Rheinpfalz Filmpreis Lola: Die drei besten Filme sind von Regisseurinnen
Das gab es noch nie: alles in Frauenhand. Die drei besten Filme sind von Regisseurinnen. Und dann sieht sie immer noch so unscheinbar wie eine Studentin aus, wenn sie auf der Bühne steht, und nicht wie die große Überfliegerin: Maren Ade (40) aus Karlsruhe. Ihr „Toni Erdmann“ gewann alle sechs Lolas, für die er nominiert war, auch die goldene. Von Andrea Dittgen
Schuld ist Steven Gätjen. Als der Moderator die weiblichen Stars auf dem roten Teppich interviewte, faselte er dauernd etwas von „starken Frauen“ – weil von den sechs Filmen, die als bester Film nominiert waren, drei von Regisseurinnen waren und bei vieren Frauen produzierten. Bis es einem zu den Ohren herauskam, wollte er von jeder wissen, was sie von diesem Jahrgang der starken Frauen hält. Und was antworteten die damit konfrontierten Schauspielerinnen Heike Makatsch, Christine Paul, Iris Berben & Co? Dass es schön wäre, wenn man es nicht extra erwähnen müsste! Doch am coolsten reagierte ein Mann. Schauspieler Ulrich Matthes ballte die Faust und rief: „Frauen an die Front!“. Da standen sie dann – wie immer in den letzten Jahren: Iris Berben, die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, deren 1900 Mitglieder die Lolas vergeben – und Monika Grütters, die Kulturstaatsministerium, die das Preisgeld dazu gibt. Sie sprachen nicht von starken Frauen, sondern von der Vielfalt des deutschen Films. Die Kulturschaffenden sollten ihre Stimme nutzen, um „unsere Demokratie, unser gemeinsames Europa, unsere Freiheit“ zu schützen, gab sich Iris Berben dabei ungewohnt politisch und kämpferisch. Der Rest der über dreistündigen Gala geriet dafür ziemlich langweilig. Jasmin Tabatabai, die deutsch-iranische Schauspielerin, moderierte längst nicht so frech wie früher Barbara Schöneberger oder wie es Anke Engelke bei der Berlinale macht. Wie soll man da die Oscars toppen mit deren vertauschtem Umschlag? Man hätte dazu schöne Gags schreiben können! Doch nichts geschah. Schon beim ersten Preis, der an Peter Simonischek ging, den Hauptdarsteller von „Toni Erdmann“, war zu ahnen, dass Maren Ades Oscar-nominierte Tragikomödie alles abräumen würde. Wie schon im Film, brachte Simonischek die Zuschauer zum Lachen. Er kam per ruckelndem Video in Generals-Uniform auf die Leinwand, denn er dreht gerade irgendwo auf einem Schiff, aber seine Freude war spontan und weitaus emotionaler als die von Ade, die später mehrmals auf die Bühne kam (als Drehbuchautorin, als Regisseurin, als Produzentin). Selbst die sonst so spröde Sandra Hüller, als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet (es ist ihre dritte Lola), taute auf, ebenso Ades Cutterin Heike Parplies, die den Schnittpreis bekam. Die zweite große Gewinnerin war Nicolette Krebitz mit ihrem Drama „Wild“ über eine Frau, die sich einen Wolf in ihre Wohnung holt. Vier Preise: Bronze als drittbester Film, bester Nebendarsteller (Georg Friedrich), beste Kamera, bester Ton. Wäre es nach Isolde Barth gegangen, der Pfälzer Schauspielerin, die schon für Rainer Werner Fassbinder spielte, dann hätte „Wild“ den Preis für den besten Film und Lilith Stangenberg den als beste Darstellerin bekommen. Dafür hatte Barth gestimmt, wie sie auf der Lola-Party verriet. Eine Lola ging an das Abtreibungsdrama „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached (Co-Drehbuchautor: der Mainzer Carl Gerber). Die schönste Dankesrede kam von einem Mann. Regisseur Andreas Dresen würdigte Monika Schindler (79), die immer noch im Beruf stehende Cutterin und Ehrenpreisträgerin. Sie brachte ihn dazu, eine lange Szene rauszuschneiden mit den Worten: „Andilein, das will doch kein Schwein sehen!“ Den Satz hätte man gerne Katja Riemann zugerufen, die als Engel, umturnt von einem Männerballett, vom Kino sang. Sollte wohl witzig sein, sorgte für Kopfschütteln, war aber ein geschickter, notwendiger Schachzug: Wenigstens eine schwache Frau muss es ja geben, sonst drehen die Männer gar keine Filme mehr.