Rheinpfalz
Hinterweidenthal: Gesperrte Behelfszufahrt verärgert Reisenden
Der Hinterweidenthaler Bahnhof hat wieder eine offizielle Zufahrt, was allerdings kein Grund zur Freude ist. Die als Notlösung gedachte Behelfszufahrt haben viele Reisende zu schätzen gelernt und wollen sie weiterhin nutzen. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hat sie allerdings gesperrt, was Manfred Wohl aus Salzwoog nicht verstehen kann.
Der Bahnkunde bemängelt zudem die schlechte Beschilderung der neuen Route und das Fehlen von Fahrradboxen am Hinterweidenthaler Bahnhof. Zumindest was die Behelfszufahrt betrifft, arbeiten die Behörden an einer Lösung. Manfred Wohl ist Pendler und nutzt nach eigener Aussage den Bahnhof Hinterweidenthal unter der Woche schon seit Jahren täglich. Das funktionierte für Wohl während des vierspurigen Ausbaus wunderbar über die Behelfszufahrt, die direkt vom Kreisel aus auf den Berg führte. Damit ist seit Anfang August aber Schluss. Die Straße ist gesperrt und Wohl muss wieder die frühere Zufahrt über die alte B10 und am Forst vorbei nehmen. Ein kleines Schild an der B427 weist auf die neue Zufahrt hin, was Wohl als unzureichend empfindet. Und offenbar nicht nur er: Denn mehrmals schon seien Lastwagen versehentlich den Weg gefahren, in der irrigen Annahme, dass dies der Weg auf die B10 nach Landau sei. Einige Lkw-Fahrer bemerkten ihren Irrtum erst oben am Bahnhof – mit den entsprechenden Komplikationen.
Fahrradboxen fehlen
Wohl kann nicht verstehen, wieso die Behelfszufahrt nicht belassen wird und sogar ein Abriss erwogen werde, wie er gehört hat. Weitere Kritikpunkte des Salzwoogers sind die mangelhafte Beschilderung für Radfahrer, die am Bahnhof ankommen und in die Irre geschickt werden, sowie das Fehlen von Fahrradboxen, wie sie in Hauenstein und Wilgartswiesen zu finden sind. Mit solchen Boxen könnte er sein Fahrrad tagsüber wegschließen und bräuchte nicht mehr mit dem Auto zu kommen.
Behelfszufahrt nicht abreißen
Wie der Kaiserslauterer LBM-Chef Richard Lutz versichert, wolle der LBM die Behelfszufahrt keineswegs abreißen. „Sicherlich ist es sinnvoll, die Wegeverbindung auch dauerhaft zu erhalten und für Radfahrer sowie die Busandienung weiter zu nutzen“, erklärt Lutz. Die Kreisverwaltung plane bereits eine entsprechende Konzeption, was deren Pressesprecher Thorsten Höh bestätigt. Eine Vorplanung für das gesamte Bahnhofsumfeld sei beauftragt. Darin enthalten seien beide Zufahrtsstraßen, also auch das Provisorium. Die Vorplanung werde später als Basis dienen, um mit der Deutschen Bahn, der Gemeinde Hinterweidenthal und dem LBM Vereinbarungen zu treffen. Wobei Höh betont, dass der Kreis später nur für die Bahnsteiganlage zuständig sei. Für die Behelfszufahrt liege aktuell kein Baurecht vor, weshalb die Strecke gesperrt bleiben müsse. Wann die Zufahrt wieder geöffnet werde und wann die Vorplanung fertig sei, lasse sich derzeit nicht sagen, meinte Höh.
Deutsche Bahn hält sich raus
Die Deutsche Bahn hält sich aus der ganzen Geschichte komplett raus. Eine Bahnsprecherin erklärte auf Anfrage, dass derzeit am Bahnhof Hinterweidenthal vonseiten der Deutschen Bahn keine Modernisierung geplant sei. Fahrradboxen fielen in die Zuständigkeit der Ortsgemeinde, so die Bahnsprecherin weiter, die allerdings noch verrät, dass der Haltepunkt Hinterweidenthal täglich von 200 Reisenden genutzt werde.
Barbara Schenk, Bürgermeisterin der für die Fahrradboxen zuständigen Gemeinde Hinterweidenthal, kennt die Probleme mit dem Bahnhof zur Genüge. Die Boxen hätte die Gemeinde vielleicht schon längst aufgestellt, brauche dazu aber die Genehmigung des Bahnhofsbesitzers. Die Bahn hat das Gebäude jedoch verkauft. Den Käufer kennt die Gemeinde nicht, weiß folglich auch nicht, wen sie ansprechen soll.
Die von Wohl monierte, falsche Ausschilderung sei inzwischen behoben, versichert Schenk. Was die Zufahrtsstraßen betrifft, fordert die Bürgermeisterin, dass sich Bahn und LBM einigen sollten, wer für Ordnung auf den Straßen sorgen muss. „Dort sieht es aus“, wettert Schenk. Die neue Zufahrt drohe bereits zuzuwachsen. Für die fehlgeleiteten Lastwagen seien ihrer Information nach Navigationsgeräte verantwortlich, die nicht auf dem neusten Stand sind und die Lastwagen immer noch auf die alte B10 in Richtung Landau schicken.
Glosse: So ursprünglich
Es gibt sie noch, die ganz ursprünglichen Orte, wo der Tourist meint, die Zeit sei stehen geblieben. So eine Zeitkapsel, in der seit mindestens 1911 nichts mehr passierte, ist der Bahnhof Hinterweidenthal. Der Reisende fühlt sich sofort ins vergangene Jahrhundert versetzt, wenn er den Fuß aus einem der modernen Triebwagen auf den Schotter setzt, den sicher dereinst schon die Stiefel feiner Fräuleins und derber Holzfäller berührten, die vor 100 Jahren hier ausgestiegen sind. Die Kulisse ist noch dieselbe wie 1911 zur Eröffnung, nur dürfte es damals etwas ordentlicher zugegangen sein. Zahlreiche Touristen kommen heute am Hinterweidenthaler Bahnhof an und schätzen das Ursprüngliche, die Authentizität, die ansonsten in ganz Deutschland bis in den hintersten Winkel Mecklenburg-Vorpommerns wegsaniert wurde. Hier in Hinterweidenthal, am Bahnhof, da lebt die gute alte Zeit noch fort, und es fehlt nur noch die Kutsche für die Weiterfahrt zum Hotel. Und der Bahnhofsvorsteher kommt sicher gleich mit qualmender Pfeife und gezwirbeltem Schnurrbart nach altbayerischer Art um die Ecke. Es ist ein Erlebnis.