Rheinpfalz Für Parkplätze und gegen Bäume

Das Ergebnis vorneweg: Der Stadtrat Lauterecken hat am Donnerstagabend bei einer Enthaltung die Entwurfsplanung für den Ausbau der Lautertalstraße angenommen. Allerdings mit einer Modifikation: Die in der Planung vorgesehenen Bäume soll es nicht geben, und bei der Festlegung von Parkplatzflächen will man sich Flexibilität erhalten; außerdem strebt man die Einrichtung einer 30-Kilometer-Zone an.
Der Sitzung des Stadtrates sowie des Bau-, Liegenschafts-, Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses war eine Informationsstunde für die Anwohner vorausgegangen, zu der etwa 25 Bürger erschienen waren. Nachdem die Ingenieure Gernot Zoller und Werner Giloy die Planung vorgestellt hatte, äußerte Werner Theobaldt Kritik an den genannten Kosten von 377.000. Vor zwölf Jahren, als der Ausbau der Straße schon einmal zur Debatte stand, wäre es billiger gewesen. Theobaldt zweifelte auch die Ergebnisse des Bodengutachtens an. Laut Gutachten ist der Untergrund nicht tragfähig genug, das gelte auch für den Aufbau. Daher müsse der Boden ausgetauscht und der Aufbau verstärkt werden. Das ließ Theobaldt nicht gelten, verwies auf nur noch geringen Schwerlastverkehr und forderte, das Projekt zurückzustellen und noch einmal zu überdenken. Nicht einverstanden zeigten sich Anwohner mit der geplanten Pflanzung einiger Bäume, die verkehrsberuhigend wirken sollen. „Wozu Bäume?“, fragte ein Anwohner, der davon ausgeht, dass Hundebesitzer sich womöglich über Bäume freuten, die Folgen des Gassigehens aber liegen blieben. Da es sich um kleine Bäume mit Wurzelschutz handele, seien Schäden an Gebäuden nicht zu befürchten, erläuterte Zoller auf die Frage von Dorothea Siedow. Auf die in ihren Augen falsche Platzierung eines Baumes machte Renate Geng aufmerksam. Die Chefin des Getränkemarktes Schneider äußerte Bedenken, weil ihre Lkw-Fahrer womöglich beim Rangieren eingeschränkt würden. Zoller machte deutlich, dass man nach Vorgaben geplant habe, es allerdings kein Problem sei, auf die Bäume zu verzichten. Eine Anwohnerin forderte eine schriftliche Zusage von der Stadt, dass die Parkplätze vor ihrem Haus erhalten bleiben. Das andere wichtige Thema: Was müssen die Anwohner zahlen? Der Finanzchef bei der Verbandsgemeinde, Wolfgang Keller, legte beispielhaft die Berechnung für ein 500 Quadratmeter großes Grundstück vor: 2400 Euro wären demnach zu zahlen. Dabei ist ein 65-prozentiger Zuschuss zu den förderfähigen Kosten berücksichtigt. Die Stadt trägt einen Anteil von 40 Prozent, die Anlieger hätten 60 Prozent zu tragen, da die Straße hauptsächlich von Anliegern genutzt werde. Da waren die Anwohner allerdings anderer Ansicht. Es handele sich überwiegend um Durchgangsverkehr und nicht um Anliegerverkehr. Daher sei der 40-prozentige Stadtanteil an der Finanzierung zu gering, sagte beispielsweise Gerhard Grub. Die gleiche Ansicht vertrat Hermann Sonn. Über die Lautertalstraße fließe der Schulbusverkehr, auch bringe der Verwaltungssitz nach der Fusion ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Die Lautertalstraße sei nicht mit einer Straße in einem reinen Wohngebiet vergleichbar, argumentierte Sonn, der daher einen Stadtanteil von 70 Prozent für angemessen erachtet. „Anlieger und Anwohner sollte man nicht verwechseln“, stellte Dieter Drumm, Kontaktbeamter in Lauterecken und Ratsmitglied, klar. Anlieger sei jeder, der ein berechtigtes Interesse habe, die Straße zu benutzen, beispielsweise wenn er in die Stadt zum Einkaufen fahre. Im Stadtrat ging es noch einmal um die Pflanzung von Bäumen und die Ausweisung von Parkplätzen. Am Ende entschied man sich für Parkplätze und gegen Bäume. Kein Thema war, den geplanten Ausbau wie schon einmal vor zwölf Jahren, auf Eis zu legen, wie es Anwohner Werner Theobaldt gefordert hatte. Freidemokrat Peter Jacob meinte: „Die Anwohner kriegen eine tolle Straße, der jetzige Zustand ist katastrophal.“ Matthias Müller (SPD) regte an, Parkplätze „wohl überlegt“ zu planen, um eine „gewisse Verkehrsberuhigung“ zu erzielen. Dafür sprach sich auch Helmut Steinhauer (CDU) aus. Man müsse sich ebenso darum bemühen, die Bürger finanziell nicht über Gebühr zu belasten, womit die Frage der Kostenanteile angesprochen war. SPD-Fraktionssprecher Andreas Müller, der momentan auch den erkrankten Verbandsbürgermeister Egbert Jung vertritt, machte allerdings deutlich, dass der Gedanke, einen Stadtanteil von 70 Prozent in Erwägung zu ziehen, absolut unrealistisch sei. Stadtbürgermeister Heinrich Steinhauer deutete gegenüber der RHEINPFALZ an, den Stadtanteil „bis an die Schmerzgrenze zum Wohl der Bürger“ erhöhen zu wollen. (dgg)