Herxheim
Ensemble Nobiles sorgt für vergnüglichen Abend
Sie ahnen es schon: Das Wetter spielte nicht mit. Nach einem freundlichen Abend am Freitag mit dem Trio 3D, dem Crossover-Ensemble der Brüder Dörsam, hatte die Gemeinde für Samstag auf eine vergnügliche Begegnung mit klassischer Musik im Park gesetzt. Das Publikum saß auch schon erwartungsvoll auf seinen Plätzen, als dunkle Wolken aufzogen und erste Regentropfen fielen.
Also wurde ein schneller Umzug in die Festhalle verkündet. Im Gänsemarsch machten sich die Zuschauer auf den Weg, der zum Glück nicht allzu weit ist. Dass der Himmel neben viel Grollen dann doch keinen kräftigen Guss hinabsandte, gehört wohl auch zu den organisatorischen Tücken von Open-Air-Konzerten.
Programm mit Charme und Witz präsentiert
Was dann aber in der Festhalle vom renommierten Vokalquintett Nobiles aus Leipzig, das seine Wurzeln im Thomanerchor hat, unter dem Motto „What a Wonderful World“ geboten wurde, entschädigte für die Unbilden. Recht unverblümt begann der Abend mit der Frage: Was gibt es Neues in Sachen Liebe? „Bon Jour, et puis, quelles nouvelles?“ Das feierlich klingende, polyphone Madrigal von Orlando di Lasso verschleiert mit Ironie erotische Absichten. Ebenso „Matona mia cara“, wo ein Landsknecht Einlass bei einer jungen Dame begehrt. Dagegen wirkten die romantischen Volksweisen von Friedrich Silcher nahezu gediegen.
Dass das Ensemble Nobiles international so gefragt ist, liegt nicht nur an der Professionalität des Gesangs, sondern auch an Charme und Witz der Präsentation von Liedern aller Stilgattungen und Länder – von den Madrigalen der Renaissance über romantische Liedsätze bis zu modernen Songs. Die Geschichte der Loreley etwa, erzählte Lukas Lomtscher, der Mann mit der angenehmen Bassbariton-Stimme, in feinstem Leipziger Sächsisch – mit der kleinen Fußnote, dass Frau und Kind auch noch im Boot sitzen und zuschauen müssen, wie die Dame dem Rheinfischer den Kopf verdreht.
Shakespeare und das Nachtgespenst
Das Glanzlicht des ersten Programmteils waren zweifelsohne die „Love Songs“ von Matthew Harris. Der zeitgenössische Komponist hat reizvolle, vitale Arrangements für die wunderbaren Sonette von William Shakespeare geschrieben, die viel Leichtigkeit und Ironie ausstrahlen. „A Red, Red Rose“ und „Drinking Song“ glänzten durch raffinierte Dissonanzen und eine fabelhafte Intensität der Vokalkunst.
Ohne Noten, ohne Mikro, die Brüder Paul (Counter-Tenor) und Lucas Heller (Bass), Christian Pohlers (Tenor), Benjamin Mahns-Mardy (Bariton) sowie Lukas Lomtscher (Bassbariton) sangen die meisten Lieder ohne technische Unterstützung, waren dadurch klanglich präsent und ganz nahe am Publikum.
Mit Swing und guter Laune gaben Paul Heller und Christian Pohlers einen alten Schlager von Friedrich Hollaender zum Besten. Er basiert auf den Missetaten eines von der Presse als „Nachtgespenst“ betitelten Ganoven der 1920er-Jahren, der in Berlin sein Unwesen trieb, indem er unbefugt Damen im Schlaf auf- und wieder zudeckte und diskret verschwand. In modernem Satz gewann Eichendorffs Lied „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ durch Jazzakkorde eine lebhafte Rhythmik. So folgte ein Höhepunkt dem anderen. Die noblen Herren aus Leipzig faszinierten durch ihre musikalische Präsenz und erhielten lebhaften Applaus.