Rheinpfalz Enteninvasion in der Wieslauter

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„Wo sind die blauen Säcke?“, fragt Thomas Schwinghammer am Samstagnachmittag gegen 15.45 Uhr und schaut sich auf dem Festgelände des Angelsportvereins (ASV) um, deren Vorsitzender er ist. „Schon im Auto“, beruhigt ihn ein junger Mann mit entscheidender Funktion, wie sich bald heraus stellen sollte. Philip Frenzel ist nämlich ein Ententreiber. Seine Aufgabe gleicht der eines Cowboys, nur dass der Schüler aus Hinterweidenthal ab 16 Uhr keine störrischen Rindviecher antreibt, sondern gestrandete Enten. Das Entenrennen auf der Wieslauter beim Fischerfest des ASV lockt alljährlich zahlreiche Zuschauer an.

Schwinghammer versichert sich, dass alle drei mit den gelben Quietscheenten prall gefüllten Müllsäcke da sind und steigt gemeinsam mit Frenzel und dem zweiten Vorsitzenden, Bekim Isufi, ins Auto. Die Fahrt dauert nicht lange, bis die ASV-Gruppe den Startbereich, der sich auf dem ehemaligen WPH-Gelände befindet, erreicht. „Am Freitag hatten wir noch Zweifel, ob das alles klappt, die Wieslauter hatte Hochwasser und die Fließgeschwindigkeit war hoch, heute ist es etwas gesunken, das haut hin“, prophezeit Schwinghammer, während die beiden Vereinsvorsitzenden die drei Säcke vom Kofferraum auf das Brückenufer der Wieslauter hieven. Derweil kämpft Frenzel mit den Gummiklamotten, die er sich überzustülpen versucht. Das scheint leichter gesagt als getan. „Die Klamotten sind ja noch nass“, stellt er ernüchternd fest. Das dritte Jahr in Folge bestätigt sich der junge Mann als Ententreiber und trotz dreijähriger Entenrennerfahrung hat er Respekt vor dem, was ihn gleich erwartet. „Die Wieslauter ist bestimmt kalt“, sagt er, während ihm die beiden Vorsitzenden beim wasserdichten Einkleiden behilflich sind. Wichtigstes Utensil ist ein etwa 1,50 Meter langer dünner Holzstock. Damit bringt er die gestrandeten Enten wieder auf Kurs. Die ersten Schritte vom Ufer ins Wasser legt er noch eher bedächtig zurück, aber schnell gewinnt Philipp Frenzel Standsicherheit, während der Wasserpegel deutlich von Knie- bis Hüfthöhe steigt. Unter dem Brückenkörper wartet der junge Mann auf den Start. „Es dauert noch paar Minuten, wir starten pünktlich um 16 Uhr“, erklärt derweil Schwinghammer. Abgesehen von der Lokalpresse interessiert sich keiner der Besucher für den Start. Aber bereits wenige Meter weiter entlang der Bahnhofstraße haben sich schon viele Wettpaten versammelt, die auf die Enteninvasion warten. „So jetzt losse mer se schwimme“, spricht Schwinghammer die entscheidenden Worte, bevor die vier Hände der zwei Vorsitzenden die drei Säcke leeren. Die Wieslauter schimmert gelb. 600 gelbe Quietscheenten schwimmen in Richtung Dorfpark. Ein gelber Klumpen bahnt sich seinen Weg durchs kalte Nass, flankiert vom Ententreiber. Auf die ersten Meter scheint das Rennen der mit einer Startnummer versehenen Enten noch offen zu sein. Einige der gelben Plastiktierchen favorisieren indes eher den Strandbereich. Die haben aber die Rechnung ohne den Entenflüsterer gemacht. Mit seiner Holzstange treibt der Entencowboy die gelben Viecher immer wieder ins kalte Nass der Wieslauter. „Wann kummen se dann“, fragen die zwischenzeitlich zahlreich versammelten Zuschauer entlang der Bahnhofstraße. „Jeden Moment“, erklärt ihnen Schwinghammer und noch ehe er es ausgesprochen hat, sind die Objekte der Begierde da. Die Uhr zeigt 16.22 Uhr. Im Ziel, an der Wassertretanlage im Dorfpark, ist bereits ein Fangnetz quer über die Wieslauter gespannt, damit ja keine Ente weiter als nötig schwimmt oder gar verloren geht. Zwei ASV Mitglieder fangen mit großen Kechern jeden einzelnen der Protagonisten ein. Der Zielbereich ist bereits dicht besetzt von den Wettpaten. Vor allem die Kinder haben sichtlich Spaß, den Zieleinlauf aus vorderster Uferreihe zu verfolgen, während die Mamas und Papas alle Mühe haben, nasse Füße ihrer Kinder zu vermeiden. Dass beim elften Entenrennen die Rennente „555“ am Schnellsten ist, dieses Geheimnis teilen sich neben der „Rennleitung“ die siebenjährige Mia Metzger und ihre sechsjährige Freundin Eileen Kustes. Die beiden Freundinnen halten die „Podestenten“ in ihren Händen und versprechen Stillschweigen bis zur Siegerehrung am Abend. Schließlich erreicht um 16.34 Uhr die „lahme Ente“ mit der Startnummer 187 unter dem Applaus der Zuschauer auch noch das Ziel getreu dem olympischen Gedanken. „Dabei sein ist alles“.

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