Rheinpfalz Ermittlungen wegen Kopfschuss-Drohung

Landau. Das Landgericht in Landau hat gestern seinen Prozess gegen die Hintermänner der Drogenbestellplattform „Chemical love“ fortgesetzt. Gegen den mutmaßlichen Chef der Bande laufen derweil schon wieder neue Ermittlungen.
In der vergangenen Woche hat es sich schon abgezeichnet, nun macht es der für das Verfahren zuständige Staatsanwalt Alexander Fassel offiziell: Er verkündet, dass einer der Angeklagten Ende Februar in der Justizvollzugsanstalt Rohrbach (Kreis Alzey-Worms) bedroht worden sei. Da habe ein anderer Häftling dem Pforzheimer zugeraunt: „Ich soll dir ausrichten, dass du beim Gericht aussagen sollst, dass du dich an nichts erinnern kannst.“ Auch der mit angeklagte Bruder des Pforzheimers – er verwaltete das Rauschgift-Zentrallager der Bande im südpfälzischen Rülzheim – müsse schweigen, soll der einschüchternde Botschafter hinzugefügt haben. Und wenn sie doch reden, drohe beiden ein Kopfschuss. Ankläger Fassel nimmt den Bericht des Pforzheimers ernst: Der Staatsanwalt geht davon aus, dass der Hauptangeklagte im Prozess um Internet-Drogenhandel hinter der Drohung steckt. Deshalb hat er ein neues Ermittlungsverfahren gegen diesen Mann eingeleitet. Dabei hat der 30-Jährige mittlerweile ohnehin eingestanden, dass er den illegalen Versandhandel über die Seite „Chemical love“ organisiert hat. Doch er behauptet, dass es noch einen unbekannten Oberboss gegeben habe. Der Rülzheimer Lagerverwalter hingegen sagte vergangene Woche: Er vermute eher, dass Geschichten vom mysteriösen Hintermann erfunden seien. Das bekräftigt jetzt auch sein Bruder, dessen Geständnis wegen der Drohung zunächst zurückgestellt worden war. Dabei hatte der Pforzheimer bei der Polizei sowieso schon einmal ausgepackt. Nun gehen die Richter mit ihm noch einmal genau durch, wie oft er in den Niederlanden Drogennachschub holte. Auf zehn Fahrten kommen sie so – noch mehr, als er schon eingestanden hatte.