Rheinpfalz Für gute Bilder fällt das Abendessen aus

Die Artenvielfalt im Hütschenhausener Bruch ist weithin bekannt. Allein bei der Vogelwelt kann keine andere Region in der Westpfalz dem Bruch das Wasser reichen. Dies sagt Alexander Weis aus Miesau. Er muss es wissen, mit seinem Fotoapparat dokumentiert er ehrenamtlich dort Vögel, von denen vorher keiner gewusst hatte, dass es sie in der Westpfalz überhaupt gibt.
Auch in der RHEINPFALZ waren einige seiner Fotos bereits zu sehen. Dass der gelernte Maurer einmal so viel Freizeit der Natur und vor allem den Vögeln widmen würde, war ursprünglich nicht absehbar. Ein Naturmensch war er schon immer, erzählt der 54-jährige gebürtige Bruchmühlbacher. Das Fotografieren hat sich aber erst in den vergangenen Jahren entwickelt. Afrikas Tierwelt ist dabei nicht unschuldig. Der Blick des Künstlers, der mit seinen beiden Brüdern in Bruchmühlbach im familieneigenen Bauunternehmen Weis arbeitet, wird weich, wenn er von seinen Reisen zu Afrikas unglaublichen Tieren schwärmt. „Von diesem Land kommen wir einfach nicht mehr los.“ Sagt’s und zeigt beeindruckende Fotoaufnahmen. Wenn wieder genug Geld angespart ist, geht es für ihn und seine Frau Sabine erneut auf Fototour nach Afrika. Bekanntlich gibt es im Bruch keine Elefanten, keine Gnus oder andere Exoten. Für Weis lohnt sich dennoch jede Minute, die er dort verbringt. Und es sind viele Minuten. Seine Frau wartet öfters vergeblich mit dem Essen, weil er sich „mal wieder nicht lösen kann“. Bei Wind und Wetter, schon morgens um 6 Uhr vor der Arbeit, zieht es Weis in die Natur. Die Kamera immer bereit. Ein Tarnzelt braucht er nicht. Ruhe, Geduld und den richtigen Riecher, darauf verlässt er sich. Und auf sein Wissen über das Verhalten der Tiere und deren Ansprüche. „Mein Opa war Vogelkundler. Von ihm habe ich als kleiner Bub schon viel gehört.“ Heute sind es die Experten vom Nabu Weilerbach, von denen Alexander Weis immer noch dazulernt, wie er sagt. Dabei ist gerade der Nabu sehr stolz und froh darüber, einen Alexander Weis in den Reihen zu haben. „Ohne seine Arbeit hätten wir vieles nicht erreicht. Seine Fotos sprechen für sich“, sagt Alfred Klein, langjähriger Nabu-Vorsitzender, dass ohne die Dokumentation über das Artenvorkommen im Bruch der Schutz dieses Gebietes deutlich schwieriger wäre. Ohne den Naturfotografen gäbe es womöglich bis heute keinen eindeutigen Beweis, dass die Große Rohrdommel, diese Rarität unter den Vögeln, tatsächlich im Bruch lebt, um nur einen Vogel herauszugreifen. Ohne ihn würden viele Zugvögel, die eine Rast in der Westpfalz einlegen, unerkannt wieder davonfliegen. Es sind diese Dokumentationen, die ihm wichtig sind. Wichtiger als schmucke Fotos mit großem „Wow“-Effekt. Die gelingen ihm ganz nebenbei allerdings auch. Wer hat schon Kraniche im Schein des Vollmondes vor die Linse bekommen? Oder wer hat die liebevolle Begrüßung junger Fuchswelpen durch Mama Fuchs auf dem Bild? Gefragt, was ihn draußen in der Natur besonders berührt, kommt die spontane Antwort: „Wenn ein Zug Kraniche landet. Das ist ein ganz eigener Moment.“ Was ihm noch fehlt in seiner Sammlung, ist der Blick durchs Objektiv auf das Kleine Sumpfhuhn. Die scheue Kleinralle lebt vermutlich am Scheidelberger Woog, in einem Naturschutzgebiet, zu dem auch das Bruch gehört. Gesehen hat es bislang noch niemand. Vielleicht zeigt es sich ja irgendwann genau auf dem 2,5 Hektar großen Bruchstück, das Alexander Weis gehört. Seine Frau hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Gelände zu kaufen und ihrem Mann zu schenken. Hier darf die Natur ganz für sich sein. Im restlichen Bruch ist sie dank seiner Fotobeweise heute besser geschützt als bisher.