Rheinpfalz „Ganz oder gar nicht“

Bad Dürkheim. Der Adler des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP) darf seit diesem Monat die Flaschen eines Freinsheimer Weinguts zieren. Gehörten die Brüder Andreas und Steffen Rings zuvor zu den „VDP-Spitzentalenten“, sind sie nun mit einer VDP-Mitgliedschaft in die obere Liga des renommierten Winzerverbands aufgestiegen.
Zuvor gehörte aus Freinsheim nur das nicht mehr existierende Weingut Lehmann-Hilgert dem VDP-Zirkel an, erläutert der Vorsitzende des VDP-Pfalz, Hansjörg Rebholz. Die Bemühungen der Brüder Rings um den Ausbau von Lagenweinen habe den Mitgliedern sehr imponiert. „Die Richtung, die das Weingut eingeschlagen hat, ist beispielhaft. Auch die anderen VDP-Weingüter können vom Austausch mit den Brüdern Rings profitieren“, betont Rebholz. Dass es für die Brüder Rings mit der Aufnahme in das verbandseigene Talenteprogramm 2008 klar war, den Betrieb weiter „in Richtung VDP“ auszurichten, erläutert Steffen Rings, der mit 37 Jahren acht Jahre älter ist als sein Bruder Andreas. Der zweifache Familienvater stieg vor 15 Jahren in den Betrieb ein, der von Vater Willi als Fassweinbetrieb geführt wurde. Nach dem Motto „ganz oder gar nicht“ krempelte der Weinbautechniker den Betrieb völlig um, 2007 dann mit Hilfe seines jüngeren Bruders Andreas. Heute verkauft das 30 Hektar große Weingut im Jahr 180.000 Flaschen. Je zur Hälfte sind die Rebflächen mit roten und weißen Trauben bestockt, wobei der Schwerpunkt auf Riesling und Spätburgunder liegt. Auf Neuzüchtungen wird verzichtet, stattdessen auf klassische Sorten gesetzt. Lohn war die Aufnahme in das Talenteprogramm und dort der Austausch mit den renommiertesten deutschen Weingütern. „Wir haben in dieser Zeit gemerkt, dass wir mit unseren Freinsheimer Lagen alleine nicht weiter kommen“, erläutert Steffen Rings. Und so kamen Stücke in Ungstein hinzu, außerdem gehören den Brüdern Weinberge in Kallstadt. „In Freinsheim gibt es keinen Kalkstein wie im Kallstadter Saumagen, keine Roterde wie im Ungsteiner Weilberg, aber solche Böden brauchen wir für die Weine, die wir produzieren wollen“, erklärt Andreas Rings. Mit der Lage Felsenberg im Leistadter Berntal sind die Brüder seit gut fünf Jahren außerdem im Besitz von 7000 Quadratmeter Wingert in einem Naturschutzgebiet. „Da wir unser Weingut zu einem Biobetrieb umstellen, ist das kein Problem“, versichert Steffen Rings. Die alten Riesling-Rebstöcke, die auf dem Gelände gewachsen waren, konnten die Brüder jedoch nicht mehr verwenden. „Das Gelände war zu sehr verbuscht. Dadurch hatten die Rebstöcke keine Chance zu überleben.“ Stattdessen pflanzten sie Spätburgunder-Stöcke an. 600 Reben gedeihen auf einer Berntal-Terrasse, die mit der Hand gepflegt und geerntet werden kann. Bald wird der 2013 gelesene Jungfernwein in Flaschen abgefüllt, im Dezember ist der Verkauf geplant. Den Jungfern-Wein vom Felsenberg, insgesamt 600 Flaschen, kann das Weingut noch nicht als „großes Gewächs“ der VDP vermarkten. Zunächst einmal müssen fünf Jahrgänge dem VDP präsentiert werden. Schneller geht es mit den Rings-Weinen, die vom Ungsteiner Weilberg und vom Kallstadter Saumagen stammen: Sie dürfen bereits in diesem Jahr das VDP-Siegel für „große Gewächse“ tragen. (led)