Kultur Südpfalz Er hat nichts gegen Kängurus

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Der wieder ins Leben gerufene Wörther Kulturherbst wurde am Freitag mit einem Auftritt des Kabarettisten Django Asül eröffnet. Die Bühne in der gut gefüllten Festhalle betrat der Niederbayer mit türkischem Stammbaum leicht verspätet, steigerte so jedoch die Vorfreude der gespannten Zuschauer.

Nachdem ein städtischer Mitarbeiter auf die einzige Bühnen-Requisite, einen schlichten Stehtisch, ein Glas Bier gestellt hatte, betrat auch Asül endlich die Bühne. Geschickt verstand er es, das Publikum sofort für sich einzunehmen, indem er über seine, natürlich künstlerisch ausgebauten nachmittäglichen Erlebnisse in Wörth plauderte, wie über einen Rundgang durch die Altstadt, seinen Besuch im Bienwald oder das Verhältnis der Pfälzer zu Karlsruhe und die verbindende Rheinbrücke. Danach schwenkte er auf sein aktuelles Programm um, in dem er sich mit Zeit, Lebenszeit und Alterung beschäftigen würde, so sein Aussage. Er habe nämlich festgestellt, dass speziell ihm die Zeit davonrenne. Deshalb habe er für sich entschlossen, mit seiner restlichen Laufzeit etwas Sinnvolles anzufangen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Viele Ideen fielen ihm dazu ein, wie das Gründen einer Bürgerwehr in seiner kleinen Heimatgemeinde Hengersberg, mit all ihren positiven oder eher skurrilen Auswirkungen, oder sein Beitritt in den Krieger- und Veteranenverein. Ja, genau, richtig gehört, auch wenn der Name dieses Vereins in Wörth erst nach dem dritten oder vierten Nennen bei den Zuhörern richtig ankam. Das war schade und kam im Laufe des Abends, besonders im ersten Teil, häufig vor. Denn zum einen sprach Django Asül schnell, nuschelte häufig, verwendete viel Dialekt und musste mit einem gestörten Mikrofon kämpfen. Dadurch kam manche Pointe, wenn überhaupt, verspätet beim Publikum an, für manchen wurde das Verfolgen der Asül’schen Gedankengänge zu kompliziert. Immer wieder kam er auf den stark regional geprägten Mikrokosmos Hengersberg in Niederbayern zurück, ließ seine örtlichen Protagonisten große Gedanken entwickeln, die sich um die Flüchtlingskrise oder um die Lage in Europa drehten. Mit diesen Kunstgriff packte er politische und gesellschaftliche Themen an, ließ seinen Kumpel Hans vom Vormittagsstammtisch und Mehmet, den ebenfalls türkischen Freund seines Vaters, seine Thesen zu den großen Themen der Zeit erläutern. Viel fiel Django Asül zu Europa ein, er bemühte gar die griechische Mythologie für seine Erklärungsversuche. Einer seiner „running gags“ waren die Momente, als er mit seinen Känguru-Vergleichen Probleme erklärte: „Nur, weil ich gegen was, also gegen Kängurus, nichts hab, muss es noch lange nicht hier sein!“, so die Stammtisch-Freunde zur Zahl der Flüchtlinge im Land. Klar, hatte Asül auch zur Türkei und zu seinen Bürgern eine Meinung, denn „der Türke an sich ist ein feiner Kerl, ich weiß wovon ich rede, ich war selbst mal einer.“ Ganz diffizil warf er mehrmals das Stichwort „Schmähgedicht“ in die Halle, brachte Tages-aktuell die Misere um die sechs deutschen Tornados, die in der Türkei installiert sind, mit ein. Ausflüge in die jüngere Geschichte Europas und Deutschlands, die ökonomische Lage der EU, die Liebe der Deutschen und speziell seine eigene für große Autos, alte Stammtischsprüche in neuem Gewand, Django Asül zog viele humorvolle und kabarettistische Register auf unterschiedlichem Niveau. Dabei empfanden viele im Publikum den zweiten Teil des Programms als den Spritzigeren, in mehrfacher Hinsicht als den besser Verständlichen. Und so hat der ehemalige Sparkassen-Mitarbeiter, Asül ist auf diesen Teil seines Lebenslaufs immer noch stolz, und heutige Vollblut-Comedian mit seinem Auftritt ganz nach dem Motto des Wörther Kulturherbstes am Ende doch noch „Lust auf (mehr) Kultur“ geweckt. |bic

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