Landau
Heitere Sonntagsmatinee eröffnet mit Mozart die Meisterkonzerte
Eine Anekdote berichtet, das „Kegelstatt-Trio“ Es- Dur (KV 498) sei zwischen zwei Schwüngen auf der Kegelbahn entstanden ähnlich wie man sich von dem Pfälzer Maler Max Slevogt erzählt, er habe Bilder zwischen zwei Zigarrenlängen angefertigt. Man mag bei beiden Künstlern darüber schmunzeln, eines scheint jedoch bei Mozart tatsächlich zuzutreffen: Der Gedanke der Freundschaft spielte sicher eine große Rolle. Man traf sich in München zum Billard, zum Musizieren und eben auch zum Kegeln. „Mozarts Freunde“, der Titel des Konzerts, hat einen Bezug zur Region, denn einige Spielpartner stammten aus Mannheim, bevor sie 1778 nach München übersiedelten: der Oboist Friedrich Ramm und die Kurfürstin Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach.
Die Klarinettistin Tamara Steinmetz, die Bratscherin Annariina Jokela und die Klavierdozentin Elisaveta Blumina, 2014 mit einem Echo-Klassik ausgezeichnet, eröffnen die Matinee in dieser ungewöhnlichen Besetzung in drei ungewöhnlichen Satzzusammenstellungen. Das Andante lässt Motive aus „Figaros Hochzeit“ anklingen. Warme Klarinettentöne, umspielt von Begleitfiguren auf der Viola, später vom Klavier aufgenommen und im Dialog der Instrumente weitergeführt, zeugen von hoher Musikalität, brillanter Technik und großer Spielfreude. Frisches Musizieren, scheinbare Leichtigkeit und ein sicheres Gefühl für Mozarts Musik zeichnen die melancholisch gespielten Kantilenen und virtuosen Soli aus.
Behutsam und anmutig
Die Sonate für Fagott (KV 292) und Violoncello mit Clara Manaud und Carolin Salome Eychmüller nimmt besonders das Holzblasinstrument in den Fokus, während das Cello, meist begleitend, lediglich durch kleine Motive auf sich aufmerksam macht. Sie steht in der gleichen Tonart B-Dur wie Mozarts berühmtes Fagottkonzert, Pflichtwerk bei jedem Probespiel. Harmonisch musizieren die beiden tiefen Instrumente miteinander: weich, mitunter behutsam, anmutig, im Rondeau mit leicht gespieltem, flottem Staccato voller Lebendigkeit.
Die Oboistin Luisa Hülsmann und der Geiger Alexey Stychkin gesellen sich im Oboenquartett F-Dur (KV 370) dazu. Nach frischem, fröhlichem Auftritt entfaltet sich die Oboe im Adagio farbenreich, etwa in einer kleinen Kadenz, während die Streicher einen wohlgesetzten Klangteppich weben. Im Rondeau schwellen Violine und Viola sehr schön parallel wie aus einem Guss an und ab.
Gespickt mit Punktierungen
Nun darf die Violine brillieren. In der Sonate e-Moll (KV 304) startet sie in mehreren Unisoni mit Klavier, bevor sich beide Instrumente geschickt die Bälle zuwerfen. Das Allegro ist mit vielen Punktierungen gespickt. Feines, ruhiges Musizieren, auch temperamentvolles Zupacken und angenehmes Zurücknehmen von Dynamik zeichnen Stychkins einfühlsames Spiel aus.
Das fünfte Werk an diesem Vormittag ist das Es-Dur Quintett (KV 452), über das Mozart selbst sagt: „Es ist das beste, was ich noch in meinem Leben geschrieben habe.“ Ergänzt durch das Horn (Iago Bernat Sanchis), können sich die Musiker in diesem feinen Werk noch einmal richtig entfalten mit harmonischem Zusammenspiel in Terzen und Sexten, perlenden Trillern und leichten Synkopen. Zwischen Klavier und Holzbläserfamilie entsteht durch den warmen Klang des Horns eine herrliche Balance.
So erlebten die Zuschauer eine bezaubernde Sonntagmorgenstimmung, die dem Sturm trotzte und den angespannten Pandemiezeiten einen wohltuenden Gegenpol setzte.