Rheinpfalz
Geschichte der Schulhäuser im Landkreis Kusel: In Lohnweiler Unterricht in ehemaliger Kirche
Das ehemalige Schulhaus in Lohnweiler blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück. Heute dient es als Bürgerhaus. Etwas ganz Besonderes sind die Glocken und die Turmuhr, die täglich aufgezogen werden muss.
Das Bürgerhaus in der Ortsmitte von Lohnweiler ist ein Gebäude, das auffällt. Besonders eindrucksvoll wirkt die Vorderseite mit der doppelläufigen Außentreppe, deren beide Seiten wegen der Hanglage unterschiedlich lang sind. Bei der Eckquaderung fällt auf, dass dafür Steine mit unterschiedlichen Längen verwendet wurden, die vermutlich von einem älteren Bauwerk stammen. Die Front ist durch drei Fensterachsen im Erdgeschoss und im Oberstock gegliedert, im Dachgeschoss sitzt noch ein kleines rundbogiges Fenster. Der Giebel mündet in einen Dachreiter, der als Glockenturm dient.
Alle vier Seiten des kleinen quadratischen Gebäudes sehen unterschiedlich aus, sind aber durch ein gemeinsames Sohlbankgesims verbunden sind. Auf der Ostseite erscheint das Haus dreistöckig, weil auch das Untergeschoss vollständig sichtbar ist. Auf der Südseite ist das Erdgeschoss durch einen angebauten Schuppen verdeckt. Eine Überraschung bieten hier die beiden Rundfenster im Dachreiter und im Dachgeschoss, die als Vierpass geformt sind.
Umbau von Kapelle zu Schulhaus
Dem Aussehen nach könnte das Gebäude auch eine Kirche oder Kapelle sein – und seine Geschichte bestätigt dies: Graf Friedrich II. von Veldenz baute um 1380 an diesem Platz eine Nikolauskapelle an Stelle einer älteren Kirche. Während der Reformation wurde sie lutherisch, doch weil im 18. Jahrhundert die Zahl der katholischen Bewohner in Lohnweiler wuchs, diente sie fortan als Simultankirche.
Bereits im 17. Jahrhundert waren umfangreiche Reparaturen durchgeführt worden. 1835 war das Gebäude schließlich so baufällig geworden, dass man es auf Abriss versteigerte. Die Gläubigen mussten jetzt den Gottesdienst im benachbarten Lauterecken besuchen. Die Gemeinde kaufte die Kapelle und baute sie nach Plänen des Bezirksbaumeisters Johann Schmeisser zu einem Schulhaus um. Dabei wurden ältere Teile integriert, und der Neubau der Kapelle wurde angeglichen.
120 Jahre Unterricht
Schulunterricht hatte es in Lohnweiler schon seit dem 16. Jahrhundert gegeben, aber er war in einem Wohnhaus abgehalten worden. Nun hatte das Dorf eine eigene Schule – mit einer Lehrerwohnung im Erdgeschoss und dem Lehrsaal im ersten Stock. 120 Jahre lang wurde hier unterrichtet. Dann aber wurde der Schulsaal zu klein. Zunächst wurde daher die Unterstufe ausgelagert, schließlich ein neues Schulhaus errichtet.
Die protestantische Kirchengemeinde erwarb 1973 das Gebäude und richtete darin einen Raum für Gottesdienste und einen Jugendraum ein. 15 Jahre später kaufte die Ortsgemeinde das Haus zurück und verwendet es bis heute als Bürgerhaus. Den Gewölbekeller kann man für private Feiern mieten, und die frühere Lehrerwohnung dient jetzt als Ratsstube. In einem Raum im Obergeschoss wird einmal pro Monat sowie an Feiertagen Gottesdienst gehalten.
Neue Schule wird nur 20 Jahre genutzt
Ein neues Schulhaus wurde 1957 am südlichen Ortsrand errichtet. Den Standort hatte man gewählt, weil auch die Schüler aus Heinzenhausen die Schule besuchten. Das zweistöckige Gebäude entsprach modernen Anforderungen: Es gab im Erdgeschoss zwei Lehrsäle mit jeweils 65 Quadratmetern und zusätzlich ein Lehrer- und ein Lernmittelzimmer. Im Keller waren zwei Werkräume untergebracht. Aber die neue Schule erfüllte nur weniger als 20 Jahre ihren Zweck: Mittlerweile besuchen die Schüler die Schule in Lauterecken.
Zwei Besonderheiten, auf die Lohnweiler stolz ist, haben sich in dem historischen Schulhaus aber erhalten. Die große Uhr am Turm, die eines der Schalllöcher teilweise verdeckt, besitzt noch ein historisches Läutwerk, das jeden Tag aufgezogen werden musste. Diesen Dienst hat Siegfried Keller als Turmuhrwärter mehr als 50 Jahre lang versehen. Aber weil sich für diese Aufgabe voraussichtlich kein Nachfolger findet, wird die Gemeinde ein elektrisches Uhrwerk installieren müssen.
Glocken aus Kloster Disibodenberg
Noch bedeutender sind die beiden Glocken in dem Dachreiter, die aus dem Mittelalter stammen und noch immer der protestantischen Kirchengemeinde gehören. Die ältere Glocke wurde im 14. Jahrhundert gegossen. Auf ihr steht in Großbuchstaben: „O rex glorie kyre ven com pace“ (O König der Ehren, komm mit Frieden). Auf der zweiten Glocke, die hundert Jahre jünger ist, liest man den Anfang des „Ave Maria“ („Ave maria gracia plena dominus“). Nach der Überlieferung stammen die Glocken vom Kloster Disibodenberg und wurden wahrscheinlich bei der Säkularisierung im 16. Jahrhundert nach Lohnweiler gebracht.