Rheinpfalz Erinnerung an einen beliebten Herrscher
Das Ziel ist klar: „Wenigstens eine der noch erhaltenen Luitpoldlinden sollte ein Naturdenkmal werden“, sagt Kreisheimatpfleger Dieter Zenglein. 17 Standorte der anlässlich von runden Geburtstagen des beliebten Prinzregenten Luitpold vor über 100 Jahren gepflanzten Bäume hat der Dittweilerer bereits zusammengetragen. Um das Kataster zu vervollständigen, bittet er die Bevölkerung um Hilfe.
„Wenn ich fünf neue Standorte finden würde, wäre das schön“, so Zenglein. Er setzt seine Hoffnung auf die Ältesten, darauf, dass sie sich an Erzählungen ihrer Vorfahren erinnern, von Schulhoflinden wissen oder Andenken in Familientruhen aufbewahren. Der Prinzregent sei beliebt gewesen, erzählt Zenglein, seine runden Geburtstage in den Jahren 1891, 1901 und 1911 wurden groß gefeiert. „Es gab schulfrei, Festumzüge durchs Dorf, Brezeln wurden verteilt, Freibier ausgeschenkt. Das hat man sich gemerkt in der Zeit.“ Zenglein hat den Ablauf dieser Festtage anhand von historischen Quellen recherchiert. Dittweilers Gemeinderechnungen etwa zeigen, dass im Februar 1891 der Gemeinderat 30 Mark aus der Gemeindekasse bewilligte, um den „70. Geburtstag seiner königlichen Hoheit des Prinzregenten“ gebührend feiern zu können. Der Altenkirchener Lehrer Friedrich Germann lieferte dafür 28 Festschriften à 15 Pfennige, der örtliche Bäcker Karl Hinkelmann 232 Brezeln à zehn Pfennige, die an die Schulkinder verteilt wurden. Höhepunkt der Feier war ein Umzug, zu dessen krönendem Abschluss am Schulhaus eine Linde, schön umrahmt von einem hölzernen Geländer, gepflanzt wurde. Die Linde kam pikanterweise aus Preußen, wo der Geburtstag nicht gefeiert wurde: der Baumwart Ludwig Jakoby hatte sie für 3,30 Mark im jenseits der Grenze gelegenen Ottweiler gekauft und geholt. Im benachbarten Frohnhofen herrschte an diesem 12. März 1891 ebenfalls ausgelassene Stimmung. 50 Mark hatte die Gemeinde bewilligt, die drei Wirte lieferten Freibier, zwölf Pfund Schießpulver wurden mit Böllern verschossen. Nach Zengleins Recherchen wurden in Albersbach, das damals noch zum Kreis Kusel gehörte, in Börsborn, Dietschweiler, Dittweiler, Ehweiler, Frohnhofen, Haschbach (heute Henschtal), Jettenbach, Kübelberg (dort erst 1911), Kusel, Nanzweiler, Nerzweiler, Patersbach, Quirnbach, Rathsweiler, Steinbach und Ulmet Linden gepflanzt. In Patersbach setzte man außerdem eine Luitpoldeiche. „Viele dieser Bäume wurden in Schulhöfen gepflanzt“, sagt Zenglein. Er hofft, dass sich die Bevölkerung vielleicht an solche Bäume erinnern kann, auch wenn sie längst gefällt wurden. Ob es sich tatsächlich um Luitpoldlinden handelt, könnte dann in Archiven überprüft werden. Möglicherweise gebe es auch noch Festschriften. Nicht alle der alten Linden landauf, landab sind Luitpoldlinden. Trotzdem verdanken sie ihre Existenz meist offiziellen Anlässen, wie Horst Ohliger in seiner Schrift „Eichen, Buchen, Linden. Naturdenkmale im Westrich“ herausarbeitet: der Kirchenunion von 1818, dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1871 und eben den Geburtstagen des bayerischen Herrschers. „Es spricht vieles dafür, dass erst im 19. Jahrhundert, womöglich auch im Zuge der Romantik, die Linde als Dorfbaum bei uns häufiger wurde“, schreibt Ohliger. Vorher habe die Bevölkerung auf nützlichere Bäume gesetzt, die fruchttragenden Nuss- und Birnbäume etwa. Zum Naturdenkmal hat es bislang im Kreis Kusel keine der Luitpoldlinden geschafft. Das zu ändern ist zusätzlich zum historischen Interesse Antrieb für Dieter Zenglein. „Mindestens einer sollte ausgewiesen und unter Schutz gestellt werden“, findet er. Info Dieter Zenglein ist über das Bürgerbüro der Kreisverwaltung Kusel, Telefon 06381 4240, zu erreichen.