Rheinpfalz Gemeinsam feiern, diskutieren, trauern

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Eine der ältesten deutsch-französischen Partnerschaften im Landkreis Südwestpfalz besteht nun seit 50 Jahren. Rund 800 Kilometer liegen zwischen der französischen Stadt Carentan in der Normandie und Waldfischbach-Burgalben in der Südwestpfalz. Trotz der Entfernung haben regelmäßig Besuche stattgefunden und im Laufe der Zeit tausende Bürger jeden Alters einander näher gebracht.

Während die Partnerschaft für die Gründer angesichts der Kriegserlebnisse noch etwas Außergewöhnliches war, ist das Miteinander heute längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Unzählige Begegnungen zwischen offiziellen Delegationen, Vereinen, Jugendgruppen und Schulen haben in den vergangenen 50 Jahren stattgefunden. Dazu kommen die zahlreichen privaten Kontakte, die mittlerweile entstanden sind. Die Grundsteine für diese privaten Kontakte wurden zumeist vom Freundeskreis oder bereits in der Schule gelegt. In jedem Jahr finden abwechselnd in Waldfischbach-Burgalben und Carentan Treffen der offiziellen Delegationen statt. Alle fünf Jahre wird Jubiläum gefeiert; dann fanden bisher zwei Begegnungen im Jahr statt. In diesem Jahr wird das Jubiläum diesseits und jenseits der Grenze nicht im gleichen Jahr gefeiert. In Waldfischbach gedenkt man jetzt dem ersten Besuch von Ratsmitgliedern in Carentan vor 50 Jahren und in Frankreich im kommenden Jahr der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde ein Jahr später. Die Fahrt nach Carentan findet 13. bis 17. Mai 2016 statt. Mitfahren kann hier jeder; sämtliche Teilnehmer werden privat untergebracht. In den langen Jahren der Begegnungen haben sich die Bewohner beider Gemeinden gut kennengelernt. Es werden nicht nur Feste gemeinsam gefeiert, sondern es wird auch miteinander diskutiert, gestritten und um die Verstorbenen getrauert. In früheren Jahren entstanden durch den Erfahrungsaustausch auf politischer Ebene schon ganz neue Perspektiven für die kommunale Partnerschaft. Konkret unterstützt hat die Doppelgemeinde ihre Partnerstadt in der Normandie, nachdem deren Rathaus an Silvester des Jahres 1989 – vermutlich durch Brandstiftung – abgebrannt war. Gemeinsam mit dem Freundeskreis leistete man einen Solidaritätsbeitrag und übergab eine Spende, um das Mobiliar zu ersetzen. Opfer der Flammen wurde auch die Partnerschaftsurkunde. Sie wurde angesengt. Die Anfänge der Partnerschaft reichen zurück bis zur Nachkriegszeit, als die damals eigenständigen Gemeinden Waldfischbach und Burgalben noch zur französischen Besatzungszone gehörten. Der Grundstein für die späteren Beziehungen zueinander wurde durch die Heirat des Soldaten der Besatzungsarmee Henri Laiquedé und der einheimischen Anni Schmitt gelegt. Auf ihre Initiative ist die Gründung der Partnerschaft zurückzuführen. Die Witwe Anni Laiguedé lebt seit einigen Jahren wieder vor Ort. Sie wurde mit der Ehrenplakette der Gemeinde ausgezeichnet und zum Ehrenmitglied des Freundeskreises Carentan ernannt. Als sie geheiratet hatte, musste sie 1948 die deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben und die französische annehmen. Dies hat sie nicht als Problem empfunden, da sie „jung und verliebt“ war, sagte sie vor mehr als 20 Jahren. Außerdem fand ihr Mann einen Arbeitsplatz in Kaiserslautern, weshalb sich ja für sie nichts änderte, erinnerte sie sich damals. Die große Überraschung kam ein paar Monate später, als plötzlich zwei Polizeibeamte vor der Tür standen und ihr sagten, dass sie als Französin das Land zu verlassen habe. In Frankreich vergingen dann einige Monate, bis der für die Einreise notwendige Pass und das Visum fertig für eine Rückkehr waren. „Damals habe ich Rache geschworen“, sagte sie beim Jubiläum zum 35-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft lachend. Sie sei im Laufe der Jahre mit ganzen Bussen voll mit Carentanern (Franzosen) zurückgekommen. Der erste Besuch in Carentan fand mit vier Autos statt. Diese Delegation sei mit drei Stunden Verspätung angekommen, erinnerten sich die Gründer, von denen nur noch einer lebt. Der Grund dafür war, dass man vergessen hatte, wie lange man in Frankreich zu essen pflegt. Obwohl seit 1963 Ratsbeschlüsse vorlagen, eine Partnerschaft einzugehen, dauerte es bis Sommer 1965, ehe eine Ratsdelegation nach Carentan reiste. Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden in Waldfischbach fand in der Kantine der damaligen Fabrik Libelle ein Jahr später statt. 1972 wurden die Urkunden, um Burgalben ergänzt, da mittlerweile die Verwaltungsreform die Gemeinden Waldfischbach und Burgalben zusammengeführt hatte. Bis Ende der 60er Jahre fand ein Austausch zwischen den Kommunalpolitikern und einigen wenigen Bürgern und Vereinen statt. Zuständig war damals Rudi Riedinger in der Ortsgemeindeverwaltung. Um 1970 bildete sich ein loser Zusammenschluss von Einwohnern aus der Doppelgemeinde unter der Führung von Erich Feick als Vorläufer des erst im April 1986 mit 41 Personen gegründeten Freundeskreises Carentan. Von 1978 bis 1988 führte Karl Umla die Delegation an. Hans Eser stand dem Freundeskreis von 1988 bis 2000 vor. Er wurde von Karl Wilhelm Porger abgelöst, der das Amt vier Jahre inne hatte, bevor Fritz Sopp bis 2010 den Verein führte, um danach die Führung an Walter Becker zu übergeben. In Carentan führte Georges Lemarchand fast 30 Jahre die Geschicke des französischen Vereins. Er wurde im Jahr 2000 durch Hubert de Pierrepont abgelöst.

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