Rheinpfalz Gesucht: Neue Heimat

Ein Zuhause in einer fremden Stadt zu finden ist nicht einfach. Nach Jahren der umkämpften Wohngemeinschaften und Wohnheimplätze scheinen es Landauer Studenten in diesem Jahr bei der Wohnungssuche leichter zu haben. Oder doch nicht?
Den Master-Studienplatz für Psychologie hat Julia Neer schon, die passenden vier Wände sucht sie noch. Julia und ihr Hunde Jackie sind auf Wohnungssuche in Landau. Einfacher macht es die Sache mit dem Hund nicht – das weiß Julia. Deshalb hat sie auf der Internetplattform „Wg gesucht“ eine eigene Suchanzeige aufgegeben, statt selbst unzählige Leute anzufragen. Als „unkompliziert“ beschreibt sie sich in der Annonce, sie suche „aber keine Party-WG“. Jetzt öffnet Klaus Foerster im Landauer Malerviertel die Tür. „Wollt ihr was trinken?“ „Die Wohnsituation ist nicht mehr so angespannt“, sagt Alexandra Diestel-Feddersen, Geschäftsführerin des Studierendenwerkes Vorderpfalz. Während vor einigen Jahren noch ein harter Kampf um Wohnraum in deutschen Studentenstädten tobte, ist zumindest in Landau Besserung in Sicht. Zum Anfang des Wintersemesters eröffnet das neue Wohnheim im Quartier Vauban mit 173 Plätzen. Aktuell sei das neue Wohnheim fast voll belegt. Auch Klaus Foerster, der ein Zimmer zu vergeben hat, kann bestätigen, dass sich wohnungsmäßig in Landau viel getan hat. „Eigentlich war hier immer ziemlich Not“, berichtet er, während er Julia und Jackie die Wohnung zeigt. Letztes Jahr hätten einige Studenten sogar auf dem Uni-Parkplatz gecampt. „Deshalb wollte ich so früh wie möglich suchen“, wirft Julia ein. „Das ist die Küche, die bleibt so drin“, sagt Klaus. Auf Socken und mit Kaffeetasse in der Hand geht es durchs potentielle neue Heim. Hund Jackie hat sich schon mit Klaus’ Vierbeiner Frida angefreundet. Die Zweibeiner lachen viel, die Chemie zwischen den möglichen Wohnpartnern scheint zu stimmen. Darum geht es bei allen WG-Besichtigungen, seien es Einzelgespräche oder ganze Gruppen-Castings: Wer einziehen möchte, bekommt einen ersten Blick in die Wohnsituation, wer die Wohnung vergibt, kann gleich testen, ob der persönliche Eindruck des potenziellen Mitbewohners positiv ist. Julia stand schon einmal auf der anderen Seite: Für eine eigene WG in Hamburg suchte die 29-Jährige Mitbewohner. Nachdem die Suchanzeige drei Stunden im Internet gestanden habe, musste sie allerdings wieder herausnehmen: Zu groß war der Ansturm. „Wir haben im 20-Minuten-Takt eingeladen.“ Keine Spur davon derzeit in Landau. Nach über einer Stunde bei Klaus geht es für Julia weiter zur nächsten Wohnung. Zwischenbilanz: „Ich könnte mir vorstellen hier einzuziehen. Aber das Zimmer ist etwas klein.“ „Oh, den großen Kühlschrank hatte ich schon im Internet gesehen“, lacht Julia in der nächsten Wohnung. Fotos in Online-Portalen sind gang und gäbe, um Interessenten einen ersten Eindruck zu vermitteln. Hier, in Wollmesheim, außerhalb der Stadt, ist alles etwas größer dimensioniert, die Wohnatmosphäre eine andere. Hundekrallen auf Parkett, Karsten Fusenig zeigt Küche, Balkon, Bad. Draußen singen die Vögel. „Ja, es ist hier schon sehr naturnah“, sagt Julia mit einem Lächeln und schaut sich alles ganz genau an. Sie erfährt, dass man in Landau überall gut zu Fuß und per Fahrrad hinkommt, dass hier fußballtechnisch der FCK das Höchste der Gefühle ist. Ein bisschen Allgemeinbildung für die Neupfälzerin. Karsten hat seine Anzeige schon seit Mai im Internet und hatte inzwischen zehn bis zwölf Interessenten im Haus. „Es muss einfach passen“, sagt er. Eine Zweck-WG sei nichts für ihn. Die Besichtigungs-Schwünge kämen phasenweise. Einige Tage später hat sich Julia entschieden. Das erste Zimmer war ihr zu klein, für das zweite hat sie eine Zusage erhalten und möchte einziehen. (rxs)