Rheinpfalz Hitze verhindert neue Rekorde

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Bad Dürkheim. Am Montag endet der 600. Dürkheimer Wurstmarkt. In Sachen Besucheranzahl schreibt er bisher keine neuen Rekorde. Das liege an der ungewöhnlichen Hitze der letzten Tage, sagt die Stadt. Nicht beeinträchtigt seien die Zahlen durch die veränderte Sicherheitslage in Folge der terroristischen Anschläge der vergangenen Monate in Europa. Polizei und Veranstalter zeigen sich nach der ersten Hälfte sehr zufrieden.

Es ist Montagmittag, zehn nach zwölf. Während große Teile der Bevölkerung in der Pfalz ihrer normalen Alltagsbeschäftigung nachgehen, singen in Bad Dürkheim viele Hundert Menschen im Schubkarchstand wie aus einer einzigen Kehle „So en guude Palz-Woi“. Sie schunkeln und lachen. Die Stimmung erreicht ihren Zenit mit der heißen Septembersonne. Videos dieser Szenen verbreiten sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken. Stunden später gehen bei der Polizei Meldungen ein über junge Männer, die alkoholisiert in Seitenstraßen herumlägen und nicht mehr wüssten, wie sie heißen und wo sie wohnen. Auch diese (selteneren) Bilder gehören zum Gesamteindruck. Heute startet beim Dürkheimer Wurstmarkt die zweite Runde. Zirka 300.000 Besucher sind laut Stadt in diesem Jahr bisher auf dem größten Weinfest der Welt gewesen. Um die 600.000 werden es wohl am Ende wieder sein. Und das unter besonderen Bedingungen, denn die Sicherheitsvorkehrungen sind im Vorfeld deutlich verstärkt worden. Dass Polizisten Kameras, die sogenannten Bodycams, am Körper tragen, war bisher nicht üblich. Dass drei Videokameras auf dem Festplatz notfalls Aufnahmen von bestimmten Szenen machen können, ist für den Wurstmarkt ebenfalls neu. Und dann die stichprobenartigen Kontrollen von mitgebrachten Taschen und Rucksacken durch eigens engagiertes Sicherheitspersonal an allen acht Festeingängen. 80.000 Euro sind dafür zusätzlich ausgegeben worden. Ein Anschlag auf dem Wurstmarkt ist eher auszuschließen. So hat, laut Polizei, das Landeskriminalamt die Lage bewertet. Dass es die Überprüfungen dennoch gibt, dafür hätten die Festbesucher viel Verständnis. Kein einziger habe sich der Kontrolle während der ersten Tage verweigert, so der Leiter der zuständigen Polizeiinspektion gegenüber der RHEINPFALZ, dessen Mannschaft während des Wurstmarktes sehr ordentlich von außen verstärkt worden ist. Über 20 Beamten seien abends auf dem Platz, teilweise in Zivil. Die Stadt geht noch weiter. Marktmeister Poh sagt sogar, dass die Menschen die Kontrollen begrüßen würden. Selbst Leute, die eine solche Form der Überwachung tendenziell kritisch sehen, würden die Maßnahmen akzeptieren. Bei vollem Betrieb könnten sich auch heute Abend wieder zirka 45.000 Menschen gleichzeitig auf dem 45.000 Quadratmeter großen Platz aufhalten. 100.000 Menschen über den gesamten Abend. Ist da absolute Sicherheit überhaupt zu gewährleisten? „Nein“, sagt der Marktmeister. Die Sicherheitsvorkehrungen mit einem gänzlichen Verbot von Rucksäcken wolle man derzeit nicht. „Die Leute wären irgendwann abgenervt“, so Poh. Er glaubt allerdings nicht, dass sich die Leute von der veränderten Sicherheitslage hätten abschrecken lassen. Eher sei die Hitze der Grund dafür gewesen, dass zu erwartende Rekorde nicht gebrochen worden seien. Für eine andere Art der Abschreckung hat auf dem Wurstmarkt unter der Woche der Tod eines 29-jährigen Mainzers gesorgt, der am Montag nach dem Wurstmarktbesuch über einen Zaun neben der Saline geklettert war, um ein großes Schaufelwasserrad anzuhalten, das zu Demonstrationszwecken am Isenach-Bach steht. Dabei zog er sich Verletzungen zu, die am Dienstag zum Tod führten. „Das drückt auf die Stimmung“, sagte Poh.

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