Pop RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Stimme wie Licht: CATT im Karlsruher Tollhaus

CATT und Gitarrist Birk Buttchereyt im Hintergrund.
CATT und Gitarrist Birk Buttchereyt im Hintergrund.

Sängerin, Komponistin und Multiinstrumentalistin CATT begeisterte an Christi Himmelfahrt im Karlsruher Tollhaus. Ein Abend mit berührenden Songs und klugem Bandplaying.

Theaternebel liegt in der Luft und Vogelgezwitscher flirrt durch den Raum. Die Bühne im kleinen Saal des Karlsruher Tollhauses ist in warmes Licht getaucht, als die Musiker an ihre Instrumente gehen. Das Publikum johlt erwartungsvoll und dann kommt CATT. Lange blonde Zöpfe, konzentrierter Blick, ein kurzer lieber Gruß und sie stellt sich ans Keyboard. Mit dem ersten Ton von „Nothing Changes“ hält die Zeit kurz den Atem an.

Was CATT, mit bürgerlichem Namen Catharina Schorling, auf die Bühne bringt, ist nicht nur ein Konzert, sondern auch eine Einladung, im Hier und Jetzt zu verweilen. Ihre Stimme wandert in schwebender Leichtigkeit zwischen tiefer, beherzter Wärme und flirrendem Falsett. Im Refrain mit den Worten „Don’t Give Up“ klingt sie in den Höhen wunderbar unbeschwert und ermutigend.

Atmosphärisch dichtes Konzert

Das schafft Verbundenheit mit dem Publikum. „Hallo Karlsruhe, wie schön, Euch alle zu sehen“, sagt sie lächelnd. Es ist das 23. Konzert ihrer Tour „Live 2025“ und das letzte in Deutschland, bevor es weiter nach Zürich geht. Mit solchen knappen Erklärungen geht sie über in den nächsten Song „Again“. Birk Buttchereyt an der E-Gitarre lässt dabei hohe Töne in den Raum gleiten, als wollten sie sich an CATTs Gesang anschmiegen. Paul Rundel macht am Bass einen coolen Job, ist souverän zurückhaltend und bringt bei manchen Songs mit der Violine lyrische Akzente. Michèl Martins Almeida am Schlagzeug variiert klug zwischen Groove und Reduktion, und manchmal bleibt es lediglich bei einem Maracas-Schütteln, das dem Moment Raum gibt. Kurzum: Kluges, schönes Bandplaying!

Dennoch gehört die Bühne in der Hauptsache CATT. Sie wechselt mit großer Könnerschaft zwischen Keyboard und Akustikgitarre, auch zwischen Posaune und Trompete, deren Versatzstücke geloopt werden und sich als Klangtexturen in ihre Songs fügen. Und CATTs Stimme strahlt dabei wie versöhnliches Licht übers ganze Geschehen.

Sie wird sicher nicht das letzte Mal im Tollhaus gewesen sein

Dann lässt sie los, im wahrsten Sinne: „I’m the Wind“ singt sie solo, ohne Band, während im Publikum ein Glas laut klirrend zu Boden fällt. CATT lacht, das Publikum auch. Ein Moment wie gemacht für diesen Song über das Loslassen. CATT alias Catharina Schorling, Jahrgang 1995, singt in bestens verständlichem Englisch, und die Texte kommen dabei so natürlich rüber, dass man kaum glauben mag, dass sie aus dem Wendland stammt, wo sie einst im Kirchenchor Posaune spielte. Nach dem Musikstudium in Berlin startete Schorling als Studiomusikerin, schrieb unter anderem Songs für Größen wie Sarah Connor und Niels Frevert. Doch CATTs eigene Musik wollte – von ihr selbst interpretiert – raus, was die letzten Jahre eindrücklich bewiesen haben.

In Karlsruhe spielte sie Songs ihrer bisherigen Alben „Why, Why“ und „Changes“, aber auch neue Titel vom brandaktuellen dritten Album „A Different Life“, das diese Woche erscheint. Inspiriert von einer Reise nach Kalifornien, durchdrungen von der Gegenwart: „Es sind wirre Zeiten“, sagt sie. „Aber wichtig ist, liebevoll zu sein. Zu sich selbst und zu den anderen.“

Die letzte Zugabe gehört dann auch diesem Gedanken: „A Different Life“ beginnt zart, nur mit Keyboard und Stimme. CATT singt, als würde sie das Publikum einzeln berühren. Mit beeindruckender Präsenz führte sie das Publikum dabei, nachdem ausgelassen getanzt wurde, in stille Konzentration zurück. Dann steigt die Band ein und die Melodie wird zum kollektiven Summen, zum Klang, der bleibt. Ein großartiger Konzertabend. Diese Künstlerin wird man bestimmt wiedersehen. CATT war sicher nicht zum letzten Mal im Tollhaus.

x