Rheinpfalz Eine ganz neue Sicht auf den Taghimmel
Leichte Schleierwolken zeigen sich über Dahn und Hinterweidenthal. Am Radweg zwischen den beiden Orten liegt die steinerne Sonne, Herz- und Anfangsstück des Planetenwegs Dahner Felsenland. Hier haben die „Pälzer Schdernegugger“ gestern ein massives Teleskop aufgestellt; sie wollen Merkur beobachten, wie er sich vor die Sonne schiebt. Interessierte sind auf einen Blick durch die Linse eingeladen. Ob das Wetter mitspielt? Wenn sich zu viele Wolken breitmachen, wird von dem seltenen Ereignis nichts zu sehen sein. Doch es funktioniert: Die Sonne zeigt sich immer wieder.
Schon seit 13 Uhr, dem errechneten Zeitpunkt für den Beginn des so genannten Transits, sind die „Schdernegugger“ da. Neben ihrem Teleskop steht hier außerdem eine Fotokamera und zeigt unverwandt Richtung Sonne: Die besondere Konstellation soll festgehalten werden. Teleskop und Kamera sind mit speziellen Filtern ausgestattet, ohne die die gebündelten Sonnenstrahlen einiges anrichten könnten. „Beim Teleskop brauchen wir gleich zwei Filter, einen vor der Optik und einen dahinter“, erklärt Armin Kühn, Vorsitzender des Vereins „Pälzer Schdernegugger“ und studierter Astronom. Er demonstriert den Zweck der Vorrichtungen: Ohne das kleine dunkle Blättchen, das vor dem Guckloch angebracht wird, sind die Wärmestrahlen so heiß, dass sie nach kurzer Zeit mit etwas Papier ein Feuer entfachen könnten. Und für die Augen ist ein ungeschützter Blick in die Sonne natürlich besonders gefährlich. Unter fachmännischer Anleitung durch die Astronomie-Kenner kann allerdings nichts passieren. Die Beobachtung der Sonne gehört zu den ungewöhnlicheren Veranstaltungen für die „Schdernegugger“; meist ist es stockdunkel, wenn sie ihr Teleskop auspacken. Dann hilft ihnen die Lage des Dahner Tals, wo es einige Ecken gibt, die sich für einen Blick in den nächtlichen Himmel gut eignen. Doch selbst hier erschwert die Lichtverschmutzung, also die Aufhellung des Nachthimmels durch Straßenbeleuchtung und ähnliches, die erfolgreiche Suche nach Himmelskörpern. „Die Bilder vom Transit findet man natürlich alle im Netz, aber es selbst zu erleben ist das Besondere“, sagt Jens Theobald, Vereinsmitglied und Mitgestalter des Planetenwegs. „Erst in über 30 Jahren kann man hier wieder einen Merkur-Transit im Mai beobachten“, erläutert Armin Kühn. Für ihn und die anderen Vereinsmitglieder hat sich der Aufwand daher schon gelohnt, wenn sie das Schauspiel kurze Zeit live beobachten können. Und viele vorbeifahrende Radfahrer wagen den überraschenden Blick auf die Sonne. Der Planetenweg veranschaulicht dabei das Schauspiel am Himmel: Nur 80 Meter von der Sandstein-Sonne entfernt befindet sich Merkur, maßstabsgetreu in Abstand und Größe. Noch etwa 150 Meter weiter, hinter der Venus, liegt die Erde. Von ihr aus betrachtet ist ein Blütenblatt auf der Sandsteinkugel nicht mehr zu sehen, man bräuchte ein Fernglas. Sobald die Sonne für längere Zeit unverdeckt ist, zeigt sich beim Blick durchs Teleskop, was selbst die besten Augen unmöglich ohne Hilfsmittel sehen können: der langsame Weg des Planeten Merkur über die Sonnenscheibe. Als winziger Punkt wandert er von links nach rechts durch die große blasse Fläche, auf der auch Sonnenflecken zu sehen sind. Das Teleskop kennt seinen Pfad und dreht sich automatisch mit, bis Merkur am Abend seinen Durchgang beendet. Bis dahin bietet sich den Sternen-Begeisterten eine ganz neue Sicht auf unseren Taghimmel.