Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Hauensteiner Kita: Ausschuss für Massivbauweise

Der Abriss der ehemaligen „Süddeutschen Schuhfabrik“ hat begonnen. Dort soll Platz für die neue Kita geschaffen werden, die nach
Der Abriss der ehemaligen »Süddeutschen Schuhfabrik« hat begonnen. Dort soll Platz für die neue Kita geschaffen werden, die nach Empfehlung des Hauptausschusses in Massiv- und nicht in der zuletzt vorgeschlagenen Holzbauweise realisert werden soll. Foto: Franz-Josef Schächter

Wenn der Gemeinderat in seiner Sitzung am 12. Dezember der Empfehlung des Hauptausschusses folgt, wird die neue Kita in Hauenstein wie geplant in Massivbauweise errichtet. Der Hauptausschuss legte sich in seiner Sitzung am Donnerstagabend bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung auf diese Variante fest und lehnte die in der Oktober-Sitzung des Rates ins Spiel gebrachte Holzbauweise ab.

Das Gebäude soll – und da gibt’s eine einstimmige Empfehlung des Ausschusses an den Rat – mit einer Wärmepumpe in Kombination mit anderen Maßnahmen beheizt werden. Barbara Hort und Thomas Bingeser vom Lauterer Büro hort+hensel, das das Projekt geplant hat, sowie Tim Joachim Noll vom Ingenieurbüro Thiele (Pirmasens) stellten in der Sitzung fest, dass eine Ausführung in Holzbauweise „grundsätzlich“ möglich sei: „Wir bauen gerne mit Holz“, so Bingeser: „Aber diese Frage hätten Sie vor drei Jahren stellen müssen“, konstatierte er. Jetzt von der sich in der Genehmigungsphase befindlichen Massivbauweise auf Holz „umzuswitchen“, würde bedeuten, „alles auf Null zu stellen“.

Mit Folgen: Alle bislang erbrachten Ingenieursleistungen und die daraus resultierenden Kosten wie Planung, Statik, Brandschutz und energetischer Nachweis würden „neu anfallen“, wurde mehrfach betont. Thomas Weisgerber, Mitarbeiter des Bauamts der Verbandsgemeinde, bezifferte diese Kosten auf „mindestens 200.000 Euro, möglicherweise aber sogar 250.000 Euro“.

Neuer Plan würde Bau verzögern

Abgesehen von der Kostenfrage spiele der Faktor Zeit eine wichtige Rolle: Seit Mai 2017 sei das Büro mit dem Projekt befasst, listete Barbara Hort auf. Man habe dem Rat im Januar 2019 einen „finalen Planstand“ präsentiert, der im Februar zur Genehmigung vorgelegt worden sei. Bleibe man bei der bisherigen Planung, könne mit einem Baubeginn im März/April 2020 gerechnet werden. Ein neuer Plan dagegen könnte frühestens im März 2020 – möglicherweise erst im Oktober nächsten Jahres – zur Förderung eingereicht werden. Zusammengefasst: Eine Planung in Holzbauweise würde das Projekt um mindestens ein halbes Jahr verzögern, mit der Folge, dass bei dem derzeitigen Baukostenindex von plus 4,5 Prozent mit einer weiteren Kostensteigerung zu rechnen sei. Tim Noll betonte, dass es sich beim Massivbau um ein „ausgeklügeltes System“ handle, das sich bewährt habe und wirtschaftlich sei. Der verwendete Kalksandstein werde aus natürlichen Komponenten hergestellt und die Dämmung der Fassade solle mit einem rein mineralischen, also nicht erdölbasierten Dämmstoff erfolgen.

Seibel plädiert für Holzbauweise

Ortsbürgermeister Michael Zimmermann hatte betont, dass es bei aller Diskussion nicht darum gehe, ob „Holzbauweise gut oder weniger gut“ sei. Wichtig sei, dass das Projekt „schnell und kostengünstig“ realisiert werden könne. Letztlich hätten Ausschuss und Rat die „politische Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit: die Verantwortung für die Kosten und auch die Verantwortung vor den Eltern, die auf einen Kita-Platz angewiesen sind“. Christof Glaser (CDU) stellte fest, dass er „keinen triftigen Grund“ erkenne, um sich beim gegenwärtigen Planungsstand neu aufzustellen: „Wo bleiben bei der Holzbauweise die Vorteile, die den erhöhten Kosten- und Zeitbedarf rechtfertigen?“, fragte er. Susanne Münch (FWG) betonte, dass „der Bauch für Holzbauweise“ gesprochen hätte. „Wir haben aber im bisherigen Rat die sichere Lösung gesucht und sind nicht mutig genug gewesen, schon von allem Anfang den Holzbau ins Auge zu fassen“, sagte sie selbstkritisch. Fraktionskollege Markus Keller forderte, das Augenmerk auf die Heizungstechnik zu legen, weil man sich „höhere Kosten und Zeitverzug nicht leisten“ könne. Mit gleicher Argumentation sprach sich Jan Spielberger (SPD) für die Massivbauweise aus.

Vor Eintritt in die Tagesordnung hatte Manfred Seibel (Grüne) beantragt, den Tagesordnungspunkt abzusetzen, weil lediglich Vertreter der beteiligten Büros, nicht aber das „Holzbau-Cluster“ Rheinland-Pfalz eingeladen seien. Sein Antrag wurde – bei seiner Gegenstimme – abgelehnt. Seibel – „Auch wir wollen schnellstmöglich die bestmögliche Kita“ – machte sich für die Holz-Variante stark, brachte Beispiele, wo Kitas in Holzbauweise erstellt worden seien, und meinte, dass es „möglich sei, die Kita schlüsselfertig, zum Festpreis und ohne Verzug“ fertigzustellen. Einen Beleg, dass das nicht möglich wäre, habe es in der Sitzung nicht gegeben.

Wärmepumpe statt Gastherme

Beim Thema Beheizung sprach sich der Ausschuss einstimmig gegen die ursprünglich vorgesehene Gastherme aus und wird dem Rat eine Beheizung mit einer Wärmepumpe empfehlen. Auch Photovoltaik und Solarthermie sowie eine Lösung über Contracting sind im Gespräch. Abzuwarten bleibe, wie und wann die Verbandsgemeinde die energetische Sanierung von Grundschule mit Turnhalle und Hallenbad umsetzt. Einem Wärmeverbund steht man, so der Tenor, jedenfalls sehr aufgeschlossen gegenüber.

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