Rheinpfalz
Hinterweidenthal: Katholiken feiern zwei Jubiläen
Am Sonntag, 20. Oktober, kann die katholische Gemeinde Mariä Himmelfahrt in Hinterweidenthal gleich zwei Jubiläen feiern: die Kirchen-Weihe vor 85 Jahren und die Orgelweihe vor 25 Jahren.
Die Feierlichkeiten finden im Rahmen des Gottesdienstes um 9 Uhr in der Kirche statt (Schulstraße). Nach dem Festgottesdienst mit Pfarrer Thomas Becker (Großpfarrei Heiliger Petrus Dahn), der musikalisch durch feierliches Orgelspiel von David Keller gestaltet wird, können die Gottesdienstbesucher bei einem Glas Sekt ins Gespräch kommen und die Ausstellung „Kirche in Hinterweidenthal früher und heute“ ansehen.
Kirchenbau mit Hindernissen
Eine lange Geschichte hat die Hinterweidenthaler Kirche laut der Chronik des Kirchenbauvereins. Sie beginnt mit dem 7. Januar 1900, als sich im Gasthaus Zur Post in der Kaltenbach der katholische Kirchenbauverein gründete. Einen Bauplatz in der Kaltenbach kaufte man bereits am 23. Oktober 1901. Die Lage fand allerdings keine Zustimmung. Nach langen Auseinandersetzungen wurde mit Beschluss vom 8. März 1914 der heutige Kirchplatz erworben. Durch Mitgliederbeiträge, Bettelbriefe, Zuwendungen von staatlicher, kommunaler und kirchlicher Seite war der Großteil der Bausumme 1922 aufgebracht. Die Inflation und das erneute Spendensammeln verzögerten den Kirchenbau, der am 30. August 1932 begonnen wurde. Die Kosten betrugen 41.461,10 Reichsmark. Die Weihe der Kirche nahm Bischof Ludwig Sebastian am 18. Oktober 1934 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vor.
Zwei Zugehörigkeiten
Hinterweidenthal gehörte bis ins 16. Jahrhundert hinein zum Besitz des Klosters Hornbach, Kaltenbach dagegen zur Herrschaft Gräfenstein und daher zur Diözese Metz. Zum ersten Mal sind Geistliche erwähnt um das Jahr 1455, die tätig waren in einer der Heiligen Odilia geweihten Kapelle in der Kaltenbach („Kirchel“), deren Reste beim Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert beseitigt wurden. Bis zum Ausbau der Bundesstraße 10 vor ein paar Jahren erinnerte daran ein Kreuz aus dem Jahre 1809, das nun am Radweg Richtung Dahn steht, nahe der Sonne des Planetenweges.
Eine Orgel aus berühmter Werkstatt
Die Orgel wurde 1840 von der berühmten Werkstatt Stumm für die Pfarrei Bundenthal gebaut. Aus denkmalpflegerischen Gründen konnte diese Brüstungsorgel nicht mehr in Bundenthal bleiben. Daher wurde diese denkmalgeschützte Orgel in der Werkstatt des Orgelbauers Peter Vier in Freisenheim-Oberweiher (Schwarzwald) nach Stumm’schem Vorbild restauriert und 1994 in der Hinterweidenthaler Kirche eingebaut. Die Orgelweihe fand dann am 11. Juni 1994 statt.
Die Kirchengemeinde
Durch die Verhältnisse der Reformation wurde der Ortsteil Hinterweidenthal dem Bekenntnis Luthers zugeführt. Erst im Laufe der letzten Jahrhunderte konnten sich langsam Katholiken ansiedeln. Ihre Zahl stieg nur zögernd an. Sie gehörten in Hinterweidenthal zur Pfarrei Dahn, in Kaltenbach zu Münchweiler, am Bahnhof und Horbacherhof zu Hauenstein. Heute hat der Ort Hinterweidenthal 1562 Einwohner, davon 549 katholisch und 716 evangelisch.
Eine aktive Glaubensgemeinschaft
Die Hinterweidenthaler Kirche und das benachbarte ehemalige Pfarrhaus sind Orte, an denen viele Menschen unterschiedlicher Generationen gemeinschaftliche Glaubenserlebnisse erfahren können, etwa bei Messdienergruppenstunden, Taizé-Gebeten und Gesängen, ökumenischen Angeboten, Sternsingeraktionen und Kommunionvorbereitungen.
Die Gemeindeausschussvorsitzende Steffi Disqué drückt das so aus: „Mit diesen Aktivitäten wollen wir 85 Jahre nach dem Kirchenbau unsere kirchliche Gemeinde offen, modern und lebendig gestalten und so auch in die Großpfarrei hinein- wirken.“