Eisenberg Einwanderer unter Beobachtung

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Noch gab es keinen Abschuss eines Waschbären im Donnersbergkreis, aber die Invasoren stehen bereits vor der Tür. In den letzten vier Jahren wurden sie in fast allen Kreisen im südlichen Rheinland-Pfalz und selbst im Stadtgebiet von Kaiserslautern registriert. Inzwischen werden sie hier erwartet.

Nüchtern sieht Rüdiger Viessmann, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe, die Situation: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Waschbär kommt, aber willkommen ist er nicht.“ Die Waschbären gehören in Europa zu den Neozoen, das sind Tierarten, die vor der Entdeckung Amerikas nicht hier gelebt hatten. Waschbären sind in Nordamerika beheimatet. Hier werden sie als Gefährdung der biologischen Vielfalt empfunden, sie gehören zu den invasiven Arten. Offiziell wurden sie 1934 erstmals am Edersee in Nordhessen ausgesetzt. Später kamen Ansiedlungen im Harz, in Brandenburg und in Sachsen sowie Ausbrüche aus Gehegen und Pelztierfarmen hinzu. Die vor 1990 relativ konstanten Jagdstrecken auf niedrigem Niveau stiegen seit dieser Zeit an, was auf eine Zunahme der Bestände bei gleichzeitiger Besiedlung neuer Gebiete schließen lässt. Nach Viessmanns Ansicht gehöre der Waschbär nicht in die heimische Fauna. Insbesondere seien Bodenbrüter, darunter das Rebhuhn, gefährdet. Dennoch tue er sich als Naturschützer damit schwer, wenn hier von Abschuss gesprochen werde. Kornelia Reuther, seine Stellvertreterin, spricht von einem „heißen Thema“ und bedauert, dass der Waschbär dem Jagdrecht unterliege. Ihrer Meinung nach könne dieser tierische Einwanderer bei ausreichender Biotopgröße ohne menschliche Regulierung auskommen und sieht für den Landkreis derzeit keinen Zugzwang. Selbst wenn es hier so weit käme wie im Raum Kassel, würde sie den Jägern keinen Freibrief zum Töten dieser Kleinbären unterschreiben. Auch Kreisjagdmeister Klaus Weber sieht noch keinen Handlungsbedarf. Einzig vor annähernd zwölf Jahren sei im Kreis ein Waschbär totgefahren worden, und das von der oberen Jagdbehörde für das Jagdjahr 2014/15 ausgewiesene Exemplar sei nach seinen Unterlagen ein Marderhund gewesen. Aber die kleinen Räuber nicht zu Gesicht zu bekommen, heiße nicht, dass sie nicht da wären. Laut Weber könnten die Waschbären zum Problem werden, wenn sie erst einmal gehäuft hier auftreten. Als Nesträuber würden sie Gelege und Jungtiere von Bodenbrütern holen, und da sie sehr gute Kletterer seien, auch die von Baumbrütern. Bekannt sei, dass sie von Uhus besetzte Horste plündern und Sumpfschildkröten auf ihrem Speisezettel stehen. Da die Waschbären keine natürlichen Feinde hätten, sei dann der Jäger gefragt. Für Gerno Grüner von der Bund-Kreisgruppe war der Waschbär bisher noch kein Thema. Allerdings müsse über ihn nachgedacht werden, wenn er einheimische Arten gefährden sollte. Der Schutz vorhandener Tiere, insbesondere solcher, die auf der Roten Liste stehen, habe Vorrang. Dennoch halte er nichts vom „gnadenlosen Abschießen “, solange keine alternativen Methoden erprobt seien. Im Gegensatz zu Hessen, Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist der Waschbär in Rheinland-Pfalz bislang noch nicht massenhaft aufgetreten. Jedoch ist hier ein Nord-Süd-Gefälle festzustellen, wobei der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit 91 Waschbären im Jagdjahr 2015/16 die Statistik anführt, gefolgt vom Rhein-Lahn-Kreis mit 78 Tieren. Im Kreis Bad Kreuznach waren es seit 2013 immerhin 15 Exemplare. Für die Pfalz geht man noch von Einzelfällen aus. Kreisjagdmeister Weber, aber auch der promovierte Biologe und Verhaltensforscher Ulf Hohmann von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt halten es für denkbar, dass die bisher hier gesichteten oder zu Tode gekommenen Waschbären nicht Abkömmlinge der sich von Norden her ausbreitenden Population sind. Möglicherweise habe es sich dabei um zuvor als Haustiere – von deutschen Familien wie von amerikanischen Armeeangehörigen – gehaltene Exemplare gehandelt, die ausgebüxt sind oder ausgesetzt wurden. Im Raum Trippstadt habe es früher einen Züchter von Waschbären gegeben. Auf dem Dachboden eines Schuppens wurde dort 2011 eine Waschbärin mit vier Welpen entdeckt. Ende September fingen die Berufsjäger des Landesjagdverbandes in ihrem Lehrrevier in Weinsheim bei Bad Kreuznach einen jungen Waschbären in einer Falle. Es war der erste, der in diesem Revier gefangen wurde. Aber „wo ein Waschbär auftaucht, sind andere nicht weit“, sagt Christoph Hildebrandt, für die Betreuung des Lehrreviers mitverantwortlicher Wildmeister. Dabei bezieht er sich auf Erkenntnisse von Hohmann, wonach die Waschbären entgegen früherer Meinungen nicht als Einzelgänger leben, sondern ein „variables geschlechtsspezifisches Sozialverhalten“ zeigen würden. Hohmann sieht dort, wo Waschbären nur vereinzelt auftreten, noch kein Problem, erwartet jedoch, dass sie sich in der Pfalz ausbreiten werden, zumal sie hier geeignete Biotope finden. Offensichtlich würden es die sehr anpassungsfähigen Allesfresser schaffen, sich zwischen den vorhandenen Beutetieren „einzunischen“. Die Gefahren, die von ihnen ausgingen, hält er für überschaubar, auch wenn er sich Sorgen mache im Hinblick auf Brutkolonien, zum Beispiel des baumbrütenden Mauerseglers. Nach Ansicht von Hohmann, könnte eine intensive Bejagung die Verbreitung des Waschbären höchstens verlangsamen.

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