Rheinpfalz
Hauenstein: Ewald Bisson hat Schulgeschichte geprägt
Er sei wohl deutschlandweit der einzige Lehrer seiner Zeit, dessen erste Dienststelle auch seine einzige blieb, meint Ewald Bisson. Der erste Rektor der „neuen“ Hauptschule nach der Schulreform in den 70er Jahren ist überzeugt, dass seine Lehrerlaufbahn an einem Dienstort damals einmalig war.
„Die Jungspunde der Lehrer zu meiner Zeit wurden in der Regel in den ersten Jahren von einem auf den anderen Tag versetzt, je nachdem, wo Not am Mann war“, erinnert sich Ewald Bisson. Der 95-Jährige kann auf 70 Jahre Schulgeschichte zurückblicken. Mit einem erstaunlichen Erinnerungsvermögen – „nur mit den Beinen geht es nicht mehr so gut“, sagt der ehemalige Rektor der Volks- und späteren Hauptschule. Drei Kinder, vier Enkel und vier Urenkel halten ihn auch jung. Seine Familie ging ihm zeitlebens über alles, und als seine Frau Inge einen langen Krankheitsweg vor sich hatte, pflegte er sie bis zu ihrem Tod. Auch jetzt versorgt er sich noch selbst, unterstützt von der Familie seines Sohnes Johannes, der nur einen Steinwurf weit weg wohnt.
Großes Hobby Modelleisenbahn
Doch Ewald Bisson ist auch als Pensionär immer mit der Zeit gegangen: Er telefoniert und arbeitet mit den Funktionen des Smartphones, auf dem Couchtisch steht das geöffnete Laptop, Musik hört er im Internet, und „abends gucke ich bisweilen auch gerne Fernsehen“. Er habe schon immer Aufgeschlossenheit gezeigt für alles Neue. Und als das Ladenlokal im Erdgeschoss seines Hauses vor etwa 50 Jahren schloss, fand er seine große Liebe zum reputierten Modelleisenbahnbauer, dessen Anlage die gesamte Fläche der alten Geschäftsräume an der Bahnhofstraße einnahm. „Über 100 Züge enthielt meine Anlage am Schluss, für Umpolungen, Wendeweichen, Beleuchtungen wurde ich damals auch zum kleinen Technik-Erfinder.“
Mit Respekt und Strenge
„Vorm Bisson hänn se all Moores g’hadd“, heißt es auch heute noch, wenn man ehemalige Schüler hört, die mit Respekt an seine Lehrerzeit in Hauenstein zurückblicken. „Ja, das stimmt“, sagt er, „ich war immer sehr streng, auch als junger Lehrer, aber ich wollte vor allem auch immer gerecht sein.“ Wichtig sei ihm gewesen, dass seine Schüler etwas lernen, „und ohne Respekt und Strenge ging nichts bei mir“. Dem jungen Lehramtsanwärter gab man 1948 sofort die Oberklasse – „mein Chef, Rektor Mansmann, wusste, dass ich mich durchsetzen konnte und dabei blieb es meine ganze Lehrerzeit über“. Ewald Bisson kümmerte sich auch bald um das sportliche Training der Buben und wurde auch Jugendtrainer beim Sportclub. Die Karriereleiter ging konsequent weiter über den Konrektor zum Rektor der damaligen katholischen Bekenntnisschule Hauenstein.
Für eigene Hauptschule eingesetzt
Und dann wurde Ewald Bisson noch Vorreiter zum Bau der neuen Wasgau-Schule. „In Hauenstein war die Bildung einer eigenen Hauptschule auch gleichbedeutend mit der Existenz einer eigenen Verbandsgemeinde“, blickt der Pädagoge in die 70er Jahre zurück, als die neue Verbandsgemeinde aus Gemeinden zweier Landkreise an der Nahtstelle zur Südpfalz unter großen Geburtswehen entstanden ist. „Ich ging damals in alle Umlandgemeinden zu den entscheidenden Elternabenden, um unsere neue Hauptschule aus der Taufe zu heben.“ Das sei alles andere als leicht gewesen. Umso mehr freut er sich auch noch im hohen Alter, dass es gelungen sei, das „geistige und schulische Zentrum der neuen Verbandsgemeinde“ am Needing zu schaffen. Und sein Sohn Johannes (69), selbst Lehrer, erinnert sich: „Damals, als die neue Wasgau-Schule gebaut worden ist, war mein Vater auch noch leidenschaftlicher Planer geworden.“ Über viele Wochenenden hinweg habe er die Planungen des Neustadter Architekten auf ihre schulische Umsetzung akribisch überprüft. Mit Erfolg, meint Ewald Bisson mit einem verschmitzten Lachen: „Ich habe dem Architekten in der pädagogischen Planung zahlreiche Verbesserungen vorgeschlagen, die auch umgesetzt worden sind.“ Für ihn sei es ein Freudentag gewesen, als die Schüler 1974 „in einer unendlich langen Prozession mit Stühlen und Lehr- und Lernmitteln über den Bruchweg ihren Umzug selbst in die Hand genommen haben“.
Ihn habe es nie in die Kommunalpolitik gedrängt, im Gegenteil: „Ich ging lieber zu meinem geliebten wöchentlichen Skatabend.“ Mit der politisch wichtigen Schulbildung in den 70er Jahren ließ er sich aber doch erweichen und ging als CDU-Fraktionssprecher bis 1979 in den Gemeinderat.
Hauenstein als „persönlicher Glücksfall“
„Ich habe in meinem langen Leben viel Glück gehabt“, resümiert der gläubige Katholik. Nicht nur, dass er, aus der Abiturklasse weggeholt, sofort als Soldat nach Russland musste und dort dem schrecklichen Kessel von Tscherkassy knapp entkam. Vor allem aber dass er als Junglehrer von seinem Geburtsort Bellheim sofort nach Hauenstein kam, „war der persönliche Glücksfall meines Lebens“. Von der „Kost- und Logis“ zuerst im Gasthaus Bärmann kam er bald als „Kostgänger“ zur Familie von Franz Weißler und Anna, geborene Bock, wo er seine Frau Inge kennen lernte. In diesem Haus verbringt er auch seinen Lebensabend, am liebsten unter dem großen Gemälde des burgundischen Malers Marcel Journay aus der Partnerstadt Chauffailles, die er von allem Anfang unterstützte. Und wie ein Symbol steht neben dem Sessel ein kunstvoller Kerzenhalter, den ihm sein Schulrat Alois Strubel, der jetzt im April seinen 104. Geburtstag feierte, zum 90. Geburtstag selbst gedrechselt hat.