Kultur Südpfalz Harfe auf Spanisch
Mit einem beeindruckenden Solo-Konzert bewies die italienische Harfenistin Floraleda Sacchi bei der Trifels-Serenade der Villa Musica im Kaisersaal der Burg am Samstag, dass sie zu den weltweit führenden Interpreten ihres Fachs gehört.
Die auch als Komponistin und Musikwissenschaftlerin tätige Künstlerin ist in allen Konzertsälen Europas zu Hause, hat auf internationalen Festivals zahlreiche Preise errungen, an Rundfunk- und Fernsehaufnahmen mitgewirkt. Auf dem Trifels benutzte sie eine Doppelpedalharfe mit vergrößertem, birnenförmigem Korpus, wie heute allgemein üblich. In ihrem Auftritt breitete Sacchi die ganze Vielfalt im Klangspektrum des zu den ältesten und größten seiner Art zählenden Musikinstruments aus. Bewundernswert flink und mit Eleganz glitten ihre Finger im durchweg beidhändigen Spiel über die Saiten. Sacchi kostete alle Raffinessen ihres schön geformten Instruments aus, beherrschte behände das charakteristische Arpeggio-Spiel und das rasante Glissando-Gleiten durch die Intervalle. Zart gesetzte Flageoletts lösten typische Secco-Griffe ab, kurz und hart gezupft oder nach dem Anklingen mit der flachen Hand abgedämpft. Der Abend war durchweg der eher folklorehaften Musik Spaniens und Argentiniens aus der Spätromantik bis in die Gegenwart zugewandt, bevorzugte klangvollen Melodienreichtum mit ausgeprägten Tanzrhythmen, brachte aber auch schwermütige Paraphrasen in Molltönen zum Erklingen. Auf das Publikum irritierend und in der Folge einem teilnehmenden Zuhören abträglich wirkte sich der geänderte Programmablauf aus, denn Sacchi hielt sich nicht an die abgedruckten Vorgaben, ließ ohne Grund angekündigte Stücke aus wie die „Valses poeticos“ des Enricque Granados, den Zigeunertanz von Ernesto Lecuona oder einen Satz aus der „Suite española“ von Isaac Albéniz. Als Ausgleich fügte sie neue Programmpunkte hinzu. Das hätte man akzeptieren können, wenn sie die Änderungen in verständlichem Deutsch vorgetragen hätte. Es wäre Aufgabe des Veranstalters gewesen, sich hier einzuschalten. Schon das erste Stück, Gitana op. 21, eine facettenreiche Musik des französischen Komponisten Alphonse Hasselmans, war nicht abgedruckt. Bereits zu Anfang verdeutlichte die Künstlerin darin die enorme Virtuosität ihres Instruments. Mit dem gefälligen Stil Hasselmans hat sich Sacchi auch intensiv wissenschaftlich beschäftigt und Teile seiner Werke zum ersten Mal aufgeführt. Von Carlos Salzedo, einem der bedeutendsten Harfenisten des 20. Jahrhunderts, spielte Sacchi anstatt eines angekündigten Ausschnitts die gesamte „Suite of Eight Dances“ von 1943. Zwei Sätze aus Granados’ „Danzas españolas“ verarbeiteten orientalisch gefärbte Elemente spanischer Musik. Es folgten der von melodienreicher, melancholischer Schwermut erfüllte und populär gewordene zweite Satz aus dem „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo, aus der Suite española von Albéniz der von wirbelnden Klängen erfüllte fünfte Satz, „Asturias“, und das traumhaft-entrückte „Oblivion“ von Astor Piazolla im Stil des Nuevo-Tango. Von Claudia Montero spielte Sacchi das ihr gewidmete dreisätzige Tongemälde „Evocaciónes“. Allein physisch war Sacchis meist energisch gestaltete Aufführung von rund eineinhalb Stunden ein kräftezehrendes Unterfangen. Sie erfreute dennoch das Publikum mit einer Zugabe, mit „Habanera gris“, ein im Volksliedton verhaftetes Stück von Alfredo Rolando Ortiz. ǀ |ppo