Kultur Südpfalz Hochzeit mit Howie

Die vier Knallerfrauen, die schon in der Revue „Heiße Zeiten“ für Begeisterungsstürme gesorgt hatten, brachten mit „Höchste Zeit“ die prall gefüllte Germersheimer Stadthalle bei der letzten Theateraufführung der Saison zum Beben.
Die Fortsetzung des grandiosen Bühnenhits vom kreativen Autoren- und Entwicklungsteam Tilmann von Blomberg, Carsten Gerlitz und Katja Wolff lieferte ein fetziges und brüllend komisches Musik- und Dialogspektakel über vier Frauen im Hochzeitsrausch, ihre Herzensangelegenheiten, Bindungsängste und Beziehungskisten. Pfiffige Wortgefechte, amüsante Turbulenzen, komische Tanz- und Slapstickeinlagen, eine Reihe bekannter Hits von Pop bis Soul mit verblüffenden, funkelnagelneuen Texten, überraschende Inszenierungs-ideen, ein talentiertes, professionelles Ensemble und eine routinierte, lakonisch spielende, dreiköpfige Live-Band rissen die Zuschauer hin zu Rufen, Gejohle, anerkennenden Pfiffen und Ovationen im Stehen. Die Karrierefrau und Braut hat ihre Freundin Doris und „die beiden Frust-hühner“ zu ihrer Hochzeit eingeladen. Als die Drei eintreffen, finden sie ihre Gastgeberin schwer verkatert vor nach einer rauschhaften Nacht, an die diese sich nur fragmentarisch erinnert. Mit wem hatte sie den ausgezeichneten Sex zum Abschluss ihres zwölffachen Barhoppings? War es der Bräutigam, der Notfallarzt Dietrich? Oder ein Fremder? Oder Howard Carpendale, der ihr offensichtlich eine CD mit Widmung verehrt hat? Letzterer logiert, wie sich herausstellt, auch noch ausgerechnet in einem der Hotelzimmer nebenan, was bei der Gedächtnislückengeplagten helle Panik auslöst, bei den drei anderen aber helle Begeisterung. Sie sollen die Brautjungfern sein, denn sie haben Braut und Bräutigam zusammengebracht. Dietrich aber, der vielleicht etwas Licht in die Angelegenheit bringen könnte, ist nicht aufzufinden. An der Hotelzimmerwand befindet sich ein Spiegel, aus dem märchenhaft eine Männerstimme erklingt und Ratschläge erteilt. Die sexy Braut wird gespielt von Charlotte Heinke. Das jüngere der beiden „Frusthühner“ kann exaltiert lachen und heftig, aber äußerst kurz heulen. Diese Stimmungskaskaden bringt Nini Stadlmann zustande. Als Tanja verfügte sie beim Sprechen und beim Singen über ein beachtliches Instrumentarium an Tönen. Die reifere Elegante ist Heike Jonca. Alle vier Künstlerinnen sind großartig auf ihre ganz individuelle Art. Eine heimliche Trumpfkarte in dem formidablen Quartett ist Angelika Mann als Doris, die besonders viele Lacher auf ihrer Seite hatte und die als Rockröhre besonders gut ankam. Die multitonale Tanja würde sich ja um eine Hochzeit reißen, wo sie doch schon jahrelang mit Martin verlobt ist. Die Braut allerdings ist gar nicht so heiratswillig. Während sie mit dem Gedanken an eine Hochzeitsabsage liebäugelt und Dietrich verschwunden bleibt, hat Doris bereits „Howie“ zur Hochzeit eingeladen. Als die drei Freundinnen ihre Hochzeitsreise Revue passieren lassen, wird die Braut doch noch heiratslustig, denn Mauritius will sie sich nicht durch die Lappen gehen lassen. Unterdessen hat Doris ihre erste Begegnung mit einem Bidet: „Die Toilette pullert zurück!“ Da melden sich alle vier Herren auf den vier Handys. Alle Unklarheiten werden beseitigt, die Hochzeit kann stattfinden und die Braut ist „schön wie Käthe Middeltoon“.