Rheinpfalz Es ist ein Streit entsprungen

Eigentlich, meint Heino Schuck, müsste man ja in Contwig das Internet abstellen und die Zeitungen einkassieren. Nicht, dass dort noch jemand erfährt, dass dieses Wochenende nicht nur in Contwig Weihnachtsmarkt ist, sondern auch in Rieschweiler-Mühlbach. Durch Plakate werden die Contwiger jedenfalls nicht mehr darauf aufmerksam: Die Werbeschilder, die Rieschweiler-Mühlbachs Bürgermeister Schuck in Contwig aufhängen ließ, hat Contwigs Bürgermeister Karlheinz Bärmann abhängen lassen. Keine große Sache, betonen beide Bürgermeister im Gespräch mit der RHEINPFALZ, gehen dann aber doch ins Detail: Jeder hat sich über den anderen geärgert. Sein Amts- (aber nicht Partei-)Kollege aus Rieschweiler-Mühlbach habe in Contwig „illegal plakatiert“, berichtet Karlheinz Bärmann. Tatsächlich braucht man in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land eine Genehmigung des Ordnungsamtes, um Plakate aufzuhängen. Und die hatte Heino Schuck nicht. Also wies Bärmann vergangene Woche seine Contwiger Gemeindearbeiter an, die fremden Schilder zu entfernen. Das tue man mit allen Plakaten, die nicht genehmigt sind, sagt er. Nicht nur mit solchen, die auf eine Konkurrenzveranstaltung zum heimischen Weihnachtsmarkt hinweisen. Zerstört wurden die Werbetafeln übrigens nicht; sie lagerten ordentlich im Contwiger Bauhof. Um wie viele Schilder in Din A1 es ging? Bestimmt zehn, sagt Karlheinz Bärmann. Höchstens sechs in Contwig und Stambach zusammen, sagt Heino Schuck. So oder so: Schuck bemerkte ziemlich schnell, dass die Schilder weg waren und den Contwigern somit der Rieschweilerer Weihnachtsmarkt vorenthalten wurde. Erst rief er Bärmann an, dann holte er sich bei der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land eine Genehmigung und in Contwig die Schilder zurück. „Die hängen jetzt woanders“, berichtet er von einem neuen Platz. Wo genau sie nun für den Rieschweilerer Markt werben, will er nicht sagen − „sonst müssen sie dort am Ende auch noch weg“. Doch Karlheinz Bärmann traut dem Schilderfrieden nicht − und hat sich auch eine Genehmigung geholt. Er darf nun ebenfalls ganz offiziell Plakate aufhängen und damit auch in Rieschweiler-Mühlbach für den Contwiger Weihnachtsmarkt werben. Was er nach eigenen Worten aber gar nicht will − es sei denn, es taucht noch mal Rieschweilerer Weihnachtsmarktwerbung am Contwiger Straßenrand auf. „Allein der Anstand gebietet es doch, dass ich nicht in einem Ort auf eine Veranstaltung hinweise, wenn in genau demselben Ort zur selben Zeit auch so etwas stattfindet“, erklärt Bärmann. Immerhin nehme man selbst doch auch auf andere Orte Rücksicht. Doch hätten die Rieschweilerer schon letztes Jahr in Contwig Werbung gemacht, und Contwiger Vereine hätten sich bei ihm darüber beschwert. Zumal die Plakate, mit denen die Contwiger im eigenen Ort und die Rieschweilerer auch auswärts werben, einander ähneln: Beide weisen in stimmungsvollem Neongelb auf den Budenzauber hin. „Manche haben wohl Angst“, sagt Schuck. Angst, „es könnte in Contwig eine Bratwurst weniger gegessen werden“. Immerhin feiere Contwig erst seinen dritten Weihnachtsmarkt, „und wir haben noch eine Drei vornedran“. Tatsächlich steigt dieses Wochenende der 33. Weihnachtsmarkt in Rieschweiler-Mühlbach. Und zwar nicht nur auf einem Platz, wie Schuck betont, sondern „auf einer acht Meter breiten Straße“, mit Betrieb in gleich mehreren Häusern und Zelten. Schuck sagt, er habe nicht gewusst, dass man in Zweibrücken-Land eine Genehmigung zum Plakatieren braucht − „und ich mache das jetzt auch schon elf Jahre“. Er respektiere Bärmanns Verhalten, finde es aber „nicht in Ordnung. Wir lassen andere ja auch immer plakatieren.“ Wenn das Zweibrücker Stadtfest ansteht, „wird bei uns alles zugestellt, und da fragt auch keiner“. Schuck war übrigens selbst schon auf dem Contwiger Weihnachtsmarkt, sagt er. Auch dieses Jahr will er hin, wenn es die Zeit erlaubt. Das Internet muss ja auch irgendwann wieder eingeschaltet werden. (Karikatur: Herrmann)