Rheinpfalz „Einfach schön, Menschen zum Lachen zu bringen“
Herschberg. Wer weit mehr als 500 Fasnachtsveranstaltungen besucht, 150 Prunksitzungen moderiert und 40 Büttenreden selbst geschrieben hat, ist zweifelsohne ein Vollblut-Karnevalist allererster Güte. Als Udo Wagner vor 55 Jahren in Herschberg beschloss, die Fasnachtslieder aus Mainz nicht nur vor dem Fernsehapparat mitzusingen, sondern selbst aktiv zu werden, sollte dies eine Erfolgsgeschichte werden, deren letztes Kapitel noch lange nicht geschrieben ist.
Auch auf der Sickinger Höhe sollte der närrische Frohsinn Einzug halten, war sich damals ein Dutzend junger Männer einig und gründete den „Carnevalverein Herschberger Narren“. Zum Präsidenten wählte man Udo Wagner. „Es hat sich so ergeben“, beschreibt dieser heute, was in den folgenden 55 Jahren passiert ist. Eine so lange Zeit an der Spitze eines Vereines zu stehen, über all diese Jahre hinweg unermüdlich mitzuarbeiten, mitzugestalten und auch in höheren Gremien Verantwortung zu übernehmen, ist außergewöhnlich. Selbst Szene-Kenner Wagner kann sich an keinen ähnlichen Fall erinnern. Vor 75 Jahren in Kaiserslautern geboren, wuchs Wagner in Herschberg auf und blieb seinem Dorf treu. Nach dem Besuch der Volksschule ging es ins Gymnasium – zunächst fünf Jahre auf ein Internat bei Heidelberg, danach für ein Jahr nach Pirmasens auf das Leibniz-Gymnasium. Die Eltern führten ein Modegeschäft, in dem er zunächst mitarbeitete und das er nach einer Ausbildung im Einzelhandel über 30 Jahre selbst führte. Ein Alleingang ist seine Liebe zum Karneval beileibe nicht: Mit dabei war damals bei der Gründung sein jüngerer Bruder Volker, der mittlerweile seit zehn Jahren Präsident des Bundes Deutscher Karneval und somit bundesweit höchster Amtsinhaber der Jecken ist. Eine wertvolle Stütze in Beruf und Fasnacht ist seine Ehefrau, die beiden Töchter und die Enkelin haben als langjährige Aktive ebenfalls viel zum Erfolg der Herschberger Narren beigetragen. „Es ist einfach schön, Menschen zu begegnen und sie zum Lachen zu bringen“, nennt er die Motivation seines Engagements. Die Fasnacht bringe verschiedene Generationen zusammen, verwische soziale Grenzen. Die Zusammenarbeit in der großen Vereinsfamilie zu sehen, in der die Jugend Freude am Mitmachen zeige, sei für ihn immer wieder ein Erlebnis. Ein Leben ohne Fastnacht könne er sich nicht vorstellen. Solange es die Gesundheit zulasse, wolle er den Verein unterstützen. Wenn Udo Wagner als mahnender Deutscher Michel in die Bütt steigt und die hohe Kunst der politischen Rede vorträgt, ist er ganz in seinem Element. „Gut gereimt muss es sein“, darauf legt er großen Wert. Von seinem Talent, mit Worten umzugehen, profitierten auch 36 Jahre lang die Herschberger Narrensänger. Sechs Auftritte Wagners als Büttenredner wurden im Fernsehen ausgestrahlt. Auf höherer Ebene hat man lange auf Wagners Erfahrung und Kompetenz gesetzt: 30 Jahre lang war er Bezirksvorsitzender der westpfälzischen Karnevalsvereine und Mitglied im Präsidium des Regionalverbandes, wo er der Westricher Fasnacht manchen neuen Impuls verlieh. Den Herschberger Vereinsring leitete Wagner ebenfalls 30 Jahre lang, er war Mitbegründer und Organisator des Dorffestes, gehörte zehn Jahre dem Gemeinderat an. „Auszeichnungen habe ich nicht angestrebt, sie sind auf mich zugekommen“, kommentiert er die vielfältige Würdigung seines Engagements. Den Goldenen Löwen mit Brillant trägt er, die höchsten BDK-Orden sind in seiner Sammlung. Kurt Beck verlieh ihm die Verdienstmedaille des Landes, die für ihn besonderen Wert besitzt.