Rheinpfalz Häufig reicht konservative Behandlung aus

„Ein Großteil chronischer Rückenleiden kann konservativ behandelt werden“, sagt Armin Käfer, Leitender Arzt der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie am Westpfalz-Klinikum Kusel. Erst dann, wenn Krankengymnastik und Schmerztherapie die Symptome nicht lindern können, sollte über eine Operation nachgedacht werden. Gestern konnten Anrufer den Fachmann bei der RHEINPFALZ-Sprechstunde um Rat zu ihrer Erkrankung fragen.
Pünktlich um 11 Uhr, dem Beginn der Sprechstunde, klingelte das Redaktionstelefon, und ein Mann aus dem Kuseler Nordkreis schilderte seine bisherige Krankheitsgeschichte. Er leide an einer Spinalkanalverengung und habe Taubheitsgefühle im linken Bein – „das fühlt sich an, als krabbelten Ameisen im Bein herum“. Rehasport, Einlagen, Krankengymnastik hätten bislang keinen durchschlagenden Erfolg gezeigt. „Durch den Befund und dadurch, dass Sie bereits viele Möglichkeiten ausgeschöpft haben, können Sie es mit einer multimodalen Schmerztherapie versuchen“, antwortete Käfer und empfahl ihm, einen Termin im Krankenhaus zu vereinbaren. Kurzfristig sei aber wohl nichts zu machen, erläuterte der Chirurg. „Die Sprechstunden sind vollends ausgebucht, hinzu kommen Notfälle. Die Nachfrage ist sehr groß.“ Eine Frau aus Schönenberg-Kübelberg informierte sich über die Schmerztherapie in Kusel, da sie als Nierenpatientin nicht alle Tabletten nehmen dürfe, um ihren Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich behandeln zu können. „Für die Therapie kommen Sie eine Woche stationär ins Krankenhaus, erhalten intensive Krankengymnastik sowie Spritzen unter CT-Beobachtung. Die Therapie wird dann aber auf Ihr Krankheitsbild angepasst“, erklärte Käfer und bat die 61-Jährige, ebenfalls in der Sprechstunde vorbeizukommen. „Die Anrufer beschreiben ihr Krankheitsbild, ihre Symptome sowie ihre bisherigen Behandlungsschritte sehr strukturiert“, gab sich Chirurg Käfer positiv überrascht, nachdem eine Anruferin kurzerhand ihren CT-Befund vorgelesen hatte. Bei der Sprechstunde im Krankenhaus betrachte sich der Arzt die Bilder und entscheide gemeinsam mit dem Patienten, wie es mit der Behandlung weitergehe. „Für eine Operation bin ich aber noch nicht bereit“, warf eine Anruferin etwas ängstlich ein. „Ich arbeite zwar in der Chirurgie, aber in den wenigsten Fällen wird operiert. Die konservative Behandlung reicht häufig aus“, entgegnete der Arzt. Er verbringe sehr viel Zeit mit Beratungsgesprächen, wenn es denn tatsächlich zu einer Operation kommt. „Der Rücken ist ein sensibler Bereich. Da schwingt irgendwo das Wort ,querschnittsgelähmt’ mit. Das ist wie eine Art Urangst“, weiß Käfer. In der Regel sei allerdings nicht die Operation das Problem, sondern der Zustand der Wirbelsäule vor der Operation. „Operationen an der Wirbelsäule sind bei akuten Lähmungserscheinungen oder Infektionen ratsam, ansonsten immer der letzte Schritt in Abstimmung mit den Patienten“, ergänzte der Chirurg. Bei einer Anruferin aus Niederstaufenbach sei vor kurzem ebenfalls ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert worden, „allerdings zeigen die Schmerzmittel keine Wirkung, genauso wenig die Infusionen, die ich bekomme“. Käfer riet ihr, den behandelnden Arzt erneut aufzusuchen und nach alternativen Wegen zu suchen. „Alternativ könnte man zum Beispiel gezielt in den Schmerzbereich spritzen oder es mit Krankengymnastik versuchen.“ (hlr)