Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Hennes Bender, der kleine Hobbit“ aus dem Ruhrpott, kommt am Freitag nach Landau

Hennes Bender: ein Komiker unter Dauerdampf. Mit „Alle Jubeljahre“ gratuliert er sich selbst.  Foto Martin Huch
Hennes Bender: ein Komiker unter Dauerdampf. Mit »Alle Jubeljahre« gratuliert er sich selbst. Foto Martin Huch

Interview: Hennes Bender, der „kleine Hobbit“ aus dem Ruhrpott, nennt die Bühne seit 20 Jahren sein Zuhause. Am Freitag kommt der preisgekrönte Komiker mit seinem Best-of-Programm „Alle Jubeljahre“ ins Audimax der Uni Landau. Im Interview spricht er über die Pfälzer, SpongeBob und distanzlose Zuschauer.

Herr Bender, Sie sagten einmal, dass Berliner schwer zu beeindrucken sind, und man Hannoveranern den alten Adel noch anmerkt. Was denken Sie über die Pfälzer?
Die Pfälzer haben sich mir noch nicht richtig erschlossen. Dazu müsste ich einmal länger dort sein. In Hannover, Berlin und Bielefeld bin ich immer. Da kenne ich meine Pappenheimer. Aber ich glaube, die Pfälzer sind ganz gemütlich. Schon allein durch ihren Wein. Und die Landschaft, die hat mich das letzte Mal schwer beeindruckt.

Schwer beeindruckt scheinen Sie auch von Sponge Bob zu sein, den Sie auf der Bühne gerne imitieren. Wie sind Sie auf den Schwamm gekommen?
Zusammen mit meinem Kumpel, dem Comedian Thomas Nikolai, bin ich auf Synchronsprecher Santiago Ziesmer gekommen. Seine Stimme hört man immer gut raus. Neben Sponge Bob spricht er etwa Steve Urkel („Alle unter einem Dach“) oder das Ferkelchen („Winnie Puuh“). Jedenfalls haben wir uns gegenseitig hochgeschaukelt, wer die Stimme am besten nachmachen kann. Irgendwann ging es darum, wer Sponge Bob als erster auf die Bühne bringt. Und das war ich. Aber er kann ihn mindestens genauso gut.

Haben Sie noch eine Lieblingsstimme?
Am liebsten mache ich Sponge Bob. Aber manchmal rede ich auch tagelang wie Udo Lindenberg oder Martin Semmelrogge. Ganz zum Missfallen meiner Frau.

Sie stehen seit 20 Jahren auf der Bühne. Was hat sich in der Zeit verändert?
Die Rezeption des Publikums hat sich stark verändert. Ich glaube, dass das Netzwerken in sozialen Medien wie zum Beispiel Facebook dazu geführt hat, dass viele Leute ungefiltert raushauen, was ihnen missfällt. Und das überträgt sich in die reale Welt. Der Karnevalsauftritt von Komiker Bernd Stelter in Köln wurde unterbrochen, weil eine Frau auf seine Bühne kletterte und wegen seines Witzes über Doppelnamen auf die Barrikaden ging. Da fehlt jeglicher Filter. Und das ist eine Stimmung, die ich momentan oft spüre. Und bei der ich denke, das schwirrt in keine gute Richtung. Da möchte ich dagegenwirken.

Wie wollen Sie das tun?
Indem ich vorlebe, wie man auf der Bühne miteinander umgeht. Wie man miteinander spricht und miteinander improvisiert. Ich fordere die Menschen zum Diskurs auf. Aber ich bin derjenige, der das Gespräch führt.

Aber birgt nicht gerade die Improvisation eine Gefahr?
Natürlich. Man kann Gespräche nur bedingt planen. Es kommen unvorhergesehene Dinge auf. Und auf die einzugehen, ohne sofort die Hasskappe aufzusetzen, das finde ich interessant. Und das finde ich wichtig in einer Welt, in der sehr viel ungefiltert gehetzt wird.

