Rheinpfalz Es darf wieder getanzt werden

Viele ältere Semester im Dahner Tal werden sich noch erinnern: In den späten Sechzigern und in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts waren die Tanzabende beim „Blank“ der angesagte Treffpunkt für junge Leute von überall her. Wer jetzt in nostalgisches Schwärmen verfällt, darf sich freuen: Nach 25 Jahren wird wieder das Tanzbein geschwungen – am gleichen Ort wie damals. Am Freitag war Premiere im heutigen Restaurant Wasgauperle im ehemaligen Blankschen Tanzsaal. Weitere Tanzabende sind geplant, einmal im Quartal.
„Wir wollen die alte Tradition wieder aufleben lassen“, sagen alle unisono, die sich am Tisch im Restaurant zusammengefunden haben: Seniorchefin Brigitte Heidenreich, Juniorchefin Anette Schreiber, ihr Mann Klaus Schreiber und die Vertreter der Band „The Oh’ Jesses“, die zum ersten Tanzabend in der „Neuzeit“ die Musik beisteuert. Eine Veranstaltung für „die Jungen und für die Junggebliebenen von damals“ planten sie, sagt Klaus Schreiber, während seine Schwiegermutter Brigitte Heidenreich alte Fotos herumreicht. „Früher waren alle beim Blank, viele Pärchen haben sich hier kennengelernt und später geheiratet“, erinnert sich Wolfgang Meier, Bandchef von „The Oh’ Jesses“. Auch er und seine Frau Ellen, die ebenfalls in der Gruppe mitspielt, sind eines dieser Paare. Länger als zwei Jahrzehnte währte die Ära der Tanzabende, zu denen junge Leute aus der weiten Umgebung bis in die Vorderpfalz herbeiströmten und die Aufnahmekapazität des Saals oft bis an die Grenze ausreizten. „Die angesagtesten Formationen spielten bei uns, bekannte Bands wie „The Strings“, „Hoffmann und Hoffmann“, „Anti Tank Gun“, sagt Anette Schreiber. „Sogar Jürgen Drews war mal da“, fällt ihrem Ehemann ein. „Blank war in der Region das Aushängeschild für die Jugend, an jedem Wochenende hieß es: Wir treffen uns beim Blank“. Blank, das war Anette Schreibers Großvater Alois Blank, der das Restaurant 1949 gebaut, 1952 eröffnet und gemeinsam mit seiner Ehefrau Agnes betrieben hat. Die Tanzabende wurden in den 1960-er Jahren eingeführt, berichtet die Blank-Tochter Brigitte Heidenreich, die das Restaurant später mit ihrem Mann Bernd übernahm. Vor allem die Fastnachtzeit ist ihr in guter Erinnerung: Nach dem 1966 in Dahn eingeführten Fastnachtsumzug wurde im Blankschen Saal weitergefeiert. „Eine Straßenfastnacht wie heute gab es nicht, alle kamen zu uns, da war manchmal kein Durchkommen mehr“, erzählt sie. Das blieb so, bis 1980 als Folge des ersten Golfkriegs landauf, landab alle Fastnachtsveranstaltungen abgesagt wurden. Der Tanzsaal wurde geschlossen und später umgebaut. In der Folgezeit wuchs das Restaurant ebenso wie die Inhaberfamilie, zu der neben den beiden Heidenreich-Töchtern Jutta und Anette und deren Mann Klaus Schreiber noch Schwiegersohn Jürgen Heidenreich sowie die fünf Enkel Fabienne, Maxima, Cedric, Elias und Madelene gehören. Gefeiert wird im umgestalteten ehemaligen Tanzsaal im Obergeschoss noch immer: Der Festsaal der „Wasgauperle“ mit seinem urigen Gebälk bietet Platz für 120 Personen und wird von den Bewohnern aus Dahn und dem Umland gerne für Hochzeiten, Geburts-, Jubiläums- oder Vereinsfeiern genutzt. Dort wird nun wieder öffentlich getanzt – zu Musik von damals. Weitere Tanzabende sind geplant. „Damit wollen wir Leuten in unserem Alter Gelegenheit geben, bei der Musik aus ihrer Jugend in Erinnerungen zu schwelgen“, erklärt Klaus Schreiber. Urlaubsgäste sind ebenfalls willkommen. „Unsere Musik hören auch junge Leute gern“, fügt Wolfgang Meier hinzu. Der Schlagzeuger von „The Oh’ Jesses“ und seine sieben Bandmitglieder – Gesang, Gitarre Percussion – spielen Songs von den Beatles, den Rolling Stones, Deep Purple, Simon & Garfunkel, Peter Maffay und anderen, softe Rocktitel, Blues und Balladen. „The Oh’ Jesses“ verstehen sich als Benefizgruppe; sie spielen, weil es ihnen Spaß macht, und sie spielen ausschließlich für einen guten Zweck. Darauf weist Mario Wegmann, einer der Gitarristen, ausdrücklich hin. Er ist querschnittsgelähmt und sitzt seit seinem Fahrradunfall vor zehn Jahren im Rollstuhl. Als sich die Musiker, die erst spät ihre Neigung zur Musik entdeckt und sich beim Unterricht an der Kreismusikschule kennengelernt haben, vor drei Jahren zum gemeinsamen Musizieren entschlossen, waren sie sich über den sozialen Aspekt von vornherein einig. „Alles, was wir an Spenden einspielen, wird am Jahresende einem Hilfsprojekt für in Not geratene Personen in der Region zugeführt“, erklärt Wegmann, der nach seinem Unfall selbst große Hilfsbereitschaft erleben durfte. „Dahinter stehen auch wir“, betont Klaus Schreiber. Deshalb hat die „Wasgauperle“ die Gage für die Musiker übernommen und der Eintritt für den Tanzabend soll frei sei, so planen es die Veranstalter. Der Erlös des Tanzabends kommt dem 13-jährigen Jugendfußballer Lukas Kirsch aus Gossersweiler-Stein zugute, dessen linkes Bein wegen einer Krebserkrankung amputiert werden musste und der eine Sportprothese benötigt, um ein unbeschwertes Leben führen und weiter Fußball spielen zu können. Spenden Weitere Spenden für Lukas Kirsch sind willkommen auf das Spendenkonto Nadine Kirsch, Verwendungszweck Lukas Spendenkonto, IBAN: DE 49548500101710615426, BIC: SOLADES1SUW. (iwa)