Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Hauenstein: Bruder mit Axt attackiert

Vor dem Amtsgericht Pirmasens trafen sich zwei Brüder, deren Streit eskaliert war.
Vor dem Amtsgericht Pirmasens trafen sich zwei Brüder, deren Streit eskaliert war. Foto: Buchholz

Vor Gericht fanden sich am Montag zwei Brüder aus der Verbandsgemeinde Hauenstein wieder, deren jahrzehntelange Feindschaft im Mai eskaliert war.

Beide Brüder betrachteten sich vor dem Amtsgericht Pirmasens jedoch als Opfer und machten unterschiedliche Angaben zum Tathergang. Der 39-jährige Angeklagte gab an, sein fünf Jahre älterer Bruder sei bereits in früheren Jahren „übergriffig“ gegen ihn gewesen. Er habe ihn beleidigt, beschimpft und ihm Schläge angedroht. Deshalb habe er vor Jahren den Kontakt abgebrochen.

„Nur verteidigt“

Am Tattag habe sein Bruder plötzlich mit einem großen Handfeger in der Küche seines Elternhauses gestanden und sei aggressiv geworden. Er habe ihn mehrfach aufgefordert zu gehen. Aber sein Bruder sei nicht gegangen, sondern verbal aggressiv geworden. Schließlich habe er, der Angeklagte, aus einem Nebenraum eine Axt geholt und ihn nochmals aufgefordert zu verschwinden. Aber sein älterer Bruder sei mit dem Besen auf ihn „losgestürmt“. Er habe nur einmal mit dem stumpfen Teil der Axt zugeschlagen und ihn an der Seite getroffen, gestand er. Aber: „Ich habe mich nur verteidigt“, sagte der 39-Jährige. Dann sei es zur Rangelei gekommen und er habe den Älteren in den Schwitzkasten genommen, er solle verschwinden. Als der endlich ging, habe er ihm seinen Besen noch hinterhergeworfen.

Er habe selbst Blessuren erlitten und er zeigte dem Gericht entsprechende Fotos. Als später die Polizei kam und ihn mitnehmen wollte, sei er geflüchtet. Er habe auch später keine Anzeige gegen seinen älteren Bruder gemacht, da er unter Depressionen gelitten habe und deswegen auch in Behandlung sei. „Es war ein Fehler, die Axt zu nehmen“, räumte der Angeklagte ein.

Älterer streitet Vorwurf ab

Sein 44-jähriger Bruder erzählte wesentliche Details anders: Er habe an jenem Tag noch die Straße vor seinem Betrieb gekehrt, als ein Ex-Mitarbeiter im Vorbeilaufen gegen ihn gestänkert habe. Verärgert sei er noch zu diesem nach Hause und dann zu seiner Mutter, um sich nach dem Vater zu erkundigen, der im Krankenhaus lag. In der Küche habe er mit seinem Bruder, mit dem er „seit Jahrzehnten Zoff“ habe, reden wollen. Aber es habe sich schnell hochgeschaukelt. Sein Bruder habe ihm vorgeworfen, dass er ihn nicht eingestellt habe, obwohl sein Betrieb gerade nicht gut lief. Es habe eine „extreme Schreierei“ gegeben. Sein Bruder sei in „extremer Rage“ gewesen und habe eine Axt geholt und gedroht: „Ich schlag dich tot. Schaff’ dich ab.“ Den Axthieb habe er abfangen können und sie hätten gerauft. Auf Vorhalt sagte er, den Besen habe er im Flur genommen, weil der da nicht hingehört habe. Er stritt aber ab, dass er versucht habe, damit seinen Bruder zu schlagen. Den Besen habe ihm sein Bruder später nachgeschmissen. In einer Notoperation sei ihm im Krankenhaus ein Lungen-Katheder gelegt worden, weil sein linker Lungenflügel zerfallen sei. Und er habe im Gesicht stark geblutet.

Angeklagter soll 1000 Euro bezahlen

Auf Vorschlag des Staatsanwalts und mit Zustimmung beider Brüder stellte das Amtsgericht das Strafverfahren gegen den 39-Jährigen wegen Bedrohung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung vorläufig ein. Es wird endgültig eingestellt, wenn der Mann 1000 Euro in Anrechnung auf eventuelle Schmerzens- und Schadenersatzansprüche an den 44-Jährigen gezahlt hat. Andernfalls gibt es eine neue Verhandlung.

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