Rheinpfalz Eine große Familie erfreut sich an traumhaft schöner Natur
Seit 60 Jahren kommen sie nach Ludwigswinkel, der Campingplatz im Schöntal ist für viele ihr zweites Wohnzimmer. Im Oktober feierte der Campingclub Pirmasens seinen Geburtstag mit einem festlichen Abend für seine Mitglieder.
Der Campingplatz liegt etwas versteckt, der Schöntalweiher ist gleich um die Ecke. Besucher, die durch das Eingangstor kommen, staunen erst einmal, so groß hat man sich das alles nicht vorgestellt. 80 Plätze bietet das Gelände, davon sind 40 dauerhaft belegt. 1958 wurde der Club mit damals neun Mitgliedern gegründet. Ab 1967 hatte man das Gelände im Schöntal vom Forst gepachtet, seit 1993 ist es Vereinseigentum. Die Saison reicht von Anfang Mai bis Ende September. „Das Schöntal liegt im Herzen Europas“, schwärmt der Vorsitzende Klaus Fink. Und genauso bunt wie Europa sind auch die Camper, die hier Station machen. Bei Campern gebe es im Übrigen keine Nationalitäten, „Camper sind alle eine große Familie“, erzählt Fink lachend. „Bevor die Politik angefangen hat, einen Schwerpunkt auf internationale Begegnungen zu setzen, haben das die Camper schon lange praktiziert. Camping ist schon immer grenzenlos.“ Es gebe beispielsweise Gäste aus Belgien und England, und neulich habe man einen indischen Kinderarzt zu Gast gehabt, der in Idar-Oberstein praktiziert. „Die Natur hier ist einfach fantastisch. Es gibt Kletterfelsen, Angelweiher, man kann Fahrrad fahren. Es ist traumhaft schön, wenn du die Tür rausgehst, bist du im Wald. Wo hat man denn so was noch?“, antwortet Fink auf die Frage, was denn die Leute aus Pirmasens hierher verschlagen habe. Viele kommen schon seit 40 Jahren. „Einige haben sich verabschiedet, aber nicht, weil es ihnen nicht mehr gefallen hätte, sondern weil sie gestorben sind“ sagt Fink. Die älteste Camperin ist derzeit Erna Praetze, und ihr gefällt es immer noch. Was nicht viele wissen ist, dass das Vereinsheim in der Saison täglich geöffnet hat und man dort wie in einem Restaurant essen kann. Die Vereinsmitglieder betreiben es im Ehrenamt und je nachdem, wer in der Küche Dienst hat, gibt es neben der ständigen Speisekarte wechselnde Gerichte. „Alle, die hier mitmachen, haben einen Gesundheitspass“ sagt Fink nicht ohne Stolz. Einmal im Jahr gibt es die Seniorenrallye. 14 Tage lang wird ein eigenes Programm mit Spielen und Aktivitäten geboten, dazu reisen Leute aus ganz Deutschland und Holland an. „Wir sind schon so lange hier und empfinden Ludwigswinkel als unsere Heimat“ sagt Fink. Er und seine Frau Elke sind seit über 35 Jahren im Verein engagiert, sie auch aktiv als Schriftführerin. Für Fink bedeutet Stillstand gleich Rückschritt, deshalb wird am Platz auch immer etwas saniert. Das Clubheim bestand 1975 aus einem alten ausrangierten Bus, 1980 wurde ein Vereinsheim errichtet, und auch hier wurde mehrmals angebaut. Heute ist es auf dem neuesten Stand, die Küche kann mit ihrer Ausstattung so manchem Restaurant Konkurrenz machen. Grillplatz und Geräteschuppen wurden eingerichtet. In gemeinsamen Arbeitseinsätzen wird der Platz gepflegt und instand gehalten. Die Sanitäranlagen sind modern und sauber, dazu barrierefrei. Demnächst kommt noch die Straßenbeleuchtung dran und das Vordach des Vereinsheims. Zum Geburtstag bekam der Verein vom Ludwigswinkler Ortsbürgermeister Liesenfeld eine Fahne mit Ortswappen geschenkt, die alte war nicht mehr ansehnlich. Zum Gratulieren gekommen war auch der Pirmasenser Bürgermeister Markus Zwick, der auch noch eine neue Pirmasenser Fahne versprach. Ein Stellplatz kostet 260 Euro im Jahr, Mitarbeit wird vorausgesetzt. „Wir sind eine große Familie, man kennt sich und nimmt Anteil am gegenseitigen Schicksal“, sagt Fink. Jeder sei für den anderen da. Für die Zukunft wünscht er sich, dass noch mehr Familien mit Kindern den Platz entdecken, damit sich die Campingfamilie etwas verjüngen kann. Der Spielplatz ist jedenfalls vorhanden.