Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel „Fluss der Zeit“: Der zweite Teil von Susanne Popps Loreley-Reihe

Erzählt fesselnd und farbenprächtig: Susanne Popp, aufgewachsen in Bad Bergzabern.
Erzählt fesselnd und farbenprächtig: Susanne Popp, aufgewachsen in Bad Bergzabern.

Herz und Schmerz, Intrige und Geheimnis: Die Loreley ist wieder da. Wer den ersten Teil der Erfolgsautorin verschlungen hat, kann sich jetzt auf die Fortsetzung freuen.

Susanne Popp ist fasziniert vom Rhein und den vielen Sagen und Mythen, die sich um den großen Strom ranken. Kein Wunder: Die heute 56-Jährige ist in Speyer geboren, lebte in einem Haus direkt am Rhein. Aufgewachsen ist sie mit Blick auf die Rheinebene: Ihre Eltern Mathilde und Gerhard Königshaus haben drei Jahrzehnte lang die Jugendherberge von Bad Bergzabern geführt. Mittlerweile hat Susanne Popp der Pfalz den Rücken gekehrt und lebt mit Ehemann am Zürichsee.

Was ihr neues Buch betrifft, ist zunächst eine Warnung angebracht: Wer den ersten Teil „Loreley – die Frau am Fluss“ nicht gelesen hat, dürfte sich schwer tun, in die Handlung hineinzufinden. Auf den ersten Seiten treten jede Menge Leute auf, deren Rolle nicht erklärt wird und sich erst beim geduldigen Weiterlesen erschließt. Dazu kommen die komplizierten Herkunfts- und Familienverhältnisse, die man ohne Vorwissen kaum einordnen kann.

Ein Fiesling stört die Liebesidylle

Die Hauptperson im „Fluss der Zeit“ ist Lisette König, genannt Lissi, unfassbar schön, schwer verliebt und vom Schicksal gebeutelt. Sie wohnt um 1842 in Bacharach. Der Mann ihrer Wahl ist Gastwirtssohn Manuel, dessen missgünstige Mutter die Beziehung ständig hintertreibt. Als Manuel ein Praktikum in London absolviert, stört ein weiterer Fiesling die Liebesidylle: Der smarte Ferdinand, der im Fall einer Liebesheirat eine große Erbschaft erwartet, hat ein Auge auf Lissi geworfen. Er fängt den Briefwechsel des verliebten Paares ab.

Lisette, die deswegen vergeblich auf Nachricht aus England wartet, hilft unterdessen ihrem Vater Johann, der als Dampfschiffer auf dem Rhein unterwegs ist. Und jetzt kommt die Loreley ins Spiel. Um den Gästen auf dem Schiff etwas Besonderes zu bieten, singt Lissi mit betörender Stimme das berühmte Lied. Gleichzeitig ereignet sich auf dem Rhein ein schweres Schiffsunglück. Um von eigenem Versagen abzulenken, beschuldigt einer der Schiffsführer die junge Frau, ihn mit ihrem Sirenengesang abgelenkt zu haben. Ganz wie in „uralten Zeiten“. Und wieder tritt ein Bösewicht auf: Ein Reporter bringt diese „sensationelle“ Story in diversen Blättern. Lissi ist gezwungen, angesichts der Beschuldigungen nach Berlin zu flüchten.

Ein modernes Märchen

Die Lovestory von Lissi und Manuel, die natürlich ein Happyend hat, ist die erste Erzählebene. Der zweite Handlungsstrang ist um 1800 angesiedelt. Es geht um das Schicksal von Lisettes Großmutter Merle. Sie war ein Findelkind, wurde von Nonnen großgezogen und verschwand von einem Tag auf den anderen. Welche Rolle spielt der mysteriöse Verehrer von Merle? Die aufmerksame Leserin ahnt längst, wer der seltsame Fremde ist. Nicht so Lissi: Gemeinsam mit Freunden versucht sie, dem düsteren Familiengeheimnis und damit ihrer Herkunft auf die Spur zu kommen.

Susanne Popp erzählt in ihren Büchern moderne Märchen. Von der bösen Stiefmutter zum Beispiel, von der unschuldigen Schönheit, vom Helden, der sie nach vielen Mühen und Leiden erlöst. Gut und Böse, Schwarz und Weiß, da gibt es kaum Zwischentöne. Dabei pflegt die Autorin eine altmodisch romantische Sprache, sicher ganz bewusst. Bei all der Romantik verwundert es kaum, wenn eine Heldin in Ohnmacht fällt, sobald der heimlich Geliebte ihr Handgelenk küsst.

Fesselnd und farbenprächtig

Man muss es der Autorin lassen: Sie erzählt fesselnd und farbenprächtig. Wer sich in ihr Buch einmal eingelesen hat, mag es kaum mehr zur Seite legen. Da kann man schon mal verzeihen, dass manche fiktiven Ereignisse reichlich konstruiert erscheinen. Beispiel: Dass eine Frau, nur weil sie auf einem Schiff schön singt, fast wie eine Hexe beschuldigt und verfolgt wird, ist im 19. Jahrhundert äußerst unwahrscheinlich. Ein Märchen eben.

Lesezeichen

Susanne Popp: „Loreley – Fluss der Zeit“; Fischer Taschenbuch; ISBN 978-3-596-70914-4; 13 Euro.

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