Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Hinterweidenthal: Schule wird zum Zirkus

Leiterakrobatik verlangt Konzentration und viel Gleichgewichtssinn. Die Grundschüler meistern die Aufgabe mit Bravour, ganz link
Leiterakrobatik verlangt Konzentration und viel Gleichgewichtssinn. Die Grundschüler meistern die Aufgabe mit Bravour, ganz links hilft Sabine Gabriel-Zick beim Balancieren der Leiter. Foto: Elig

Der letzte Schultag vor den Herbstferien endete für die Grundschüler in Hinterweidenthal ganz anders als sonst. Tafel, Bücher, Klassensaal spielten keine Rolle mehr. Dafür Zauberstab, Jonglierbälle, Laufkugeln und sogar ein Trapez.

Ein Duft von Popcorn macht sich im Eingangsbereich der Schulturnhalle breit. Mitglieder des Fördervereins der Grundschule verkaufen Essen und Trinken. Die Schulturnhalle ist proppenvoll. In der Halle selbst sind 44 Grundschüler und deren Lehrerinnen voller Vorfreude auf eine außergewöhnliche Unterrichtsdarbietung. In einer halben Stunde, Punkt 17 Uhr, werden aus Grundschülern Zirkusakrobaten. Wohlgemerkt nicht einige Grundschüler, sondern alle sind involviert. „Zirkus Ramba Zamba“ heißt das Projekt des Landauer Duos „Jomamakü“.

Schulleiterin Andrea Demmerle unterhält sich scheinbar entspannt mit Jörg „Josh“ Maußhardt, der mit seinem Partner Martin Küchle die ganze Woche über mit den kleinen Nachwuchs-Artisten trainiert hat. „Josh, ich bin ganz schön aufgeregt“, sagt Romy Keller. Die Neunjährige wird gleich als Zirkusdirektorin durchs Programm führen, neben Laurenz Gerst. Derweil betritt Sabine Gabriel-Zick. ihr Handy bereithaltend zum Filmen. die Schulturnhalle. Sohn Jannis hat, wie viele andere Grundschüler, drei Auftritte, einmal als Bodenakrobat und als Leiterakrobat sowie als Balancekünstler auf der Rolle. „Er ist ,ne coole Socke, ich hab’ da gar keine Bedenken“, sagt die Physiotherapeutin, die bei der ein oder anderen Showeinlage auf der Bühne helfend zur Seite steht.

Improvisieren gehört dazu

Pünktlich um 17 Uhr begrüßt nicht etwa Schulleiterin Andrea Demmerle die „Zirkusgäste“, die beiden jungen Zirkusdirektoren Laurenz und Romy haben das Mikrofon in der Hand. Demmerle verzichtet auf lange Reden und holt die Begrüßung zu Beginn des zweiten Teils verkürzt nach. Ihr Redeskript wirft sie weg und erntet dafür tosenden Applaus. Improvisation gehört eben dazu. „Meine Damen und Herren, hochverehrtes Publikum, wir fangen an mit dem Einmarsch“, lauten die Einführungsworte nach dem Schlachtruf, der gefühlt in der ganzen Ortschaft zu hören ist: „Wir sind spitze!“.

Spenden machen Zirkus-Woche möglich

Ortsbürgermeisterin Barbara Schenk gehört zum Publikum, ebenso wie Verbandsbürgermeister Werner Kölsch. Statt Deutsch, Mathe und Sachunterricht hießen die Unterrichtsfächer diese Woche Jonglieren, Zaubern, Klettern und Akrobatik. Die Kosten von rund 2500 Euro können dank zahlreicher Spenden und Eintrittsgelder sowie des Engagements des Fördervereins gedeckt werden, und es sollte sich lohnen: Beeindruckend, mit welch großem Enthusiasmus und hochkonzentriert die jungen Artisten zu Werke gehen. Die beiden Profi-Zirkusakrobaten Josh und Martin stehen im Hintergrund, sind aber dann zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Es läuft wie am Schnürchen. Begeisterung der Eltern für die Leistung ihrer Schützlinge, die erleben, wie es ist, auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten. Heute ist es ihre Welt.

Drei Flüchtlingskinder erweisen sich als besonders geschickte Artisten. Die Freude an der Zirkuswelt steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Das Motto der Veranstaltung trifft den Nagel auf den Kopf: „Kann ich nicht, gibt’s nicht, kann ich noch nicht“. Was am Montag noch schier unmöglich schien, meistern die jungen Akrobaten im Laufe der Show meisterlich. Am Ende gibt’s den wohlverdienten Applaus nach zwei Stunden „Zirkus Ramba Zamba“.

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