Klassik RHEINPFALZ Plus Artikel Gesellschaft der Musikfreunde Bad Bergzabern will raus aus dem strengen Konzertsaal

Alexander Hülshoff lebt mit seiner Familie in Köln, aber der Südpfalz, wo er aufgewachsen ist, fühlt er sich noch eng verbunden.
Alexander Hülshoff lebt mit seiner Familie in Köln, aber der Südpfalz, wo er aufgewachsen ist, fühlt er sich noch eng verbunden. Hier ließen sich frische Formate an besonderen Orten präsentieren, sagt er.

Seit einem halben Jahr steht Alexander Hülshoff als prominenter Künstler an der Spitze der Gesellschaft der Musikfreunde Bad Bergzabern. Er bemüht sich um junges Publikum.

Der 1969 in Bergzabern geborene, international renommierte Cellist und ehemalige Leiter der Landesstiftung Villa Musica war als brillanter Solist und Partner internationaler Spitzenorchestern und hochklassiger Kammermusikensembles weltweit unterwegs. Zugleich hat er im pädagogischen Bereich in gleich mehrfacher Hinsicht Meriten erworben. Die Berufung zum Professor an der Folkwang Universität der Künste in Essen erhielt er – ungewöhnlich genug – bereits im Alter von 28 Jahren. Als Künstlerischer Leiter des Orchesterzentrums NRW bereitet er seit 2014 junge Menschen auf ihren Weg als Berufsmusiker vor. Und im Spitzenamt der rheinland-pfälzischen Stiftung Villa Musica, das er 2024 nach 13 Jahren auf eigenen Wunsch in neue Hände legte, widmete er sich mit Hingabe dem hochbegabten kammermusikalischen Nachwuchs aus aller Herren Länder.

In Bad Bergzabern ist man nicht wenig stolz auf den neuen Vorsitzenden als Gallionsfigur und vor allem hochkompetenten Impulsgeber mit vorzüglichen Kontakten auf internationalem Parkett. Für Alexander Hülshoff selbst fühlt es sich ein Stück weit wie heimkommen an. In Bad Bergzabern ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Zu tun hat dieses Gefühl nicht wenig mit Cornelia Hoffmann, die dem Verein Gesellschaft der Musikfreunde von 2009 bis 2022 vorstand und nach wie vor an der Spitze mitarbeitet. „Sie war meine erste wunderbare Cello-Lehrerin und wir haben uns nie wirklich aus den Augen verloren – auch nicht, nachdem sie mich in die Obhut des Konservatoriums, dann die der Hochschule zu Martin Ostertag und nach dem Abitur schließlich in die USA entlassen hatte.“ Er lacht.

„Ich hänge an der Pfalz“

Es folgte für den blutjungen Cellisten eine steile Karriere auf internationalen Podien mit renommierten Orchestern in Europa, Asien und Übersee, Kammermusikpartnern wie Pinchas Zukerman, Fazil Say, Friedemann Eichhorn und dem Fine Arts Quartett, dazu nach und nach mehr als ein Dutzend CD-Einspielungen. Köln wurde Lebensmittelpunkt, wo er auch heute noch mit seiner Frau – auch sie ist Cellistin – und den beiden erwachsenen Töchtern lebt. Aber die Liebe zur alten Heimat hat das nicht getrübt. „Auch wenn meine Eltern inzwischen in Mainz wohnen – ich hänge an der Pfalz, das ist eine so wunderbare und durch und durch kunstaffine Region“, schwärmt Hülshoff.

Im Übrigen schließe sich mit der Übernahme der Aufgabe im Kurstädtchen gewissermaßen der Kreis. Denn auf seinen Vater Theo Hülshoff – er war Professor für Betriebswirtschaft und Leadership und nicht zuletzt ein glühender Fan klassischer Musik – geht die Initiative zur Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde zurück, deren Aktivitäten er von 1981 bis 2009 federführend gestaltete. Er stellte in diesen Jahren mehrere Konzertreihen in Bergzabern und der Region auf die Beine, so auch die Matinee-Reihe der Landauer Meisterkonzerte – mittlerweile unter städtischer Obhut – und er bahnte die bis heute bestehenden Kooperationen mit der Landesstiftung Villa Musica und der Dr.-Maria-Vollmary-Stiftung an.

Neue Reihe mit Familienkonzerten

„Das Künstlerische und das Pädagogische – im Idealfall befruchtet sich das und lässt sich auch praktisch mühelos vereinbaren“, versichert Alexander Hülshoff. Vielleicht gebe es da so etwas wie eine familiäre Disposition, darin sei er seinem Vater schon ähnlich meint er. „Denn ich finde, man sollte über das Unterrichten nie die Schärfung des eigenen künstlerischen Profils vergessen; sollte unbedingt weiter konzertieren, denn man vertieft ja Werke um Laufe seines fortschreitenden Lebens zusehends, spielt sie immer wieder anders. Das wiederum schafft wertvolle Impulse für den Diskurs mit den jungen Leuten; ein Win-Win-Effekt.“

Auch in der künftigen Programmgestaltung für Bad Bergzabern möchte Hülshoff den Nachwuchs stärker in den Blick nehmen. So wird nach der Sommerpause das kleine Wochenend-Festival mit fünf Konzerten rund um Kammermusiken von Bach und Brahms am Freitag, 26. September, mit einem Kinder- und Familienkonzert in der Aula des Gymnasiums starten. Es wird sicher auch auf mehr Nachwuchs im Publikum zählen können.

Raus aus dem strengen Konzertsaal

Dass der Anteil an jüngeren Konzertbesuchern diesseits der 50 im klassischen Bereich beklagenswert klein ist, bestätigt Hülshoff nicht nur für die Pfalz. „Das ist eine Realität in ganz Deutschland, aber tatsächlich wiederum ein rein hiesiges Phänomen. Überall in Europa, in Südamerika, in Japan, wohin Sie kommen, sitzen begeisterte junge Menschen im Auditorium“, beschreibt Hülshoff seine Beobachtung. Vielleicht müsse man hier viel stärker nach frischen, unverbrauchten Formaten suchen.

Und nach anderen, unkonventionellen Orten. „Diese Region lebt vom Wein, die Vegetation ist südlich bunt, das künstlerische Angebot erstaunlich vielgestaltig, selbst auf dem Land. Und gerade da gibt es mittlerweile wunderbare Möglichkeiten, dem strengen Konzertsaal den Rücken zu kehren und Musik im Flair einer vielleicht ungewöhnlichen Lokalität zu präsentieren.“ Bestens gelungen sei das ja gerade mit zwei Konzerten der Juni-Reihe im Weingut Wilhelmshof und in der Villa Zick-Zack.

Viel Potenzial in der Region

„Im Übrigen zähle ich nicht zu den Kultur-Pessimisten. Ich glaube fest an die vitale Zukunft der klassischen Musik“, bekennt Hülshoff vehement. „Dass es hier beispielsweise das fantastische Deutsch-französische Jugendorchester, die grenzüberschreitende Kooperation zweier Musikschulen gibt, finde ich ermutigend, das begeistert mich.“ Die Region habe fantastisches Potenzial, das es unbedingt zu fördern gelte. „Jungen Menschen ein Podium bereitstellen, das wollen wir in gemeinsamer Anstrengung“, verspricht er. Bauen könne er dabei auf ein „wunderbar kreatives Team“ mit seiner Cello-Lehrerin Cornelia Hoffmann, der Pianistin Martina Cukrov Jarrett und der Schatzmeisterin Juliane Bohrer – sie ist eine Schulfreundin Hülshoffs seit der ersten Klasse.

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