Frankenthal
Ihr Handwerk sichert ihr die künstlerische Freiheit
Nein, politisch engagiert im engeren Sinne sei sie nicht, sagt Olga David der RHEINPFALZ. „Ich reagiere auf Themen, die mich berühren.“ So war es auch, als die gebürtige Russin auf die Herstellung von Naturpelzen und die damit verbundene Tierquälerei in der Zucht aufmerksam wurde. Aus einem Bild, mit dem sie den Kampf von Tierschutzaktivisten unterstützen wollte, ist inzwischen eine Serie geworden, die noch in diesem Jahr in einer Einzelausstellung „Pelze und Häute“ zu sehen sein soll. In den Bildern wolle sie eine Symbiose zwischen Mensch und Tier darstellen, im Sinne von „in Jemandes Haut stecken“.
Geboren ist die 53-jährige Wahllandauerin im Altai-Gebirge im Grenzgebiet von Kasachstan, Russland, der Mongolei und China. Nach dem Diplom in Tafelmalerei an der staatlichen Kunstakademie in Rostow am Don, einer Außenstelle der renommierten Kunstakademie St. Petersburg, hat Olga David Malerei und Architektur studiert.
Sie vermisst Kontakt zu anderen Künstlern
„Es ist in dieser Zeit sehr schwierig, unsere Kunst zu zeigen“, sagt sie stellvertretend für viele Kollegen. Auch ihr seien lange geplante Ausstellungen und Projekte abgesagt worden. „Die Kontakte zu anderen Künstlern, der Austausch, die Ideen fehlen.“ Finanziell habe sie die Krise kaum gespürt. Ihr Geld verdient sie freischaffend mit Auftragsarbeiten, die sie über soziale Medien und ihre Homepage offensiv mit dem Slogan „Ich bin kreativ für Dich“ bewirbt. Nach Fotos oder auch nach freien Wünschen der Kunden fertigt sie Porträts: Ehepaare, Kinder, alte Menschen, aber auch Haustiere bringt sie auf die Leinwand.
Dabei könne sie im Prinzip in jeder gewünschten Technik arbeiten, von der Zeichnung bis zur Ölmalerei. Ihre Berufserfahrung als Architektin kann David bei der Ausstattung von Firmen- und Privaträumen nutzen. Für zwei größere Unternehmen in der Südpfalz hat sie Neubauten und Labore gestaltet. Dabei habe sie oft freie Hand. „Diese Arbeit ist sehr spannend und auch gut bezahlt.“
Auftragsarbeiten sichern Auskommen
David weiß, dass viele Künstler Auftragsarbeiten belächeln. Doch ihr sichert das Handwerk das Auskommen – und die Freiheit, sich daneben ihrer eigenen Kunst zu widmen. Der Mensch, im Porträt oder als Akt, steht auch dabei im Fokus. Inspiriert durch einen Ikonographiekurs entstand in den zurückliegenden Jahren eine Serie moderner Ikonen. In Jahrtausende alter Technik, mit Goldimitat auf einer Spanplatte, zeigt sie die deutsche Bundeskanzlerin in einer Art Triptychon eingerahmt von zwei Politiker-Kolleginnen im „Frauenkabinett“. Eine andere Arbeit stellt den Ex-US-Präsidenten Barack Obama, Russlands Regierungschef Vladimir Putin und Angela Merkel im typischen Gestus mit Gewand und Heiligenschein.
Für David hat es eine Tragikomik, wenn die mystische Symbolik der Ikone auf gegenwärtige Politik prallt. Mit dem Merkel-Bild war David als eine von zehn Vertreterinnen des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Karlsruhe eingeladen zu einer europäischen Ausstellung in Nancy (Frankreich). Auch diese Vernissage wurde in Pandemiezeiten verschoben. Und so bleibt im Moment das Schaufenster.
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