Rheinpfalz „Ich habe noch nie so eine Panik erlebt“
«Contwig/Zweibrücken.» Auf Facebook und über Whatsapp war es schnell ein Thema: Ein Unfall auf der A 8, die Strecke Richtung Pirmasens stundenlang voll gesperrt, eine Menge Autos im Stau. Die Leute sprachen darüber. Sie hatten schnell einen Verdacht: Der blaue Porsche und der silberner Mercedes, die auf der A 8 bei Contwig in ein Stauende gefahren waren, haben sich ein Rennen geliefert. Den Porsche wollen viele schon vor dem Unfall durch gefährliche Fahrmanöver im Stadtgebiet gekannt haben, schrieben sie auf Facebook. Davon berichtete gestern auch ein Polizist, der zusammen mit drei Kollegen beim Zweibrücker Amtsgericht als Zeuge aussagte. Die Beamten der Waldfischbacher Polizei waren die ersten, die ein illegales Autorennen in Betracht zogen. Dass sie darauf möglicherweise erst durch Gerüchte auf Facebook aufmerksam wurden, möchte Johannes Berg, der Anwalt des Mercedesfahrers, für seinen Mandaten verwenden. Dass der Porschefahrer für riskante Fahrmanöver bekannt sei, heiße nicht zwangsläufig, dass sich sein Mandant ein Rennen mit dem vorausfahrenden Porsche geliefert habe. Außerdem sei der silberne Mercedes vor dem Unfall auf der Autobahn nicht für seine riskante Fahrweise berüchtigt gewesen. Das sagte Anwalt Berg gestern am Rande der Verhandlung gegenüber der RHEINPFALZ. Zudem kritisiert er das Bremsverhalten des Porschefahrers. Dieser habe erst leichter gebremst, als er das Blaulicht des Streifenwagens gesehen habe. Erst als er den Stau bemerkt hatte, sei er voll in die Eisen gestiegen. Bei Blaulicht auf der Autobahn müsse man aber mit Gefahr rechnen. Berg glaubt: Hätte der Porsche schon früher ordentlich gebremst, hätte auch der Mercedes die Gefahr früher erkannt und wäre nicht aufgefahren. Das Blaulicht hinter einer Linkskurve habe sein Mandant wegen der hohen Pflanzen in der Mittelleitplanke nicht sehen können Auslöser des Unfalls war eine zersplitterte Holzpalette auf der Autobahn, die die Zweibrücker Polizei gerade wegräumte. Deshalb sollte die Autobahn kurz gesperrt sein, und der Stau bildete sich. Laut den Schilderungen der beiden Zweibrücker Polizisten, die die verstreuten Holzteile einsammelten, war lediglich ein lauter Knall und dann der durch die Luft fliegende Mercedes zu sehen. „Es war eine Schocksituation. Ich habe noch nie so viele Verletzte an einem Ort gesehen, noch nie eine solche Panik erlebt“, beschreibt ein junger Polizist Mitte 20 das Geschehen nur Sekunden nach dem Unfall. Er sei sofort auf dem Standstreifen entgegen der Fahrtrichtung den herannahenden Autos entgegengelaufen, um sie abzubremsen. Sein Kollege sagte aus, er habe sich um die Verletzten an der Unfallstelle gekümmert. Der vierte Zeuge arbeitet bei der PI Waldfischbach-Burgalben, die den Unfall aufgenommen hat. Er kam erst eine Stunde später zum Unfallort. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verletzten schon im Krankenhaus, die Autos waren aber noch da. Da vor Ort niemand sagen konnte, wie die beiden Sportwagen ins Stauende gefahren sind wurde beschlossen, ein Gutachten in Auftrag zu geben. Die Waldfischbacher Polizei nahm den Unfall auf, da die Zweibrücker Kollegen wegen der A8-Sperrung Beteiligte sind. In diesem Fall muss eine zweite Dienststelle herangezogen werden. Morgen ist der vorerst letzte Verhandlungstag. Es sollen noch vier Unfallbeteiligte angehört werden. Laut Richter Christian Orth soll auch das Urteil gesprochen werden. Die Idee des Richters, Daten des Navigationssystem auszulesen, um so Geschwindigkeit und die genaue Strecke herauszufinden, die der Porsche am Unfalltag gefahren ist, um Zeugenaussagen vom ersten Verhandlungstag nachzuprüfen, lässt sich wohl nicht mehr umsetzen: Der Porsche, ein Totalschaden,ist laut Anwalt verkauft.