Tag der Architektur
Hausbesuch beim Büro-Atelier Farfalle
Fliegen kann das Bürogebäude am Landauer Ebenberg nicht. Der italienische Name Farfalle passt trotzdem – zweifach. Mit den großzügigen Fensterfronten hat es etwas von der Luftigkeit eines Schmetterlings. Und mit seiner doppelten Trapezform als Grundriss auch etwas von der Nudelsorte, für deren Name die Flugkünstler Pate standen.
Das Gebäude sollte ein Musentempel werden – dafür haben es der Landauer Architekten Thorsten Holch und der gebürtige Landauer Architekt Ansgar Lamott entworfen. Etwas erhöht am Ende der Fritz-Siegel-Straße gelegen, dominiert es den zentralen Platz des Quartiers 129 am östlichen Ende des ehemaligen Landesgartenschaugeländes und schließt städtebaulich die Allee als Ost-West-Achse ab. Hier wollten die beiden Planer ihr Wohnviertel mit Kultur beleben. Geplant war eine Rooftop-Galerie mit Stahlskulpturen eines Düsseldorfer Künstlers, der hier eine zweite Wirkungsstätte aufbauen wollte.
Wer beim Tag der Architektur im Juni auf der Terrasse des obersten Pavillons vor dem blühenden Dachgarten steht und den Blick über den Wohnpark schweifen lässt bis zu den sanften Gipfeln des Pfälzerwalds, mag mit Wehmut sinnieren, wie eine solche Freiluftausstellung das Viertel aufgewertet hätte. Corona vereitelte die Pläne: Denn in jener Zeit brachen dem Bildhauer Aufträge aus Fernost drastisch ein, erzählt Holch. Jetzt ist der Architekt auf der Suche nach Mietern für die vier Büroeinheiten von 220, zweimal 80 und einmal 50 Quadratmetern über drei Etagen. Sie alle lassen sich abtrennen oder verbinden. Einen ersten Interessenten gab es schon, doch das hat sich wieder zerschlagen.
Holz, geölter Cortenstahl, Sichtbeton: Die Handschrift des Landauer Architekten, wie sie schon das benachbarte Gleisbogenhaus und andere Sanierungsobjekte am Ebenberg prägt, ist auch hier unverkennbar. Die flächenmäßig größte Einheit verfügt über eine Galerie – auch sie ein beliebtes Stilelement Holchs. Das markanteste jedoch ist das Korsett aus rostig-braunem Cortenstahl, das die extravagante Bauform umhüllt, dank ihr aber nicht klotzig wirkt. Es nimmt die Fassade von den benachbarten Gartenhäusern, den Dachgauben am Gleisbogengebäude gegenüber und anderen Gestaltungselementen am Platz auf und schafft so Bezüge ins Viertel. Auch in der Schmetterlingsform im Grundriss ist das Gleisbogengebäude an der Bahnlinie von Landau nach Pirmasens wiederzuerkennen.
Trotz seiner verspielten Form wirkt das Gebäude geradlinig und klar. Das Innere bestimmen die Sachlichkeit purer Materialien und raffinierte Funktionalität. Hinter Lamellen verbergen sich Lüftungselemente, die sich auf Durchzug stellen lassen, wenn die Belüftungsanlage nicht ausreicht. An den kleinen Fenstern läuft der Sonnenschutz hinter der äußersten Scheibe der edlen Vierfachverglasung: rahmenlos mit emailliertem schwarzen Rand. Die Dreifachverglasung der raumhohen Fensterfronten hilft beim Energiesparen.
Unter dem robusten Hirnholzparkett im Erdgeschoss versteckt sich ein doppelter Boden mit Kabelkanälen. Hinter einer Tür im Treppenhaus liegt ein Schacht, der zu einem Serverraum im Keller führen kann. Vier Bäder und ein WC sind über das Gebäude verteilt. Geheizt wird mit Fernwärme.
1,98 Millionen Euro hat die THG Grundbesitz- und Verwaltung GmbH aus Düsseldorf hier investiert, 14 Millionen hat das gesamte Quartier 129 mit 39 Wohneinheiten gekostet. Die Außenanlage wurde geplant von IUS Theobald Plus Landschaftsarchitekten aus Heidelberg (Bearbeiter: Michael Traxel). Parkplätze für die späteren Mieter finden sich in der Tiefgarage und einige wenige an der Straße.
Termin
Zum Tag der Architektur am Samstag, 27. Juni, 14.30 bis 18 Uhr, und Sonntag, 28. Juni, 11.30 bis 17 Uhr, werden Führungen angeboten. Parken für Besucher ist außerhalb des Wohnquartiers und an der Sieben-Pfeiffer-Allee möglich. Ein Überblick über alle Projekte, die an dem Aktionstag der Architektenkammer zu besichtigen sind, findet sich auf der Homepage diearchitekten.org unter dem Button Tag der Architektur 2026.