Rheinpfalz Hundstage
Südliche Weinstrasse: Fünf der sechs im Landauer Tierheim untergebrachten Hunde, die bei einer Tierärztin in Bornheim völlig verwahrlost gefunden wurden, haben neue Besitzer. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch. Die Medizinerin praktiziert derweil weiter. Das zuständige Landesuntersuchungsamt bittet nun um Verständnis.
Vielleicht könnte Bulma, schwarzes Fell, Knopfaugen, schon bald ein neues Zuhause finden. Gestern Mittag kam eine Frau ins Landauer Tierheim Maria Höffner, um sich die Labradordame anzuschauen. Ob die Chemie zwischen beiden stimmt, muss sich noch zeigen. Bulma ist aber auf alle Fälle ein besonderer Hund. Sie gehört zu den 44 Vierbeinern, die bei einer Razzia im April bei einer Tierärztin in Bornheim gefunden wurden. Die Polizisten retteten zudem 18 verwahrloste Katzen und drei Kängurus, die in Wohnhäusern der Medizinerin unter unwürdigen Bedingungen gehalten wurden. Der Fall sorgte über die Grenzen des Landkreises Südliche Weinstraße für Aufsehen.
Ermittlungen dauern an
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Landau gegen die Tierärztin dauern an – und die werden auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, teilt die Behörde auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Der Frau werden Tierquälerei und Abrechnungsbetrug vorgeworfen. Bislang habe sich die Beschuldigte nicht zu den Tatvorwürfen geäußert und von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Sollte es zum Prozess kommen und die Ärztin am Ende verurteilt werden, kann der Betrug eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren zur Folge haben, ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren belegt werden.
Erste Verfahren schon 2009
Aber wer sind die Besitzer die Tiere? Nach derzeitigem Kenntnisstand gehörten fast alle der Ärztin, teilt die Kreisverwaltung mit, an die das zuständige Veterinäramt gekoppelt ist. „Bei zwei Hunden sowie zwei Katzen haben sich die rechtmäßigen Eigentümer gemeldet, diese Tiere konnten deshalb bereits kurz nach der Polizeimaßnahme an die jeweiligen Personen herausgegeben werden“, schreibt die Behörde. Zwischenzeitlich hätten aufgrund des großen Engagements der Tierheime – die gefundenen Tiere wurden auf mehrere Einrichtungen verteilt – eine erhebliche Anzahl vermittelt werden können. Das Veterinäramt war wegen des Falls in Bedrängnis geraten, weil die Frau dort bereits bekannt war. 2009 hatte die Institution ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Medizinerin wegen des Verstoßes gegen die Tierschutzhundeverordnung eingeleitet und einen Bußgeldbescheid erlassen. Laut Staatsanwaltschaft hätten sich aber keine Anhaltspunkte für ein strafrechtliches Verhalten der Behörde ergeben. Der Aufenthaltsort der Kängurus ist weiterhin unklar, sie seien sicher untergebracht, hieß es damals. Ein Großteil der Katzen war in der Tierinsel in Bornheim untergekommen.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Bei vielen Menschen, besonders in der Region, war die Nachricht auf Unverständnis gestoßen, dass die Tierärztin kurz nach der Razzia ihre Praxis wieder geöffnet hat. Das zuständige Landesuntersuchungsamt in Koblenz versucht auf Nachfrage der RHEINPFALZ, die Sache zu erklären: „Sicher ist es für Außenstehende schwer nachvollziehbar, warum die Entscheidung über einen dauerhaften oder zeitlich begrenzten Entzug der Approbation so lange dauert.“ Das liege daran, dass die Sachverständigengutachten noch nicht vorlägen, die benötigt würden, um die Eignung der Tierärztin für das Führen einer Praxis beurteilen zu können. Dafür sei auch von Bedeutung, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben. Bei einer so weitreichenden Entscheidung wie der, ob jemand weiter seinen Beruf ausüben darf oder nicht, gehe für das Landesuntersuchungsamt Sorgfalt vor Schnelligkeit. „Dies gilt umso mehr, als der betroffenen Tierärztin zwar als Privatperson wegen Fehlverhaltens ein Tierhalteverbot auferlegt wurde, ihr aber in ihrer kurativen Tätigkeit ein solches Fehlverhalten nicht nachgewiesen worden ist“, schreibt die Behörde. Es gebe also keinen Anlass davon auszugehen, dass in der Praxis Tieren Leid zugefügt werde.
Enorme Nachfrage
Nach der Razzia landeten sechs Hunde im Landauer Tierheim. Bulma, die Labradorhündin, sei der letzte Vierbeiner, der noch nicht vermittelt wurde, sagt Stefanie Heinrich, die sich in der Einrichtung um die Hunde kümmert. Das Tierheim hätte die Interessenten genau überprüft. Zum einen sei darauf geachtet worden, dass die neuen Besitzer mit Angsthunden klarkämen, zum anderen sei geschaut worden, dass die Tiere nicht wieder über Umwege in den Dunstkreis der Tierärztin geraten. Eine Tierärztin werde die Hunde regelmäßig untersuchen, die Berichte kämen auch dem Tierheim zu, sagt Heinrich. Die sechs Hunde seien inzwischen wieder einigermaßen fit. Zwei Tiere müssten aber ihr Leben lang Medikamente nehmen. Eines wegen Schilddrüsenproblemen, ein anderes aufgrund von Gelenkschmerzen. Das sei durch die schlechte Haltung gekommen, die Tiere hätten in Bornheim so gut wie keinen Auslauf gehabt, sagt Heinrich. Durch die mediale Berichterstattung habe es eine enorme Nachfrage von Menschen nach den Tieren gegeben, betont Daniel Kaul, Vorstandsmitglied im Verein Tierschutz Südpfalz, dem Träger des Tierheims.
Angst ist Vergangenheit
Bulma genießt jedenfalls langsam ihre neue Freiheit. Als sie gefunden wurde, war sie verängstigt. Streicheln ging gar nicht, eine Hundeleine kannte sie nicht. Das ist Vergangenheit. Die Hündin tobt inzwischen beim Spaziergang durch die Weinberge herum, lässt sich kraulen, frisst aus der Hand. „Nur bei Geräuschen reagiert sie noch sehr ängstlich“, sagt Heinrich. Aber Angst muss die Hündin hoffentlich nie mehr haben.