Kultur Südpfalz Im Flug nach Karlsruhe

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Uliana Alexyuk kam wie im Fluge an das Badische Staatstheater Karlsruhe. Vormittags sang die Sopranistin bei einem Gastspiel in New York, abends an der Grand Opera im texanischen Houston. Am nächsten Morgen saß sie im Flugzeug nach Frankfurt, fuhr von dort zum Vorsingen nach Karlsruhe und trat dann den Rückflug an. Doch jetzt gehört die ukrainische Sängerin fest zum Ensemble und hat sich auf ihr Rollendebüt als Giulietta in Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ vorbereiten. Die Belcanto-Oper über Romeo und Julia hat heute, 19 Uhr, am Badischen Staatstheater Premiere.

Giulietta sei eine der Traumrollen ihres Fachs, freut sich Uliana Alexyuk. Bellini hat diese Rolle in der Tessitura nah an der Stimmlage des Romeo angelegt, der als Hosenrolle von einer Mezzosopranistin gesungen wird. Sie habe die Probenarbeit sehr genossen, erzählt die Sängerin. Uliana Alexyuk hofft, dass die Inszenierung beim Publikum gut ankommen wird. Fast zeitgleich bereitet sie ihr nächstes Rollendebüt vor, das der Woglinde in „Rheingold“. Der Vorabend zum „Ring“ wird Anfang Juli Premiere haben, Uliana Alexyuk als eine der Rheintöchter auf der Bühne stehen. Die junge Sopranistin ist bereits mit einer ganzen Reihe international bekannter Bühnen vertraut. Dabei konnte sich ihre Stimme erst nach einem Wechsel der Lehrerin entfalten. Vom Konservatorium im heimatlichen Kiew aus bewarb sich Uliana Alexyuk um eine Stelle im Young-Artist-Programm des legendären Bolshoi-Theaters in Moskau. Es gab drei große Wettbewerbsrunden mit vielen Teilnehmern, erinnert sich die Sängerin. Sie war eine der zehn Glücklichen, die am Ende in das Programm aufgenommen wurden. Das erste halbe Jahr am Bolshoi war dem Feinschliff gewidmet, dem Unterricht in Darstellung, den Feinheiten des italienischen, deutschen und französischen Repertoires. Erst danach ging es auf die Bühne – als erste Dame in Mozarts „Zauberflöte“. Am Bolshoi hat Uliana Alexyuk eine Reihe von Rollen gesungen, und in einer Aufführung fiel sie dem Direktor der Grand Opera in Houston auf. Er lud die zierliche Sopranistin ein, in Texas zu singen. Ein erneuter Umzug, dieses Mal in eine ganz andere Welt mit einer ganz anderen Sprache. In Houston bereitete sich Uliana Alexyuk auf die Yvette in „Die Passagierin“ vor, als sie vier Tage vor der Premiere von „Rigoletto“ gefragt wurde, ob sie als Gilda einspringen könne. Gilda ist eine Lieblingsrolle der Sopranistin, und sie sagte spontan zu. In den folgenden zwei Wochen stand sie sechs Mal als Yvette auf der Bühne und fünf Mal als Gilda. Damit nicht genug – Uliana Alexyuk wurde gefragt, ob sie als Zerbinetta in „Ariadne auf Naxos“ beim Festival im englischen Glyndebourne einspringen könne. Wieder sagte sie spontan zu und flog von Houston nach Glyndebourne. Es sei alles so schnell gegangen, dass sie gar keine Zeit gehabt hätte, darüber nachzudenken, ob ihre Stimme schon reif genug für diese Rollen wäre, sagt Uliana Alexyuk. Nach ihrer Erfahrung müsse man als Sängerin einfach immer bereit sein. Sie findet die vielen Engagements an so unterschiedlichen Orten interessant und spannend. Da sie ungebunden sei und damit keine familiären Rücksichten nehmen müsse, genieße sie diese Zeit. Und da sie so viel unterwegs ist, kann sie fast überall Freunde fragen, ob sie von einer freien Wohnung wissen für die Zeit, in der die Sängerin engagiert ist. Ihre Freunde sieht Uliana Alexyuk nicht so oft, wie sie möchte. Aber viele ihrer Freunde sind selbst Sänger und wissen, wie es ist, wenn man viel unterwegs ist und ausgeruht singen soll. Und ihre langjährigen Freunde haben ihre Entwicklung miterlebt und ebenfalls Verständnis, ebenso wie ihre Eltern in Kiew. Zur Entspannung setzt sich Uliana Alexyuk gern in Ruhe hin, legt Jazz auf und stickt dazu.

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