Rheinpfalz Immer Ärger mit der Milch
Was wird nicht alles über sie in Umlauf gebracht:Milch mache Krebs, provoziere Unverträglichkeiten,sei verantwortlich für Allergien und so weiter. Kaum etwas davon ist wissenschaftlich haltbar,sagt das Bundesforschungsinstitut für Ernährung.
Das Internet, das alles immer schon ganz genau weiß, hat sich vor einigen Jahren die Milch ausgesucht und zum Hassobjekt gemacht: Sie löse Krebs aus, heißt es, sie provoziere Unverträglichkeiten und Allergien. Nun hat sich das Max Rubner-Institut der Sache angenommen und die aktuelle Datenlage zum Thema gesichtet. Ergebnis: Es ist nicht viel dran an der Panikmache, zumindest nicht aus wissenschaftlicher Sicht – Laktoseintoleranzen selbstverständlich ausgenommen, die aber in Nord- und Mitteleuropa keine so große Rolle spielen wie etwa in Asien. In Deutschland beispielsweise vertragen 15 Prozent der Bevölkerung keinen Milchzucker. „Grundsätzlich besteht durch den vermehrten Verzehr von Milch und Milchprodukten kein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Schlaganfall“, fasst das Forschungsinstitut des Bundes für Ernährung und Lebensmittel seine Recherchen zusammen. In einigen Studien sei sogar festgestellt worden, dass Milch und Milchprodukte das Risiko für Herzerkrankungen verringern. Es bestehe zudem ein statistischer Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Verzehr von Milch und einem verringerten Risiko für Bluthochdruck und Altersdiabetes (Typ-2-Diabetes). Zudem erhöhe Milch die Knochendichte. Dass dagegen Milch zu krankhafter Fettleibigkeit führe oder zu Osteoporose, dafür „konnte bisher kein Zusammenhang festgestellt werden“, heißt es von Seiten der Max-Rubner-Forscher. Auch das Risiko für Dickdarmkrebs verringert sich offenbar durch Milch. Nur die Wahrscheinlichkeit, Prostatakrebs zu bekommen, steigt, allerdings muss man dann extrem viel Milch trinken. Solche Mengen würden in Deutschland in der Regel nicht erreicht, beruhigen die Experten. Die Daten zeigten, dass hierzulande vergleichsweise wenig Milch getrunken und Milchprodukte gegessen werden, in fast allen Altersgruppen. Für Brustkrebs und alle weiteren Krebsarten gebe es keine Hinweise darauf, dass Milch das Erkrankungsrisiko erhöhe. „Ob bei Jugendlichen ein erhöhter Milchverzehr zu einem vermehrten Auftreten von Akne führt, ist noch unzureichend erforscht“, betont das Bundesinstitut. Auch Karies an den Zähnen förderten Milch und Milchprodukte nicht. Ohnehin lassen sich die Deutschen offenbar nicht sonderlich anstecken von den Meldungen über die angeblich gesundheitsschädigende Wirkung von Frischmilch und den daraus hergestellten Produkten. Das zeigt der Ernährungsbericht aus dem Jahr 2012. Demnach ist seit den 1980er Jahren der Konsum mit rund 80 Kilogramm pro Person und Jahr relativ stabil. Erfasst wurden in dieser Studie Jugendliche und Erwachsene zwischen 15 und 80 . Damit werden allerdings die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) unterschritten, die zu 200 bis 250 Gramm Milch, Joghurt und Co. sowie zu 50 bis 60 Gramm Käse am Tag rät. In Frankreich und Italien ist die Situation ähnlich, Die Niederländer und Finnen dagegen sind wahre Milchvernichter. Allerdings werden die Laktoseintoleranzen Richtung Mittelmeerraum häufiger und liegen etwa in Süditalien bei über 50 Prozent, während sie in Skandinavien nur 5 Prozent der Bevölkerung betreffen, in Schweden lediglich 2 Prozent. In den USA ging zwischen 1990 und 2008 der Verbrauch von Milch und Milchprodukten bei Kindern zwischen sechs und elf Jahren um 22 Prozent zurück. Die weißen Amerikaner haben kaum Laktoseintoleranzen (12 Prozent), bei anderen Ethnien sieht es anders aus. Wie die Max-Rubner-Forscher betonen, sind Milch, Joghurt und Co. in Deutschland „eine bedeutende Quelle“ für die Mineralstoffe Calzium, Zink und Jod und eine ganze Reihe von Vitaminen, darunter B2 und B12. Allerdings würden hierzulande ohnehin zu viel Eiweiß und B12 aufgenommen, mehr jedenfalls, als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät.