Herxheim
Glückwunsch! Jochen Rieder, weltweit gefeierter Dirigent aus Herxheim, feiert seinen 50.
„Alle fahren jetzt E-Bike, gärtnern und züchten Hühner“, sagt Jochen Rieder. Der allgemeinen Entschleunigung kann er durchaus auch etwas Gutes abgewinnen. Für einen Künstler aber, der vom Alter her auf der Höhe seiner Schaffenskraft steht, sei es bitter, so ausgebremst zu werden. „Das ist schon fast ein Berufsverbot. Und Kollegen, die nicht an der Weltspitze stehen, habe es wirklich schwer“, sagt Rieder.
Normalerweise wäre der Dirigent bald wieder unterwegs „im Schlepptau“ mit Startenor Jonas Kaufmann, wie er sagt. Die Tournee zur CD „Wien“ haben die beiden so gerade noch gut zu Ende bringen können. „Dadurch haben wie ein kleines finanzielles Polster.“ Dann kam der Lockdown. „Alles ist abgesagt, auch unser Debüt in der Arena von Verona.“ Jonas Kaufmann habe zwischendurch noch einige Liederabende und Streamingkonzerte gegeben. Orchester durften aber lange nicht spielen, so war er als Dirigent nicht gefragt.
Zwei große Open-Air-Konzerte gibt’s im August
Zum Glück haben sich im August noch zwei neue Freiluft-Engagements ergeben vor ganz großem Publikum in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und im ungarischen Budapest: Mit dem Eiffel Art Studios Park wird eine neue Konzertarena in einer historischen Bahnhofshalle eingeweiht. Rieder wird das Orchester der ungarischen Staatsoper dirigieren. Auf dem Programm stehen vor allem Arien italienischer und französischer Komponisten des 19. Jahrhunderts. „Wir freuen uns darauf und natürlich auch darüber, wieder ein Einkommen zu haben“, sagt Rieder.
Danach werde wohl in absehbarer Zeit erst einmal nichts mehr kommen. Nur die Aufnahme des neuen Weihnachts-Albums in Salzburg. Zur Zeit stehe die Entscheidung über die nächste Tournee an, hinter der noch viele Fragezeichen stünden. Wird es funktionieren, ein Programm zweimal vor 500 statt einmal vor 1000 Zuhörern zu geben? Wie können die Musiker von Spielort zu Spielort transportiert werden – alle in einem Bus? Und: Die Menschen seien noch sehr zurückhaltend beim Kauf von Eintrittskarten aus Angst, bei Absagen „mit Gutscheinen abgespeist zu werden“.
„Oft sitzen Musiker gedrängter, als es sein müsste“
In den Sternen steht auch, ob Rieder das geplante Konzert im Dezember mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen dirigieren kann. Dabei würde ein romantisch besetztes Orchester auf vielen Podien der Welt genügend Platz findet – mit dem vorgeschriebenen Abstand, sagt er . „Oft sitzen die Musiker viel gedrängter, als es sein müsste, um sich besser zu hören.“
In vielen Opernhäuser sei das anders, erzählt Rieder. „Sie wurden konzipiert in einer Zeit, da man nicht ahnte, dass Komponisten einmal für viel größere Klangkörper schreiben würden.“ In Häusern wie Bayreuth sei auch ohne Corona schon sehr schlechte Luft. „Aber ich hatte noch nie das Gefühl, die Oper sei ein Hort der Viren – trotz der obligatorischen Huster im Publikum.“
Film „Mein Wien“ kommt in die Kinos
Corona hat auch privat nicht nur seinen runden Geburtstag durcheinandergebracht. Gerade hat er seine Mutter aus dem Rheinland zurückgebracht in die Südpfalz, erzählt Rieder. In Herxheim ist er aufgewachsen, lebt aber jetzt mit seiner Frau und zwei Kindern in Köln. Mit der Familie hat er im Rheinland die Taufe seiner zweijährigen Tochter gefeiert – „wie waren spät dran“, erzählt er. Da alle sehr musikalisch seien, haben sie in der Kirche fünfstimmig singen wollen, doch der Pfarrer habe ihnen nur fünf Minuten dafür zugestanden.
Wer das heutige Geburtstagskind zumindest im Kino mal wieder erleben möchte, sollte sich Karten für den 20. September sichern. Da läuft auch in Landau der Film über Jonas Kaufmanns Konzerttournee „Mein Wien“. Das Album ist die Fortsetzung des Bestseller-Albums „Du bist die Welt für mich“ und die persönliche Hommage des Startenors an die österreichische Metropole.