenzeit ist Alexey Luka „Vollzeitkünstler“, wie er es nennt. „Ich versuche, davon zu leben.“ In eine bestimmte Kategorie, etwa „Streetart-Künstler“, lässt er sich nicht einordnen. Denn Luka bemalt nicht nur Wände, er macht auch Skulpturen, arbeitet gerne mit Holz. Dass sich seine Werke stets in die Umgebung einpassen, bleibt bezeichnend. In Moskau, wo er auch heute noch lebt, wird er als einer der talentiertesten jungen Künstler der zeitgenössischen, russischen Kunstszene gehandelt. Werke von ihm findet man unter anderem auch in Italien, Dänemark oder Marokko. Schon während seiner Arbeit am Jugendkulturzentrum zeigte sich, dass den meisten Lukas Kunst wohl gefällt. „Viele haben Fotos gemacht und mich angesprochen“, erzählt er. „Eine Frau hat mir sogar Schokolade geschenkt.“ Sie wohne genau gegenüber und sei froh, dass sie nun auf eine bunte Wand schaue, wenn sie morgens die Rollläden hochzieht. Einer, der auch froh ist, Alexey Luka für Mannheim gewonnen zu haben, ist Sebastian Bader von der Alten Feuerwache Mannheim, die das Freiluftgalerie-Projekt „Stadt.Wand.Kunst“ gemeinsam mit der Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG, dem Kulturamt und dem in Heidelberg gegründeten Unternehmen Montana-Cans ins Leben gerufen hat. „Ich glaube, wir hätten für dieses Gebäude keinen besseren Künstler finden können“, sagt Bader. Und verrät dann noch, dass sich dieses Jahr mindestens zwei weitere Künstler in Mannheim verewigen werden. Jetzt fehlt nur noch das Angebot einer Führung zu den Werken – doch auch dies ist laut Bader in der Mache.