Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Gedächtnisausstellung für Werner vom Scheidt in der Galerie Z

Ausschnitt aus Werner vom Scheidts Grafik „Kletternde Katze“.
Ausschnitt aus Werner vom Scheidts Grafik »Kletternde Katze«.

Werner vom Scheidt wäre dieses Jahr 130 geworden. Zugleich jährt sich sein Todesjahr zum 40. Mal. Ursula Zoller widmet dem Künstler, der mit der Schriftstellerin Martha Saalfeld in Bad Bergzabern lebte, in ihrer Landauer Galerie Z eine Gedächtnisausstellung.

Zuletzt stand mehr das Werk der Landauer Dichterin Martha Saalfeld im Fokus; der Frau, von der man sagt, sie habe zeitlebens im Schatten des berühmten Künstlers Werner vom Scheidt gestanden – ein typisches Frauenschicksal. Gerade wird ihr Nachlass an der Landauer Universität aufgearbeitet und gelangt peu à peu an die Öffentlichkeit.

Jetzt ist es mal wieder an der Zeit, auch ihres Mannes zu gedenken. Geboren wurde Werner vom Scheidt am 16. November 1894 im lothringischen Großblittersdorf als Sohn eines Fabrikanten. 1919 begann er in Heidelberg ein Studium der Nationalökonomie, wandte sich aber schon bald der Kunst zu, die freilich weit weniger einbrachte. Nachdem er 1928 Martha Saalfeld geheiratet hatte, arbeitete er zunächst bei dem Holzschneider Alexander Kanoldt in Garmisch, bevor das Paar 1948 in die Villa von Saalfelds Tanten nach Bad Bergzabern in der Zeppelinstraße 13 zog, wo es ein recht bescheidenes Leben führte.

Streithähne
Streithähne

Initiiert hat die aktuelle Gedächtnisausstellung sein Nachlassverwalter Oliver Roland mit der Ike und Berthold Roland-Stiftung seiner Eltern. 1966 waren diese zum ersten Mal zu Gast bei dem Künstlerpaar. Als Leitender Ministerialrat für Kunst und Literatur im Kultusministerium in Mainz hat Roland beide gefördert, und sie wurden Freunde und dann auch Nachlassverwalter des kinderlosen Paars.

Bei einer früheren Ausstellung erzählte Berthold Roland, wie Martha Saalfeld eine Ausbildung zur Apothekenhelferin absolvierte, weil die beiden von der Kunst allein nicht leben konnten, aber kein Talent hatten, den geerbten Eisenwarenladen in der heutigen Theaterstraße in Landau weiterzuführen. „Damit sie sich die Namen aller Pflanzen merken konnte, die sie für die Prüfung wissen musste, hat Werner vom Scheidt sie ihr gezeichnet.”

Der Ruhm verblasst langsam

1500 Grafiken hat vom Scheidt hinterlassen, die viele Museen wie der Pfalzgalerie in Kaiserslautern in ihre Sammlungen aufgenommen haben. 150 sind noch im Besitz der Roland-Stiftung. Mehr als 200 Druckvorlagen, Blätter, Möbel, eine Druckerpresse gingen 2013 an die Stadt Bad Bergzabern für das Museum im Alten Engel. Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Z im Frank-Loebschen Haus hilft, die lange Wartezeit zu überbrücken, bis die Sammlung endlich wieder zugänglich ist – was wahrscheinlich noch lange dauern wird, hat doch die Sanierung des Renaissancehauses gerade erst begonnen. Der Ruhm, den vom Scheidt zu Lebzeiten mehr genoss als seine Lebensliebe Martha Saalfeld, verblasst langsam.

Galeristin Ursula Zoller hat den Künstler gut gekannt und will gegensteuern. Schon 2008 war im Frank-Loebschen Haus eine Ausstellung mit 100 Grafiken zu sehen. Und im Empfangsraum ihrer Galerie Z zeugen Plakate von zwei großen Gedächtnisschauen 1981 in der Villa Ludwigshöhe und 1985 im Kreishaus Südliche Weinstraße. Sie selbst hat noch einige Arbeiten in ihrem privaten Besitz, die sie jetzt zeigt. Mit manchen verbindet sie besondere Erinnerungen – etwa mit dem „Brütenden Goldfasan“ von 1978: Das Gold hatte sie dem Künstler selbst gebracht. Oft habe sie bei einem Schuster vorbeigeschaut und Lederreste mitgenommen, die der Freund für seine Materialdrucke verwendet hat, erzählt sie. Sogar eine Schlangenhaut war darunter, die sie nun dem Reptilium übergeben will.

