Karlsruhe
Fotografien des Förderpreises „gute aussichten“ in Städtischer Galerie
Die Städtische Galerie in Karlsruhe zeigt eine vielschichtige Ausstellung, die eindrücklich die Bandbreite der Möglichkeiten vor Augen führt, mit der Künstler auf die Fragen und Themen unserer Zeit reagieren können.
Nicht umsonst weiß der Volksmund, dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagt: Trifft der Fotograf oder die Fotografin den richtigen Moment, ist das Ergebnis eindrücklich, denn es schildert präzise und knapp einen bestimmten Augenblick – im besten Fall entstehen dadurch ganze Geschichten. Dieser Aspekt ist der gemeinsame Nenner der prämierten Arbeiten.
Der Titel „Gute Aussichten“ ist dabei in doppelter Hinsicht interpretierbar: Zum einen bezieht er sich auf die hinter dem Förderpreis stehende, gleichnamige gGmbH mit Sitz im pfälzischen Neustadt, die 2004 als private Initiative der Wiesbadener Kunstwissenschaftlerin Josefine Raab und des Frankfurter Journalisten Stefan Becht gegründet wurde. Zum anderen ist es auch ein Hinweis auf die guten Aussichten für angehende Profis, die über den Preis Aufmerksamkeit erhalten: Seit Beginn werden die Fotografien und Fotoserien in renommierten Institutionen gezeigt.
Den Auftakt zum 20. Jubiläum macht die Ausstellung in Karlsruhe, weshalb in der Städtischen Galerie die Editionen der vergangenen 20 Jahre neben den aktuellen Arbeiten gezeigt werden. Die Schau markiert einen weiteren Baustein in der Kooperation mit „gute aussichten“, die nach Karlsruhe Station in den Deichtorhallen Hamburg machen wird.
Sieben Positionen wurden aus den knapp 100 Einreichungen durch eine Jury ausgewählt; Absolventinnen und Absolventen einer deutschen Akademie oder Hochschule konnten ihre Abschlussarbeiten für den Preis einreichen. Dafür mussten sie ein künstlerisches Fach studiert haben, wobei die Bandbreite von der Fotografie bis zur Freien Kunst reichte und auch visuelle Kommunikation und Gestaltung einbezog; ein vorgegebenes Thema gibt es nicht.
In diesem Jahr sind es aktuelle, aber auch sehr persönliche Themen, die in den konzeptuell angelegten Arbeiten verarbeitet wurden. Von der politischen Situation in Georgien (Lea Greub) über die oft mutwillig gelegten Brände in Südeuropa (Massimiliano Corteselli) und die Wiederansiedelung des Wolfes in Brandenburg (Maya Vieth) bis hin zu Social Media und Fake News (Lia Meret Lehmkuhl) ist eine große Bandbreite gesellschaftlich relevanter Themen geboten.
Wie bei den übrigen eher gesellschaftlich bezogenen Themen sind auch die beiden persönlichen Geschichten erzählenden Arbeiten eher auf der Schattenseite des Lebens angesiedelt. Ihre eigene bipolare Störung thematisiert Denisa Poteca, während Béla Avi Bechthold eine reale Begebenheit zum Anlass nimmt, sich mit Fragen rund um die Grenzen von Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit zu beschäftigen. Zusammen mit seinem Vater fand er während eines Spaziergangs einen Toten und hält irgendwann mit der Kamera auf ihn, was ihn im Rückblick erschreckt.
Was in der Kunstfigur „Betty Blizz“ von Lehmkuhl bereits aufscheint – der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und verschiedene Bildbearbeitungstechniken – steht bei Matthias Grund im Mittelpunkt seiner Arbeit. Es ist eine medienanalytische Arbeit, innerhalb derer er sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit den Auswirkungen der KI auf kulturelle Bildproduktion auseinandersetzt. Die hochästhetischen Fotografie-Serie von Lilien zeigt dabei eines: Der Mensch als lenkende Größe, der der KI den Rahmen vorgibt, innerhalb derer sie Bilder entwirft, ist zwingend notwendig, damit auch tatsächlich das gewünschte Bild entsteht.
Aber das muss nicht immer provokativ sein. Die wandfüllende Collage von Maya Vieth ist bestes Beispiel dafür. Denn der Wolf ist zwar auf den Kinderzeichnungen und als Objekt der Beobachtung im Feldtagebuch zu erkennen, die Wildkameras fangen aber keinen einzigen ein. Und so ist ihre Arbeit auch als ein Hinterfragen unseres Verhältnisses zur Natur zu verstehen, die, so könnte man Cortesellis „Contrapasso“-Fotografien lesen, sich mit den Bränden gegen menschliche Eingriffe zur Wehr setzt.
Die Ausstellung
„Gute Aussichten“ bis 10. August in der Städtische Galerie Karlsruhe, Lorenzstraße 27: Mi-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr. Umfangreiches Begleitprogramm unter staedtische-galerie.de.