Kultur Südpfalz Es könnte alles so schön sein

... wen man mit dem Schutz beauftragt.
... wen man mit dem Schutz beauftragt.

Es heimatet sehr in Deutschland. Der lange als piefig empfundene Begriff erlebt eine Renaissance, die sogar in Heimatministerien gipfelt. Das ist manchen zu viel des Guten. „Vorsicht, Heimat!“ lautet denn auch das Motto der Ausstellung zum 19. Deutschen Karikaturenpreis, die kommende Woche in Dresden und Bremen eröffnet wird. Mit dabei: Karikaturist Berthold Ritter, der für die RHEINPFALZ arbeitet. Er ist mit zwei Werken vertreten. „Die Scholle gleich um die Ecke dient Rechten als Rückrufaktion ins Zucht- und Ordnungshaus, Linken als letzte Hoffnung und Konservativen als Hafen im digitalen Datenmeer“, heißt es in der Ausschreibung zum Karikaturenpreis. Angesichts solcher weit auseinander strebender Sichtweisen komme um die Heimat „keiner mehr drumrum, schon gar nicht die Karikaturisten“. Entsprechend groß war die Resonanz. 227 Karikaturisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben mehr als 1000 Werke zum Wettbewerb um den Deutschen Karikaturenpreis eingereicht, der seit dem Jahr 2000 in vier Kategorien vergeben wird und mit Preisen zwischen 500 und 5000 Euro dotiert ist. Den Siegern winkt der „Geflügelte Bleistift“ für die beste Einzelleistung, für die beste Gesamtleistung, für eine besondere Leistung und für einen Newcomer. Für Berthold Ritter aus Offenbach, der für das Pfälzer Tagblatt die wöchentliche Karikatur zum Samstag zeichnet, ist Heimat allgegenwärtig. Die große Mehrzahl seiner Zeichnungen befasst sich mit Themen aus der Region – seiner Heimat also. Kaum eine Darstellung, in der sich nicht markante Bauwerke wiederfinden. Ritter hat viele Jahre in der Werbeabteilung bei Hornbach gearbeitet. Heute ist er im Ruhestand und dabei ein aufmerksamer Zeitungsleser, der seine Gedanken, Assoziationen und Kommentare zu den großen und kleinen Nachrichten aus der Südpfalz (immer wieder auch darüber hinaus) mit spitzer Feder zu Papier bringt. Es sind noch Zeichnungen im ursprünglichen Sinn, denn Ritter arbeitet noch mit Bleistift und Papier und scannt erst seine weit gediehenen Entwürfe ein, um ihnen am Computer den letzten Schliff zu geben und beispielsweise die Textblasen einzufügen. Er hat zwei Werke zu Ausstellung und Wettbewerb eingereicht. Das Ehepaar am Stacheldraht eines Ankerzentrums, das sich bei den Schlägertypen endlich wieder in der Heimat sicher fühlt, ist eine doppelte Kritik – zum einen an echten Fällen, in denen Bewachungsfirmen von Flüchtlingsunterkünften fragwürdiges Personal eingesetzt hatten, zum anderen an all jenen, die sich bei den selbsternannten Hütern von Recht und Ordnung gut aufgehoben fühlen. Die Männer, die die schmale Rente mit Flaschensuchen aufbessern müssen, im Grunde also einen Stützpfeiler ihres Heimatgefühls verloren haben, hat Ritter auch schon in einer anderen Karikatur mit dem Landauer Rathaus als Hintergrund verwendet – eine Auseinandersetzung mit der vom Stadtrat beschlossenen Gehaltserhöhung für die Stadtspitze (Ausgabe vom 1. September). Die Karikaturen-Ausstellung wird in Dresden und Bremen gezeigt, weil die „Sächsische Zeitung“ und der „Weserkurier“ die Ausrichter des Wettbewerbs sind. Der Preis wird bereits am Sonntag ab 11 Uhr im Theater Bremen verliehen. Berthold Ritter ist vor Ort. Er rechnet sich zwar keine Chance auf einen Preis aus, doch für ihn gilt: „Dabei sein ist alles.“ Termin —Deutscher Karikaturenpreis 2018, Ausstellung ab Montag, 12. November, bis zum 10. Februar in Dresden im Haus der Presse und ab Dienstag in Bremen in der Weserburg. —Infos im Netz: www.deutscherkarikaturenpreis.de. Dort sind auch zahlreiche Arbeiten aus den Vorjahren zu sehen. —Den Katalog zur Ausstellung kann man für 17,90 Euro bestellen bei www.editionSZ.de und www.weser-kurier.de/shop.

Heimat kann auch verloren gehen, aber man muss durchaus aufpassen, ...
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