Rheinpfalz Falscher Arzt in Mannheim verurteilt
Mit gefälschten Urkunden hat sich ein 38-Jähriger die Approbation als Arzt und Psychologe erschlichen. Studiert hat der Deutsch-Ungar jedoch noch nie in seinem Leben. Von Beruf ist er Maler und Lackierer. Das Mannheimer Schöffengericht verurteilte ihn gestern zu zwei Bewährungsstrafen.
Der Angeklagte habe sich unberechtigt als „Dr. med. Dipl.-Psych.“ in Mannheim niedergelassen , sagte der Vorsitzende Richter Michael Eichhorn und sprach von einem „Vertrauensmissbrauch“ gegenüber den Patienten. Die seien davon ausgegangen, dass der Mann über die nötige Qualifikation verfüge. Die Patienten seien aber „nicht völlig unzufrieden“ mit dessen Arbeit gewesen, so der Richter. Keiner habe Strafanzeige gestellt gegen den falschen Doktor und Psychotherapeuten. Das Fachwissen habe er sich „angelesen und Fortbildungen besucht“, berichtete der Angeklagte. Und von seinen Patienten ein „gutes Feedback“ erhalten. Es gebe „keinen Hinweis“, dass sein Mandant einen Schaden verursacht hat, sagte Verteidiger Wolfgang Stahl.
Praxis in der Innenstadt
Die Praxis für Psychosomatik und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychotherapie lag in der Mannheimer Innenstadt. Ganz in der Nähe des Gerichts. Von 2015 bis 2016 erhielt der Angeklagte Honorare von der Kassenärztlichen Vereinigung in Höhe von 111.000 Euro. Um seine Approbation in Deutschland zu erlangen, hatte er gefälschte Urkunden einer ungarischen Universität vorgelegt. Demnach hat er ein Psychologiestudium sowie eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten abgeschlossen. Zudem kaufte er sich eine gefälschte Promotionsurkunde, die ihn als Doktor der Medizin auswies. Insgesamt habe er 7000 Euro hierfür bezahlt, sagte der Angeklagte. Das Gericht befand ihn der Urkundenfälschung, des Betrugs sowie des Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen für schuldig. Richter Eichhorn geht von einer „positiven Sozialprognose“ aus. Der Angeklagte habe sein Leben „grundlegend geändert“ und arbeite als Rettungssanitäter in Berlin.
Sitzt auf Schuldenberg
Jetzt sitzt er auf einem Schuldenberg. Denn die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg verlangt die zu Unrecht gezahlten Honorare zurück. Davon sei „so gut wie nichts übrig geblieben“, so der Angeklagte. Er habe damals Steuern entrichtet und Mitarbeiter bezahlt. Ein Vergleich mit der KV sei gescheitert, bedauerte sein Verteidiger. Der Mann ist bereits wegen Urkundenfälschung verurteilt worden. So hatte er 2015 in einem anderen Bundesland eine gefälschte Approbationsurkunde vorgelegt. Im April 2016 erhielt er deshalb einen Strafbefehl über 6400 Euro. Zu einem Zeitpunkt, als er bereits in Mannheim in seiner Praxis tätig war. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu zwei gesonderten Bewährungsstrafen. Einmal zu 15 Monaten sowie zu 22 Monaten. Der Fall ist keineswegs einzigartig. Immer wieder gelingt es Möchtegernmedizinern ohne Zulassung als Arzt zu arbeiten. Das wohl bekannteste Beispiel ist der Fall des Postzustellers und Hochstaplers Gert Postel. Der machte zunächst als Dr. Dr. Bartholdy „Karriere“. So wurde er 1982 stellvertretender Amtsarzt in Flensburg. Er arbeitete in mehreren Kliniken. Nach seiner Haftentlassung war er Gast in vielen TV-Sendungen.