Rheinpfalz Erlenbach: Ein Besuch bei der „Hollerhexe“
Zur Natur fühlt sie sich besonders hingezogen. Manuela Fuhrmann aus Erlenbach hat deshalb ein besonderes Betätigungsfeld gefunden. Sie sammelt Kräuter und pflanzt sie teilweise in ihrem Garten an. „Was andere entfernen, pflanze ich hier an, beispielsweise den Giersch“, so die „Kräuterfrau“, auch als „Hollerhexe“ bekannt.
Wir treffen Manuela Fuhrmann auf einem deutsch-französischen Biosphären-Bauernmarkt in Kirrweiler und kommen ins Gespräch. Seit dem Frühjahr wohnt sie in Erlenbach, also nebenan. Eigentlich ist sie ein Landauer Kind und hat jahrelang in Ramberg gelebt. „Ich habe etwas Neues gesucht, aber zunächst nichts gefunden. Dann habe ich alle Bürgermeister im Umkreis angerufen, auch in Erlenbach.“ Dadurch sei sie zu dem Haus gekommen, das sie eigentlich nur mieten wollte. „Weil mir die Lage in der Natur so gut gefiel, habe ich mich entschlossen, das Haus zu erwerben. Hier habe ich jetzt ausreichend Platz, um meiner Beschäftigung nachzugehen.“
Salz mit Wildkräutern
Ihr Interesse an Wildkräutern sei in Ramberg geweckt worden, erzählt sie. „Ich hatte einen verwilderten Garten übernommen, in welchem jahrzehntelang nichts gemacht wurde. Wir haben versucht, das Unkraut loszuwerden. Vieles kannte ich nicht und versuchte es auszugraben. Dann habe ich mal bei einer Wildkräuterwanderungen mitgemacht. Ich habe dort gelernt, dass man Pflanzen nicht bekämpfen soll, um sie zu vernichten, sondern dass das Meiste gut ist und gut schmeckt.“ Sie informierte sich, was man aus Wildkräutern machen kann. Sie habe zunächst bei Kräuteranbietern mitgemacht, dann experimentiert durch Kochen. Heilkräuter interessierten sie ebenfalls. Sie begann damit, Wildkräutersalz für die Küche herzustellen. „Als das immer mehr wurde, habe ich es an Freunde verschenkt.“
Salz konserviert
Bisher sei sie noch nie von einer Krankheit befallen gewesen, stellt sie fest. Doch das sei nicht der Grund gewesen, weshalb sie Kräuter interessierten. „Ich ernähre mich schon immer ohne Konservierungsstoffe und Co. Das hat meine Oma so vorgelebt und ich versuche, diese Stoffe aus meinem Speiseplan fernzuhalten.“ Das Lebensmittelangebot habe heute aber fast nichts mehr mit Natur zu tun, meint sie. Auf ihrem Speiseplan stünden deshalb fast nur Naturprodukte, welche sie selbst herstellt. „Ich habe meine Würze, welche ich selbst mache, als Konservierungsstoff dient Salz“. Daneben produziert sie Gemüse, Wildkräuter und Gewürze. Salat mit Wildkräutern stehen auf ihrem Speiseplan, junge Brennnesselblätter und Giersch. „Ich esse auch Fleisch, am liebsten aber Fisch. Gerne wäre ich Vegetarierin – aber Fleisch schmeckt mir so gut. Dafür nehme ich weniger, meist Biofleisch. Selbstgemachte Suppen sind gängig bei mir. Fertiggerichte kommen mir nicht auf dem Tisch, das finde ich schrecklich.“ Ursprünglich war Manuela Fuhrmann Verkäuferin, hat im Elsass aber eine Ausbildung zur Phytotherapeutin – Kräuterfachfrau – gemacht und mit Zertifikat abgeschlossen. Danach hat sie sich selbstständig gemacht. Ihr Schwerpunkt liegt auf Kräutern für die Küche. Der Heilkräuterverkauf sei ihr zu streng reglementiert.
Wilde Kräuter aus Ramberg und Erlenbach
Und welche Kräuter-Sorten bevorzugt sie? Sie zählt auf: „Die Brennnessel hat unwahrscheinlich viele Mineralstoffe, Kalium und ist blutreinigend. Aus Ackerschachtelhalm kann man Blutreinigungstee herstellen, welcher den Körper entgiftet. Melisse wirkt entzündungshemmend und ist gut bei Erkältung. Dost/Oregano wächst überall und hat viel natürliches Antibiotikum, ist entzündungshemmend. Beifuss wächst ebenfalls überall, ist ein Krampfkraut und wirkt gegen Magenkrämpfe und Unterleibskrämpfe. Auch die Schafgarbe wirkt entzündungshemmend und ist ein Krampfkraut. Giersch ist gut gegen Gicht- oder Rheumaprobleme, zudem blutreinigend.“ Sie beschafft sich ihre Kräuter von ihren Grundstücken in Ramberg und in Erlenbach. Teilweise wachsen die Kräuter dort wild, teilweise hat sie welche angepflanzt. Vollkommen biologisch, wie sie versichert. Zudem besitze ein Freund eine Gierschwiese. Da müsse sie nichts hinzukaufen.
Bietet Kräuterwanderungen an
Zu finden sind die Kräuter in Wildkräuterpesto, Wildkräutersalzen, Chutney und Relishes (Grillsoßen, Käsebegleiter), in herzhaften Marmeladen; dazu gibt es Wildblütensirup, Liköre aus Wildfrüchten und Wildkräutern. An ihrem Stand findet sich eine weitere Leidenschaft: handgemachte Holzschilder im Vintage-Look mit Sprüchen. Daneben bietet sie Kräuterwanderungen an. Wenn der Hausumbau mal vollendet ist, will sie auch Kräuterkochkurse anbieten. Info Die Kräuter-Produkte gibt es im Laden Lambert in Burrweiler und in der Kügler-Mühle in Siebeldingen. In Erlenbach werden sie auf Anfrage verschickt. Im Internet ist sie zu finden unter www.hollerhexe.de oder per Mail unter hollerhexe@freenet.de. Sie ist auf Bauern-, Garten- und Kräutermärkten der Region unterwegs.