Kultur Südpfalz Im Schatten eines Baumes

Eine laue Sommernacht, der Innenhof des Bergzaberner Schlosses, zwei Gitarristen unter einem Baum: Romantischer hätte die Umgebung für das Konzert des Café del Mundo gar nicht sein können.
Café del Mundo nennt sich das Gitarrenduo Jan Pascal und Alexander Kilian, die in Bad Bergzabern viele begeisterte Zuhörer fanden. Von ihrem Platz unter dem Baum aus nahmen die beiden Musiker ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise quer durch halb Europa bis nach Südamerika. „Dance of Joy“, übersetzt „Tanz der Freude“, heißt ihr neues Programm, das selbst komponierte Stücke und ihre eigene Versionen bekannter Titel verbindet. Café del Mundo ist viel unterwegs und sammelt überall neue musikalische Eindrücke, ob in Polen oder im Heimatland der Gitarre, in Spanien. Mühelos gelangen Jan Pascal und Alexander Kilian Akkorde und Improvisationen im spanischen Stil. Zu den Klängen von „La Fiesta“, einer musikalischen Erinnerung an die spanische Stadt Malaga, könnte jede Flamencotänzerin loslegen. Das Duo kann nicht nur temporeich und virtuos spielen, die beiden Gitarristen ergänzen sich musikalisch perfekt. Und sie verstehen sich auf eine geschickte Dramaturgie, den Wechsel zwischen improvisiert wirkenden Momenten, melancholischem Ausdruck und temperamentvoller Rhythmik. Jan Pascal hatte außerdem zu jedem Stück eine kleine Geschichte parat, zum Beispiel die eines heruntergekommenen Ortes an der Küste, dessen Name frei übersetzt „Juwelenbesetzte Stadt“ heißt. Die Musiker fragten nach und erfuhren, dass dieser Ort vor Jahrhunderten tatsächlich reich war, aber durch plündernde Seeräuber verarmte. Diese Story inspirierte die Gitarristen zu einem Stück, in dem die wechselvolle Geschichte hörbar wurde. Um Tango zu spielen, braucht man nicht zwingend ein Bandoneon. Es funktioniert auch hervorragend mit zwei Gitarren, wie Café del Mundo in seiner frischen, rhythmisch lebendigen Interpretation des Klassikers „Libertango“ von Astor Piazzolla zeigte. Das Duo hatte noch einen Tango dabei, einen aus Polen, wo man den lateinamerikanischen Tanz nicht erwarten würde. „Schenk mir noch einen Sonntag“ wurde spritzig und witzig musiziert. Angeblich gibt es das Stück auch in einer russischen Fassung mit tragischem Ausgang. Zur Erheiterung des Publikums gab Café del Mundo dann ein paar typisch russisch gefärbte Tango-Takte zum Besten. Auch von arabischer Musik haben sich Jan Pascal und Alexander Kilian inspirieren lassen, zum „Tanz der Beduinen“ und einer „Arabischen Nacht“. Letztere klang zwar mehr nach Flamenco als nach Bauchtanz, wurde aber stimmungsvoll und virtuos musiziert. Zu den selbst komponierten Stücken gehörte auch „La Bossa“, „Die Welle“, in dem die Musik dahin fließt wie das Meeresrauschen, an das sie erinnern soll. Mit Hilfe von dezent zugespielter Live-Elektronik konnte Café del Mundo auch mal eine bestimmte Akkordfolge als Generalbass unterlegen oder sich zur Samba selbst etwas Schlagwerk „untermischen“. Die Zuhörer hatten es nicht eilig, den lauschigen Innenhof mit der angenehm anregenden Gitarrenmusik zu verlassen, und das spielfreudige Duo gab gerne Zugaben. |nl