Werner vom Scheidt, wie er sich selbst sah.
Werner vom Scheidt, wie er sich selbst sah.

Also: Spot an auf den großen Meister des Drucks. Was da im Scheinwerferkegel erscheint, ist alles andere als grell bunt. Es ist eine Welt in Schwarz und Weiß – bis auf einige wenige nachkolorierte Drucke. Und doch eine Schau mit Strahlkraft. Werner vom Scheidt beherrschte viele Techniken – Holz- und Linolschnitt, Lederdruck, Glasdruck, Ätz- und Kaltnadelradierung und, seine Spezialität, den Kordeldruck. Ihn setzte er ein, um natürlich anmutende Maserungen von Holz abzubilden, für Ornamente oder ein Detail wie die Schnur, mit der eine Katze spielt. Bei dem Materialdruck „Fisches Tag- und Nachtgesang“ hat er auch Blätter verwendet, deren Abdrücke die Körper von Fischen formen mit den Blattgerippen als Gräten.

Tiere waren neben Pflanzen ein beliebtes Sujet vom Scheidts, und nicht immer war sein Blick frei von Verniedlichung. Ihnen widmete er mit 85 Jahren noch sein erstes Buch: „Gelebt und geliebt – Tierbegegnungen aus acht Jahrzehnten“. Zu sehen sind im Frank-Loebschen Haus aber nicht nur Hausgesellen wie Katzen, Hunde und die Schildkröte Kroko, die im Garten lebte. Der Grafiker hat auch mit unverstelltem Blick das Wildleben eingefangen: Streithähne, elegante Kronenkraniche und ein Blässhuhn im Teich mit Frosch und Wasserpflanzen. Sie schälen sich auf einem ausdrucksstarken Holzschnitt weiß aus dem schwarzen Hintergrund heraus. Seine Motive, entstanden aus Umrissen und sparsamer Ausgestaltung, sind da am stärksten, wo sie abstrahierend die wesentlichen Merkmale treffen wie bei Blumenstillleben mit Titeln wie „Calla, Iris + Lilie“ oder „Rosenstrauß auf Schrank“ – mit dem witzigen Detail einer spiegelverkehrten Inschrift.

Selbstporträt von Werner vom Scheidt.
Selbstporträt von Werner vom Scheidt.

Auch Landschaften hat vom Scheidt festgehalten wie den einzelnen Rebstock vor Pfälzer Hügeln mit markanten Rebzeilen, eine mondbeschienene Straße mit Kopfsteinpflaster, kahlen Platanen, vereinzelten Häusern und vorbeieilendem Dackel oder seine „Landschaft mit Aussichtsturm“ von Wasserburg am Inn. Bei seiner Zeichnung einer Eisenbahn mit langer Rußfahne in der Ferne hat er auf den sich schlängelnden Weg im Vordergrund als Collage das Foto eines Paars geklebt.

Schon früh hat sich vom Scheidt mit russischer Literatur beschäftigt. Zu sehen sind in der Galerie Z seine Illustrationen zu „Der Hund“ von Iwan Turgenjew und „Der Mantel“ von Nikolai Gogol, die in ihrer Stilistik von der Neuen Sachlichkeit beeinflusst sind. Sie finden sich auch in heute nur noch antiquarisch aufzutreibenden bibliophilen Ausgaben des Mannheimer Azur-Verlags.

Die Gedächtnisausstellung zeigt außerdem noch einige Künstlerporträts, die zum Teil am Rande von Auftritten in der Landauer Festhalle entstanden, wie das des lettischen Geigers Gidon Kremer. Den Mainzer Hofsängern mit ihren zum Singen weit aufgerissenen Mündern hat vom Scheidt rote Köpfe über die spanischen Krägen gemalt und daneben geschrieben „Heile heile Gänsje“. Humor hatte er.

Die Ausstellung

Gedächtnisausstellung für Werner vom Scheidt bis 11. August in der Landauer Galerie Z im Frank-Loebschen Haus: Di-Fr 10-12 und 14-17 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Zur Eröffnung am Sonntag, 14. Juli, 11 Uhr, gibt Hans Dieter Schlimmer eine Einführung, begleitende Worte sprechen Landrat Dieter Seefeldt und Stiftungsgeschäftsführer Oliver Roland.

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