Eisenberg Im zweiten Anlauf hat es gefunkt

Ein Herz und eine Seele: Gunther und Erika Biesterfeld.
Ein Herz und eine Seele: Gunther und Erika Biesterfeld.

Erika und Gunther Biesterfeld feiern heute Platinhochzeit. 55 Jahre sind sie miteinander verheiratet. Da gibt es einiges zu erzählen. Die RHEINPFALZ hat das Paar getroffen.

Eigentlich hat Gunther Biesterfeld seine Frau durch Couchsurfing kennengelernt. Nur: Den Begriff kannte man damals noch nicht. Aber der Reihe nach: Gunther Biesterfeld kommt aus Schleswig-Holstein. Aufgewachsen ist er, als Ältester von vier Jungs, in Wedel an der Elbe, hat dort seine Mittlere Reife gemacht. „Danach habe ich erst eine Lehre als Industriekaufmann und dann eine als Maschinenschlosser gemacht. Ich wollte technischer Kaufmann werden“, erinnert sich der 82-Jährige. Nach der Ausbildung habe er sich auf drei Stellen beworben. „Ein Vorstellungsgespräch fand in Berlebeck bei Detmold statt“, so Biesterfeld. Um Geld zu sparen, habe er dort bei den Eltern eines Freundes übernachtet und dabei die Tochter des Hauses, seine spätere Frau, kennengelernt. Erika Biesterfeld wurde in Breslau geboren und in Folge des Zweiten Weltkrieges vertrieben. Im Herbst 1947 sei sie mit ihrer Familie in Rostock gelandet, wo sie auch zur Schule ging. „Ich wollte immer Lehrerin werden und hatte damals eine Berechtigung erhalten, Lehramt zu studieren“, erinnert sich die 77-Jährige. Da ihr Vater Vermessungsingenieur gewesen sei und somit zur „Intelligenz-Klasse“ gehörte, habe ihr Bruder nicht studieren dürfen. „Die Arbeiter und Bauern wurden damals bevorzugt“, sagt sie. Nachdem ihr Bruder daraufhin die Entscheidung getroffen hatte, nicht in der DDR zu bleiben, habe sich die ganze Familie zur Flucht entschlossen. Nach seinen Bewerbungsgesprächen habe Gunther Biesterfeld in Berlebeck – rund 300 Kilometer entfernt von Bad Ems – eine Stelle angenommen, woraufhin sich der Kontakt zunächst auflöste. „Mit Freunden machte ich dann eine Kajakfahrt auf der Donau von Ulm nach Wien und entschloss mich spontan, auf dem Rückweg in Bad Ems vorbeizuschauen“, erzählt er. Bei dem Wiedersehen habe es „richtig gefunkt“ und kurze Zeit später sei Verlobung gefeiert worden. Als Verlobungsgeschenk habe es ein Kajak für Erika gegeben, womit Gunther sein großes Hobby zu ihrem Hobby machte. „Erika zog dann zu mir nach Wedel um, wir hatten die Elbe vor der Haustür und waren oft mit dem Kajak unterwegs“, erzählt er. So auch ein Jahr später nach der Hochzeit. Beruflich habe es ihn erst nach Hamburg in den Außendienst verschlagen, um 1967 eine eigene Vertretung für die Pfalz und Südbaden zu übernehmen. Erika Biesterfeld absolvierte die Handelsschule und arbeitete später in einer Bank. 1965 und 1968 wurden zwei Mädchen geboren – die Jüngere ist 2018 verstorben. „Als das Verkaufsgebiet vergrößert wurde, wollten wir in die Mitte ziehen und sind 1972 in Eisenberg gelandet“, so Biesterfeld. 1997 ist das Ehepaar in Eisenberg umgezogen. „Seit wir in Pension sind, engagiert sich meine Frau in der evangelischen Kirche und ich bin Vorsitzender des Landschaftsparks von Gienanth“, sagt er.

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