Welche Pannen gab es schon auf Ihrer Bühne?
Letzte Woche trat ich in Remscheid auf die Bühne und sah drei Zwillingspärchen nebeneinander in der ersten Reihe sitzen. Da ging zehn Minuten lang gar nichts mehr bei mir, weil ich wissen wollte, warum da drei Zwillingspärchen sitzen.

Und?
Es stellte sich heraus, dass ein Zwilling am Theater arbeitet und auch einen Zwillingsstammtisch besucht. Er hatte die anderen Zwillinge eingeladen. Natürlich merkt das Publikum, wenn etwas echt und nicht vorbereitet ist. Das sind dann zwar keine Pannen im eigentlichen Sinn. Aber das sind unerwartete Ereignisse, die für den Abend ein Geschenk sind.

Und Pannen im eigentlichen Sinn?
Solche verdrängt man lieber (lacht).

Warum haben Sie sich eigentlich für die Bühne entschieden?
Bereits bei meinem Bühnendebüt als Hamlet am Bochumer Schauspielhaus habe ich gemerkt, dass ich das Gefühl, das Adrenalin, diesen Schub, den man auf der Bühne spürt, dass ich das immer haben wollte.

Sie sind aber auch Autor, Synchronsprecher und Podcast-Produzent.
Das ist wie bei Dingen, die man gerne isst. Irgendwann denkt man: Oh, vielleicht probiere ich doch einmal etwas anderes aus. Sonst ist es zu einseitig.

Gibt es eine Nummer, von der Sie hoffen, dass Sie am Freitag nicht gewünscht wird?
Nee. Ab und zu kommt schon einmal eine obskure Nummer, wo ich denke, ist die wirklich von mir? Doch wenn ich sie dann spiele, fällt es mir wieder ein.

Interview: Barbara Swojanowsky

Termin

Der Lions-Club Südliche Weinstraße-Leinsweiler präsentiert am Freitag, 20 Uhr, im Audimax der Universität in Landau, Fortstraße 7, den Komiker Hennes Bender mit seinem Programm „Alle Jubeljahre“, darin die besten Nummern, Songs und Dönekes aus 50 Lebens- und 20 Bühnenjahren. Das Publikum darf entscheiden, was gespielt wird. Der Erlös kommt der Ambulanten Hospizhilfe Landau zugute. Karten gibt’s im Vorverkauf zu 18 Euro, ermäßigt neun Euro im O2-Shop von Thomas Kämpf am Marktplatz und in der Haar Lounge, Cornichonstraße 16. Karten an der Abendkasse kosten 20 beziehungsweise zehn Euro.

Zur Person

Hennes Bender, mit 1,62 Meter Körpergröße ein Kleinkünstler im wortwörtlichen Sinne, ist 1968 in Bochum geboren. Und von dort ist er nie weggekommen aus dem Ruhrpott. Wenn der Schauspieler nicht gerade Asterix-Bücher auf Ruhrdeutsch übersetzt oder als Synchronsprecher seine Stimme verleiht, tingelt er als Comedian von Bühne zu Bühne. Bender ist bekannt für seine Auftritte beim „Quatsch Comedy Club“ (Pro7), bei „Zimmer Frei“ (WDR) oder „Nightwash“ (ONE). Er ist ein quirliger „Hobbit auf Speed“, der 2004 mit den Deutschen Comedypreis ausgezeichnet wurde. Nach 20 Jahren hat Bender noch nicht genug von der Bühne. Für die Zuschauer ist das Programm „Alle Jubeljahre“ ein Wunschkonzert. Die Fans dürfen entscheiden, was gespielt wird und was nicht. Dass dabei der beliebte Anrufbeantworter, die Doppelhaushälfte, Sponge Bob und La Boum auftauchen, ist recht wahrscheinlich. Ab September hat er dann schon ein neues Programm in petto: „Ich habe nur zwei Hände“.

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